Klein – aber fein: Seit mehr als sieben Jahren organisieren Barbara und Thomas Wolf-Meyer die hochkarätige Jazz-Reihe „jazzApart“ in Plön. Im Mai steht ihr erstes Mini-Jazz-Festival an. Jeanette Nentwig hat das engagierte Paar in seinem Zuhause direkt am Plöner Trentsee besucht.
Eigentlich hatten sich Barbara (67) und Thomas (71) Wolf-Meyer mit ihrem Umzug im Februar 2017 von Duisburg nach Plön einen Traum erfüllt: „Wir lieben die Natur, diese wunderbare Landschaft hier, den See vor unserer Haustür, unsere zauberhaften Kajaktouren“, schwärmen die beiden. Begeistert erzählen sie, wie sie damals ihr Traumhaus am Trentsee entdeckten, und wie geborgen sie sich von Anfang an in ihrem neuen Zuhause fühlten. Eigentlich war nun alles bestens in ihrem Leben. Aber eben nur eigentlich. Denn schon bald spürten die beiden, die seit 50 Jahren ein Paar sind: Es fehlt etwas. Und zwar etwas Wichtiges: der Jazz.

Cool Jazz ergänzt das örtliche Jazz-Programm
„Nicht jammern, sondern machen!“, waren sie sich einig. Nur: Wie, wo, und mit wem? Da traf es sich gut, dass die Vorsitzende des Kulturforums Schwimmhalle Schloss Plön, Karin Wandelt, sie eines Tages fragte, ob sie nicht Lust hätten, den Cool Jazz nach Plön zu holen, als Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot des örtlichen Jazz-Clubs mit seinem Schwerpunkt auf Swing und Dixieland. „Na, da hatte sie ja genau die Richtigen gefunden…“ schmunzelt Thomas Wolf-Meyer in der Erinnerung.
Fortan war es vorbei mit dem geruhsamen Leben, er als Pensionär und sie als freischaffende Künstlerin: Am heimischen Küchentisch – mit Seeblick – tüftelten die beiden eine lange Liste mit Namen verschiedener Künstlerinnen und Künstler der Jazzwelt aus. Denn damit kennen sie sich aus: Seit ihrer Studienzeit sind sie glühende Fans des Jazz, besuchen seit Jahrzehnten gemeinsam Jazz-Festivals und -Konzerte. Thomas Wolf-Meyer hat in seinem Leben bereits unzählige glückliche Stunden vor dem Radio verbracht: Er kennt alle Jazz-Sendungen auf allen Kanälen, und auf Reisen ist die rote Bluetooth-Box sein wichtigster Kofferinhalt, um bloß keine Sendung zu verpassen.
2019 gab es das erste Konzert
„Wir sind damals ganz naiv und völlig unerfahren an die Planungen rangegangen“, gesteht Barbara Wolf-Meyer, eine gebürtige Engländerin, die in den USA aufwuchs. Beide wissen noch genau, wie Thomas von Hand einen langen Brief an die Jazzpianistin Julia Hülsmann nach Berlin schrieb. Sie sollte mit ihrem Trio den Auftakt machen für die brandneue Plöner Jazzreihe „jazzApart“.
Das Unerwartete, aber Erhoffte geschah: Julia Hülsmann sagte zu, und so ging 2019 das erste Konzert in der Alten Schwimmhalle über die Bühne. „Nach dem Konzert stand ein Mann aus dem Publikum plötzlich vor uns und bot uns seine Hilfe bei der Technik an“, erinnern sie sich – er sollte nicht der Letzte gewesen sein: Innerhalb kürzester Zeit hatte das Paar mehr als zehn Menschen um sich versammelt, das die Organisatoren seitdem unterstützt: Stühle rücken, Getränke verkaufen, putzen, Equipment heranschaffen, Backstage alles fein machen, die Künstler vom Bahnhof abholen…
Herz und Motor der Jazzreihe
Heute, sieben Jahre nach dem ersten Konzert, ist aus den Unterstützern längst ein eingespieltes Team geworden. Herz und Motor der Jazzreihe sind und bleiben Thomas und Barbara Wolf-Meyer, die inzwischen mehr als 20 Konzerte erfolgreich auf die Beine gestellt haben. Die Namen derer, die in Plön bislang auftraten, lesen sich wie ein Who-is-who der bekanntesten Jazz-Größen: Martin Tingvall, Julian und Roman Wasserfuhr zusammen mit Jörg Brinkmann, David Helbock’s Random Control, Sendecki und Spiegel, Eva Klesse Quartett, oder auch Mario Rom’s Interzone, der persönliche Favorit von Barbara Meyer-Wolf.

Das Erfolgsgeheimnis des Paares: „Wir kennen alle Künstlerinnen und Künstler und wissen, wie ihre Bühnenpräsenz ist. Das ist uns wichtig, gerade weil der Raum so klein und deswegen die Interaktion mit dem Publikum besonders von Bedeutung ist. Und natürlich schicken wir ihnen allen nach wie vor handgeschriebene Anfragen. Allerdings ist es inzwischen so, dass viele Künstlerinnen und Künstlern auf uns zukommen – es hat sich eben herumgesprochen, dass wir hier diese kleine, aber feine Jazzreihe haben“, freut sich Thomas Meyer-Wolf.
Und er verrät gleich noch ein Geheimnis: Die Verträge für die nächsten Konzerte sind alle schon eingetütet – bis Ende 2027 ist „jazzApart“ mit seinen üblichen fünf Konzerten pro Jahr ausgebucht. Auf welche Gäste freut sich der ehemalige Englisch-Lehrer, der stets großen Wert auf ein gepflegtes Outfit legt, schon heute ganz besonders? „Ich bin glücklich, dass es uns gelungen ist, Anja Lechner und Francois Couturier für 2027 zu verpflichten. Und wenn alles klappt, dann kommt 2027 auch Michael Wollny solo zu uns!“
Eine Erfolgsgeschichte
Finanziell ist „jazzApart“ ebenfalls eine Erfolgsgeschichte: Längst ist so gut wie jedes Konzert in der Alten Schwimmhalle, die Platz für 160 Zuhörerinnen und Zuhörer bietet, ausverkauft; die Konzertreihe schreibt eine schwarze Null. „Das entspannt mich sehr“, lächelt Thomas Meyer-Wolf verschmitzt, „schließlich war ich mein Leben lang Beamter… Aber so langsam werde ich wagemutiger!“
Eigene finanzielle Interessen haben Barbara und Thomas Meyer-Wolf an „ihrer“ Konzertreihe nicht. Alles Geld, das sie über den Verkauf der Eintrittskarten einnehmen, verwenden sie für die Gagen der Künstlerinnen und Künstler, die Gema, die Künstlersozialkasse, den Stimmer für den alten Steinway-Flügel und die Unterbringung ihrer Gäste. Nur eine winzig kleine Extravaganz leistet sich der Organisator: ein Foto mit jeder Künstlerin und jedem Künstler, die in Plön auftreten.
„JazzApart“ hält die beiden auf Trab
Aus den beiden ehemaligen Greenhorns, die von der aufwändigen Organisation von Konzerten keinen blassen Schimmer hatten, ist längst ein professionelles Duo geworden, das sich in seiner Unterschiedlichkeit gut ergänzt: „Barbara ist superpraktisch, immer optimistisch, zuverlässig und hilft mir sehr qualifiziert bei der Auswahl der Musiker“, lobt Thomas Meyer-Wolf seine Liebste, und die spart ihrerseits ebenfalls nicht mit Lob für ihren Gatten: „Ich bewundere seine Hartnäckigkeit, gleichzeitig ist er so impulsiv und antreibend und hat einen wunderbaren Blick für die Kunst.“
Gemeinsam haben sie in den sieben Jahren des Bestehens von „jazzApart“ schon viele Abenteuer gemeistert, die sie noch enger zusammengeschweißt haben und gleichzeitig auch gehörig auf Trab halten: Mal jagte Barbara zwei Tage lang einem von einem Künstler im Zug vergessenen Laptop hinterher, mal müssen sie auf Wunsch eines Musikers ein ganz bestimmtes Keyboard zum Ausleihen suchen und dann eigens für ein Konzert von Eckernförde nach Plön holen. Und dann sind da auch noch so manche kulinarischen Extra-Wünsche ihrer Gäste zu erfüllen – wie beispielsweise eine Flasche Whisky, die backstage vorrätig sein sollte, neben den von Barbara selbst gebackenen Brownies oder ihrer Appletarte. „Ein bisschen erinnert mich das alles manchmal an die Klassenfahrten, die ich früher als Lehrer immer organisiert habe“, kichert Thomas Wolf-Meyer.

Fünf Konzerte pro Jahr
Und Barbara ergänzt: „Uns macht das riesig Spaß, und die Konzertreihe hat unserem Leben ungeahnten Schwung verpasst.“ Gleichzeitig sind sie aber auch froh, dass es „nur“ fünf Konzerte pro Jahr sind – schließlich wollen sie ja auch noch Zeit für all ihre anderen Hobbies wie beispielweise Reisen, Theater, Tanzen („gerne zu den Stones oder Led Zeppelin“) und Kajakfahren haben, ganz zu schweigen von den Besuchen bei ihren beiden Kindern und den demnächst zwei Enkelkindern.
Neulich erst hatten sie mal wieder ein bisschen Stress: Das für 2025 geplante Konzert mit der Cellistin Anja Lechner musste kurzfristig verschoben werden – die Künstlerin hatte für den gleichen Abend eine Einladung zum Geburtstagskonzert im Arvo Pärt Center in Tallin bekommen und spielt dort zum 90. Geburtstag von Arvo Pärt. Und im Mai steht erstmals ein Festival auf dem Programm von „jazzApart“: Bugge Wesseltoft solo und das Diego Pinera Quartett kommen am 17. Mai nach Plön. Klein – aber fein. Das können sie wunderbar, die beiden guten Seelen von „jazzApart“, Barbara und Thomas Meyer-Wolf.