Großformatige Bilder von jüdischen Schleswig-Holsteiner:innen hängen in dem Raum, den Besucher:innen des Jüdischen Museums in Rendsburg als erstes betreten. Darüber leuchtet ein Schriftzug: „»A MENTSH IS A MENTSH“. Doch ab Ende Januar bleibt der Schriftzug dunkel. Der Schöpfer der Lichtinstallation, der Frankfurter Künstler Naneci Yurdagül, will damit gegen wachsenden Rassismus und Antisemitismus protestieren.
Warnung vor Rassismus, Antisemitismus und Rechtsruck
„In diesen Tagen nehmen leider in unserem demokratischen Land Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus sehenden Auges wieder zu“, schreibt Yurdagül in einer Stellungnahme. „Dies erfüllt mich nicht nur mit Angst und Sorge, sondern bestärkt mich auch in der unbedingten Verpflichtung, Gesicht zu zeigen und meine Stimme zu erheben: Nie wieder ist jetzt!“

Mit der Abschaltung der Lichtinstallation will er ein öffentliches Zeichen setzen und davor warnen, eine in Teilen rechtsextreme Partei wie die AfD als bürgerliche und wählbare Alternative anzusehen. Bezogen auf den Gastbeitrag des Milliardärs und Trump-Vertrauten Elon Musk in der „Welt“ schreibt Yurdagül: „Dass nun selbst der Axel-Springer-Verlag Rechtsextremen und Faschisten eine Plattform bietet, lässt mich sprachlos zurück. Ich verurteile dies auf das Schärfste.“
Mahnung: „Sei a Mentsh!“
Das Neonkunstwerk „A mentsh is a mentsh“ entstand 2020. Yurdagül stellt darin die Frage, was es bedeute, ein Mensch zu sein und was das Menschsein ausmache. „Im Jiddischen ist ein Mentsh nicht nur Homo sapiens, sondern weltoffen, empathisch und das höchste Lob, wenn man jemanden als solchen bezeichnet“, heißt es in Yurdagüls Stellungnahme. „Daher wachsen jüdische Kinder mit der Mahnung auf: Sei a Mentsh!“
Das Jüdische Museum Rendsburg bietet dem Protest des Künstlers eine Plattform: Sein Statement ist auf der Homepage des Museums veröffentlicht. Außerdem hängt der Text neben dem verdunkelten Kunstwerk. Es soll erst wieder im alten Licht leuchten, wenn eine neue demokratischen Bundesregierung vereidigt werde, heißt es in Naneci Yurdagüls Statement.