Michael Jacksons „This Is It“ – Zwischen Ikone und Mensch

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Nach John Lennon und Freddy Mercury reiht sich nun auch Michael Jackson in die Reihe berühmter Persönlichkeiten im Kunstmuseum Barlach in Wedel ein. Zum Fokus der Ausstellung wurde er durch eine Gemeinsamkeit mit dem Namensgeber des Ernst-Barlach-Museums.

Begonnen wird jedoch nicht damit. Direkt nachdem man die Tür zu den Ausstellungsräumen öffnet, schallen Michael Jacksons Klassiker in den Ohren und die bunten Albumcover lachen einem entgegen. Man weiß direkt: Jetzt geht es um den King of Pop. Doch nicht nur das. Gleich am Eingang wird die Dualität des Künstlers als Ikone und als Mensch sichtbar. Zwischen den ersten Albumcovern der Band „Jackson 5“, in der er in seiner Kindheit und Jugend aktiv war, und tiefgründigen Gesprächen zwischen ihm und seinem Therapeuten Rabbi Shmuley Boteach sieht man den Künstler, um den sich viele Kontroversen ranken und auch die friedliebende, freundliche Person.

Sowohl persönliche als auch Pressefotos springen einem entgegen. Foto: Lisa Naggatz

Der junge Ruhm Jacksons 

Das erste Albumcover vom damals 13-jährigen Jackson. Foto: Lisa Naggatz 

Michael Jackson wurde jung berühmt. Mit 13 veröffentlichte er sein erstes und zweites Soloalbum, sein erster Nummereins-Hit mit seiner Familienband „Jackson 5“ machte ihn jedoch schon mit elf Jahren zum Star. Dass die Musik der einzige Weg aus der Armut, in der die Familie aufwuchs, zu sein schien, zeigte sich am Vater Jacksons, der Höchstleistungen von den jungen Kindern forderte. Der Ruhm hat nicht lange auf sich gewartet. Sowohl „Jackson 5/The Jacksons“ als auch Michael Jackson solo konnten sich vor Aufträgen kaum noch halten, wie zahlreiche Auftritte in TV-Shows, Musicals oder live zeigen. 

So brachte Michael Jackson zwischen 1972 und 2001 zehn Soloalben heraus, gewann an einem Abend acht Grammy-Awards und filmte Musikvideos, die so teuer wie ganze Spielfilme waren. Das 18-minütige Musikvideo zu „Bad“ beispielsweise kostete über zwei Million US-Dollar und war eines der teuersten zur Zeit der Veröffentlichung 1987. „Hollywood Shuffle“, eine im gleichen Jahr erschienene Komödie, wurde im Gegensatz nur mit 100.000 US-Dollar realisiert.

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Der junge Ruhm Jacksons hatte jedoch auch seine Nachteile. Jackson konnte keine normale Kindheit erleben, was ihm noch bis zu seinem Tod im Jahr 2009 nachhing. Mit 24 bemerkte Jackson, dass er seine gesamte Kindheit durchgearbeitet hatte. Seinem Therapeuten erzählte er, dass er zu diesem Zeitpunkt nur im Park nahe des Aufnahmestudios mit den anderen Kindern spielen wollte. Sie seien die einzigen gewesen, mit denen er sich in seiner Hochzeit identifizieren könne. 

Warum Michael Jackson in Wedel?

In einem Gespräch mit Creative Director Heike Stockhaus zeigt sich: Dass Michael Jackson ausgewählt wurde, hat laut Stockhaus nichts mit reiner Willkür oder Reichweitengewinnung zu tun. Der Namensgeber des Ernst-Barlach-Museums in Wedel, der 1870 geborene Künstler, und Jackson hätten eine grundlegende Sache gemeinsam. 

„Beide waren der tiefen Überzeugung, mit ihrer Kunst zu einer besseren Welt beitragen zu können und zu müssen.“ – Heike Stockhaus, Creative Director

Während Ernst Barlach durch seine Kunstwerke nach dem Ersten Weltkrieg den öffentlichen Dialog für Frieden und Gerechtigkeit ankurbeln wollte, tat Jackson dies durch seine Songs. Beide kommunizierten das Leid der Welt und fühlten sich verantwortlich für diesen Zustand. Dabei standen immer die Empathie für den Menschen und die Hoffnung auf eine bessere Welt im Vordergrund. 1908 sagte Ernst Barlach beispielsweise: „Die ganze Welt ist in schiefer Position, das Ausbalancieren aber darf nicht aufgegeben werden“. Rund achtzig Jahre später beschrieb Michael Jackson in dem Song „Man in the Mirror“ eine ähnliche Hoffnung: 

„If you wanna make the world a better place , Take a look at yourself and then make a change”

Daran hat Michael Jackson sich auch selber ein Beispiel genommen und zahlreiche gemeinnützige Projekte unterstützt. Er spendete Millionen an Krankenhäuser oder Hungerhilfen, gründete die „Heal The World Foundation“, spendete seine Gewinne, knapp 115 Millionen Dollar aus der „Victory“ und „Dangerous“ Tour, und schrieb zahlreiche Songs zu gesellschaftlichen Themen. Vieles geschah jedoch im Geheimen. Der Sänger besuchte Krankenhäuser häufig ohne mediale Präsenz und spendete einen Großteil seiner Spenden anonym. 

Michael Jackson „Zwischen den Stühlen“

Dennoch war Jackson auch ein Mann der Kontroversen. Seine Liebe und Großzügigkeit gegenüber Kindern wirkte auf der einen Seite wie ein Versuch, seine verlorene Kindheit zu erleben, doch auf der anderen Seite wurden ab den 1990ern die Missbrauchsvorwürfe immer lauter. Seine Ranch „Neverland“ wirkte wie ein Paradies für junge Menschen und ließ die Grenzen zwischen Verantwortungsbewusstsein und kindlicher Unschuld Jacksons verfließen. 1993 traf er mit einem Jungen wegen Missbrauchsvorwürfen eine außergerichtliche finanzielle Einigung. Als es bei einer weiteren Anklage einen Gerichtsprozess gab, wurde Jackson freigesprochen. Trotzdem wurde das Thema in den Medien ausgiebig thematisiert, sodass die Gesellschaft schon vor dem Prozess polarisiert war. 

Viele Medien hatten eine zwiegespaltene Meinung zu Jackson. Zu Beginn seiner Karriere lobten sie seine Tanzsprache und sein Talent. Das wandelte sich mit den Missbrauchsvorwürfen jedoch zu Kritik an seiner Persönlichkeit oder an seinem Aussehen. Dieser Sensationsjournalismus nagte sehr an Jackson, der sich zurückzuziehen und abzugrenzen versuchte durch Sonnenbrillen oder Schleier. Mit seinem Tod wandte sich diese öffentliche negative Meinung jedoch wieder ins Positive und verurteilte alle, die ihm das angetan hatten. 

Insgesamt gilt, dass Jackson ein Mensch der verschwommenen Grenzen war. Seine Musik war ein Mix aus verschiedenen Genres, seine Persönlichkeit von Gegensätzen geprägt und auch um seine ethnische Zugehörigkeit und sein Aussehen rankten sich viele gegensätzliche Meinungen. Die Ausstellung versucht über Informationstafeln diese Dualitäten Jacksons herauszuarbeiten, stellt sie aber nicht in den Vordergrund.

Die Vielfalt von „This Is It“ in Wedel

So mannigfaltig die Person war, so breit gefächert sind auch die Ausstellungsgegenstände: von der Musik, die in den Ohren schallt, Albumcovern, Fotos, Kunstwerken oder Artikeln von und über Jackson bis hin zu Kleidungsstücken oder Musikvideos und Dokumentarfilmen.

Unten befindet sich das Herzstück der Ausstellung: der Dokumentarfilm „Michael Jackson’s This Is It“. Foto: Lisa Naggatz

Das Herzstück der Ausstellung bildet der knapp zwei Stunden lange Dokumentarfilm „Michael Jackson’s This Is It“, der 2009 erschienen ist und die Vorbereitungen auf die geplante gleichnamige Tour sowohl vor als auch hinter der Bühne thematisiert. Die Tour sollte die letzte seiner Karriere sein, konnte jedoch durch Jacksons vorzeitigen Tod nicht realisiert werden. Hier sticht vor allem heraus, mit welch einer Wertschätzung Jackson das gesamte Team behandelt. 

Ein sehr überraschender Aspekt der Ausstellung ist auch Jacksons eigene Kunst. Vielen ist nicht bewusst, dass Jackson zu seinen Lebzeiten selbst aktiv in der Malerei war. Mehrere Werke sind in einem kleinen Bereich ausgestellt und geben eine eher unbekannte Seite des Musikers preis.  Jackson arbeitete in unterschiedlichen Stilen und hat sowohl Selbstporträts gezeichnet als auch abstrakte Werke. Alle Themen, die ihm wichtig waren, wurden zu Papier gebracht. Das beinhaltete auch berühmte Persönlichkeiten wie die Queen, Disneyfiguren, Tanzschritte oder Kinder. 

Eine unbekannte Seite Michael Jacksons. Foto: Lisa Naggatz

Viel Zeit einplanen

Noch bis Ende März können sowohl Fans als auch Interessierte den Spuren Michael Jacksons nachgehen. Jeden Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr öffnet das Barlach Kunstmuseum in Wedel seine Türen. Für einen Eintrittspreis von 12 Euro und einem ermäßigten Eintritt von 10 Euro für SchülerInnen, StudentInnen oder Gruppen lässt sich in der Musik und den bunten Farben schwelgen und die Vielfalt Jacksons kennenlernen.

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