Die Nachricht von der Absage der Eutiner Festspiele 2026 ist ein kulturelles Erdbeben – doch schlimmer noch ist die drohende dauerhafte Abwicklung. Was sich hier andeutet, ist nicht weniger als der Verlust eines kulturellen Leuchtturms für Eutin und die gesamte Region Ostholstein. Und das – man muss es so deutlich sagen – wäre hausgemacht.
Denn während andernorts kommunale Verantwortung erkannt und gelebt wird, ließ man in Eutin ein erfolgreiches Festival am ausgestreckten Arm verhungern. Ein Festival, das sich über Jahre selbst getragen hat – mit über 95 Prozent Eigenfinanzierung, getragen von ehrenamtlichem Engagement, künstlerischer Exzellenz und einer klugen, sparsamen Struktur. Doch Erfolg kann auch zur Last werden, wenn die Strukturen nicht mitwachsen dürfen.
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, wie es gehen kann:
Die Schlossfestspiele Schwerin etwa werden über eine kommunal getragene GmbH organisiert, mit Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Stadt Schwerin und institutioneller Partner.
Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall erhalten rund 1,4 Millionen Euro jährlich an öffentlicher Förderung bei einem ähnlichen Produktionsvolumen wie in Eutin. Hier ist man überzeugt: Kultur ist Daseinsvorsorge.
Und in Eutin? Da scheiterte der Einstieg in eine neue Festspiele-GmbH am Stadtrat – trotz eines symbolischen Anfangsbetrags von 1.250 Euro für 5 Prozent Beteiligung. Mehr muss man über das politische Versagen nicht sagen.
Jetzt ist die Zeit für ein Bündnis
Doch statt Kulturpolitik mit dem Rotstift zu machen, braucht es jetzt einen breiten Schulterschluss. Warum nicht einen Runden Tisch ins Leben rufen, an dem Vertreter der Stadt, des Landes, der örtlichen Wirtschaft (z. B. Gewerbeverein), möglicher bürgerschaftlicher Initiativen und Kulturakteure gemeinsam einen Weg finden?
Denn eines ist sicher: Die Festspiele sind mehr als Musik. Sie sind ein Wirtschaftsfaktor, ein Standortvorteil, ein identitätsstiftendes Ereignis. Jeder Euro Förderung generiert sieben Euro Wertschöpfung in der Stadt Eutin – das sollte sich jeder Eutiner Kommunalpolitiker hinter die Ohren schreiben!
Kultur braucht Haltung – nicht nur Haushaltsdebatten
Der Rückzug der Ehrenamtlichen ist kein Rückzug aus der Verantwortung, sondern ein Aufruf zur Verantwortung. Kultur darf nicht von zwei Privatpersonen allein getragen werden, das kann, darf und muss eine Stadtgesellschaft gemeinsam schultern.
Jetzt ist der Moment, um Visionen zu entwickeln statt Resignation zu verwalten. Um Mittel aus dem Landesetat zu verhandeln, um Sponsorennetzwerke neu zu denken, um Bürgerbeteiligung zu fördern, und nicht zuletzt: um zu zeigen, dass Eutin zu seinen Festspielen steht.
Noch ist es nicht zu spät. Aber es ist fünf vor zwölf.