Wale vs Wildnis heißt dieser Kurzfilm, aber es taucht kein einziger Wal darin auf. „Wale“ ist das friesische Wort für Wille. Wille gegen Wildnis also. Anstelle eines Wals steht ein anderes Tier im Zentrum der Geschichte: der Maulwurf, gegen den die Großmutter der Regisseurin Hanna Plaß ankämpft. Eine wahre Geschichte, die in nur 15 Minuten ganze Welten eröffnet. Zu Recht hat dieser Kurzfilm den Publikumspreis beim Filmfest SH 2025 erhalten. Zuletzt lief er im Rahmen des Kurzfilmtags im Studio Filmtheater, dem ältesten Kino in Kiel.
In Wale vs Wildnis geht es um Elke Kruse. Die 90-Jährige lebt in Risum-Lundholm auf einem Bauernhof. Ein sehr schönes Anwesen, aber der Maulwurf droht ihren Garten zu zerstören. Und Elke kennt kein Erbarmen mit ihm, sie fährt schweres Geschütz auf und gefährdet dabei sogar sich selbst. Friesische Sturheit trifft hier auf deutschen Ordnungsdrang. Durch die Inszenierung als Western mit passender Musik und Kameraeinstellung ist der kurze Dokumentarfilm vor allem lustig, auch wenn einem manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt: Elke ist es wirklich sehr ernst mit dem Maulwurf, sie will ihn tot oder zumindest weit weit weg sehen.
Der friesischsprachige Film, gefördert von Friisk Foriining, ist kein Heimatfilm, vielleicht sogar eher ein Anti-Heimat-Film. Die Bekämpfung des Maulwurfes, der übrigens unter Naturschutz steht, ist ein universelles Thema für viele Deutsche – außer auf manchen Inseln, wo das Tier nicht lebt. Die Verbissenheit, mit der das Tier, das doch nur harmlose Hügel hinterlässt, hierzulande bekämpft wird, ist erschreckend. Das lässt tief blicken. Wie es in der Filmbeschreibung zu Wale vs. Wildnis über die1935 in den Zweiten Weltkrieg hineingeborene Elke heißt: „So wird in diesem Western die Beziehung zwischen der früheren Schützenprinzessin und ihrem Erzfeind zu einer Metapher für den Umgang der vergessenen Generation mit Gefühlen und Erinnerungen.“