Sie stellte für die Ausstellung „Hello Lübeck“ Trampoline ins Museum und lud Besucher:innen zum Experimentieren und Staunen ein. Noura Dirani leitet seit 2022 die Kunsthalle St. Annen in Lübeck. Nun übernimmt die Kunsthistorikerin die Gesamtleitung für das Museumsquartier in der Hansestadt. Unter ihrer Leitung soll das Quartier ein „ganzheitlicher Ort der Kunst und Kulturgeschichte Lübecks werden“, heißt es in einer Mitteilung.
„Unsere Sammlungen bewahren das Gedächtnis der Stadt und laden zugleich dazu ein, darüber nachzudenken, wer wir sein wollen“, sagt Dirani. Sie absolvierte ihr Volontariat an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und war am Lehrstuhl für Globale Kunstgeschichte in Heidelberg. Danach übernahm sie die Leitung des Japanischen Palais der Staatlichen Kunstsammelungen Dresden.
Dirani hat den „Mut, Museum neu zu denken“
Das Museumsquartier St. Annen vereint das St. Annen-Museum, das die größten Sammlung norddeutscher Schnitzaltäre beherbergt, mit der Kunsthalle St. Annen, die Werke von 1945 bis heute ausstellt. Beide gemeinsam gehören zum Verbund der Lübecker Museen. Dessen Direktor, Tilmann von Stockhausen, lobt Douranis fachliche und persönliche Kompetenz. „Sie verbindet wissenschaftliche Tiefe mit dem Mut, Museum neu zu denken“, sagt er.
In den kommenden Jahren steht im Museumsquartier die Räumung der Depots an. Die Aufgabe sei anspruchsvoll, sagt Dirani. „Jedes Objekt muss gesichtet und gesichert werden, und das bei laufendem Betrieb.“ Das verlange dem Team viel ab, biete aber auch die Chance, die Sammlungen neu kennenzulernen.
Messgewänder und CoBrA-Kunst
Wie breit gefächert die Angebote der beiden Häusern sind, zeigt der Blick auf die Ausstellungen im Herbst 2026. So sind im St. Annen-Museum bis März 2028 textile Schätze aus der Sammlung des „Danziger Paramentenschatzes“ zu sehen. Paramente sind Stoffe und Gewänder, die im Kirchenraum und während der Liturgie verwendet werden. Dazu zählen die Gewänder der Priester, aber auch Tücher zum Bedecken oder als Unterlagen für sakrale Gegenstände. Die Ausstellung im St. Annen-Museum setzt die Stoffe aus Danzig in Bezug zu wertvollen oder skurrilen Stücken des Lübecker Kirchenschatzes.
In der Kunsthalle St. Annen befasst sich eine Doppelausstellung unter dem Titel „Dimensionen der Freiheit“ mit dem dänischen Künstler:innenpaar Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen. Beide gehörten während der Besatzung Dänemarks den avantgardistischen Künstler:innengruppen Høst und Helhesten an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie Teil der Gruppe CoBrA. Der Name steht für die Städte der beteiligten Künstler:innen, nämlich Copenhagen, Brüssel und Amsterdam. Nach dem Trauma des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts wollte CoBrA eine Abkehr von bürgerlich-akademischen Kunstvorstellungen, Kunst sollte spontan entstehen. Die Ausstellung in Lübeck, die bis Mai 2027 zu sehen ist, rückt Else Afelts Schaffen und die gemeinsame Arbeit des Paares in den Mittelpunkt. Denn „über Jahrzehnte trat Alfelts Werk hinter dem ihrer männlichen Kollegen zurück“, heißt es auf der Homepage zur Ausstellung. Damit wirft die Ausstellung auch einen Blick auf die „sexistischen Zuschreibungen und strukturelle Ausgrenzung“ von Künstlerinnen innerhalb der eigentlich progressiven und avantgardistischen Netzwerke der Nachkriegsmoderne.