Was haben Teddybären, Fotografien und Stadtgeschichte gemeinsam? Sie alle lassen sich im Stadtmuseum Schleswig entdecken. Das befindet sich im Stadtteil Friedrichsberg und erstreckt sich über die verschiedenen Gebäude des ehemaligen Günderothschen Hofs. Wenn man auf dem Innenhof steht und auf die zwei Fachwerkhäuser blickt, die ein großes rotes Gebäude einrahmen – das Palais – ahnt man nichts von der Vielfalt an Gegenständen und Themen, die sich hinter den jeweiligen Türen verbergen.
Nicht mehr und nicht weniger als die ganze Welt
Im Jahr 2023 besuchten rund 20.000 Menschen das Stadtmuseum Schleswig. Die meisten von ihnen interessieren sich für die wechselnden Fotografieausstellungen. Jedes Jahr gibt es davon fünf bis sieben Stück im ehemaligen Getreidespeicher sowie im früheren Stallgebäude. Gezeigt wird nicht mehr und nicht weniger als die ganze Welt. Immer wieder werden Landschaften unterschiedlich in Szene gesetzt, mal georgische Tankstellen und Tankstellenruinen, mal malerisch verfremdete Lichteindrücke. Auch die Werke international bekannter Künstler*innen, wie Matt Stuart oder Pascal Maitre, waren schon im Stadtmuseum vertreten.
Seit mehreren Jahren zeigt das Museum die jeweiligen Sieger*innenbilder des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ sowie die Ausstellung „Unicef – Foto des Jahres“. Insbesondere letztere ist der Museumsdirektorin Dr. Dörte Beier sehr wichtig. Denn das Stadtmuseum Schleswig ist einer von nur vier Ausstellungsorten in ganz Deutschland. Bei dem Unicef-Wettbewerb stehen Abbildungen im Mittelpunkt, die Kinder zeigen – größtenteils jene, die unter Krieg und Verfolgung leiden. Sie laden dazu ein, von Schleswig aus in die Welt zu schauen, und anschließend wieder zurück, um sich zu fragen: Was ist eigentlich eine Demokratie? Wie sieht es mit (Kinder)Rechten bei uns aus?
Für und von Bürger*innen
Demokratie, das bedeutet auch Teilhabe. Das Stadtmuseum Schleswig versteht sich als Museum für die Bürger*innen seiner Stadt – und wird auch von diesen gestaltet. Jedes Jahr zeigt das Museum eine Abschlussausstellung des Kunstprofils der Domschule Schleswig, die von den Schüler*innen organisiert wird. Die Zusammenarbeit ist nicht auf junge Menschen begrenzt. So gibt es beispielsweise Projekte, die Frauen mit und ohne Migrationsgeschichte zusammenbringen. Die Frauen beschäftigen sich mit den Ausstellungen, werden selbst künstlerisch tätig und stellen ihre Ergebnisse aus.
Stadt- und Museumsgeschichte
Dann gibt es natürlich noch die Dauerausstellungen des Museums, also die Teddys und die Stadtgeschichte. Die historische Ausstellung im Palais wird derzeit renoviert, dementsprechend kann man dort neben der Geschichte der Stadt auch die Entwicklung museologischer Trends verfolgen. Die deutsch-dänische Vergangenheit wird in mit Teppichboden ausgelegten Räumen präsentiert, die Vitrine und Wände sind überfüllt mit Geschirr und Krams. In dem Teil zum 20. Jahrhundert hingegen wird wenigen Ausstellungsstücken auf hellen Dielen der Raum gegeben, den sie benötigen, um entsprechend zu wirken. Dazu kommt, dass es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu der Wikingersiedlung Haithabu gibt, die zukünftig in die Ausstellung eingebracht werden sollen.
Draußen geht es weiter mit der Stadtgeschichte, dort steht unter anderem ein Wahrsagerstein aus dem 17. Jahrhundert mit einer Runeninschrift, die heute niemand entziffern kann. Besonders niedlich lässt sich der Museumsbesuch mit der Privatsammlung historischer Teddybären abschließen. Sie befindet sich in einem der Fachwerkhäuser und ist vor allem für Kinder und Sammler*innen interessant. Alle anderen sollten ebenfalls einen Blick in das Gebäude werfen. Dort befinden sich nämlich der Museumsshop und das Café, dessen Tische und Stühle bei Sonnenschein nach draußen gestellt werden.
Wem das Stadtmuseum noch nicht vielfältig genug war: Ein halbstündiger Spaziergang entlang der Schlei führt zur ersten Dependance des Museums, dem Holm-Museum, das eine Dokumentation des Fischerortes im Wandel zeigt. Auf dem Rückweg kann man einen Abstecher zur zweiten Dependance machen, dem Museum für Outsiderkunst.