Elisabeth Bohde, Jahrgang 1957, leitet gemeinsam mit ihrem Mann Torsten Schütte das freie Theater Pilkentafel in Flensburg. Für die Neujahrsaktion des kulturkanal.sh schaut sie voraus ins Jahr 2025. Sie freut sich auf neue und altbekannte Stücke und eigenen Strom vom Dach.
„Wir wollen auch ganz praktisch für Nachhaltigkeit sorgen“
Wir freuen auch 2025 auf all das Neue, das bei uns zu sehen sein wird. Wir als Ensemble planen zwei neue Produktionen. Im Februar ist die Premiere von „Knautschcouch“, einem Solo über die Frage, wie wir eigentlich die Nachrichten über den Zustand der Welt aushalten, bewältigen, ertragen oder auch nicht mehr ertragen.
Im September steht „Deich ohne Schafe?“ an, eine Arbeit über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nordseeinsel Pellworm. Dort lässt sich im Kleinen aufzeigen, wie komplex und gefährdet das Gleichgewicht dieser Kulturlandschaft ist.
Außerdem gibt es neue Produktionen anderer Compagnien bei uns im Haus. Darunter eine Premiere von Karin Schmitt, eine neue Fassung von „Herbert“ von MerleIMischkeIKlee, eine weitere Zusammenarbeit mit Charlotte Pfeifer als Dithmarscher Botschafterin, eine Koproduktion mit KFC Suite aus Mannheim zum Thema Tourismus….
Wir freuen uns genauso, „alte“ Stücke weiter zu spielen, denn wir finden die Tendenz im Freien Theater, immer neu zu produzieren und wenig zu zeigen, wirklich nicht nachhaltig. Und wir freuen uns auch, dass unsere Solaranlage 2025 Strom einspeisen kann und wir auch ganz praktisch für Nachhaltigkeit sorgen.
„Hoffnung ist gerade nicht naheliegend“
Tja, worauf hoffen und was befürchten wir für das Jahr 2025? Hoffnung ist gerade nicht so naheliegend. Wir sind – und das spiegeln unsere Stücke ja auch wieder – sehr beunruhigt darüber, dass die Erderwärmung weitergeht, aber die Politik sich für Wirtschaftswachstum interessiert. Darüber, dass Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Misogynie und alle anderen Ressentiments eine immer größere Verbreitung finden und politisches Handeln (nicht nur der AfD) bestimmen. Dass Krieg mehr und mehr als Mittel der Politik zählt und das Recht des Stärkeren über allen Vereinbarungen steht…
Und natürlich macht uns die finanzielle Lage der Kultur und insbesondere der Freien darstellenden Künste große Sorgen. Kürzungen in diesen immer noch prekären Verhältnissen sind nicht zu verkraften, wir sehen Strukturen erodieren und Akteur*innen die Szene verlassen. Gerade angesichts der Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, glauben wir einen wichtigen Beitrag leisten zu können.