Mit der Kunst ist es bisweilen nicht immer ganz einfach. Man müsse ihr überall hin folgen, sagt Bianca Leidner vom Kulturverein Probstei. Auch wenn es ans Bügelbrett ist.
„Am Anfang hatte ich noch kein Atelier“, erzählt Bianca Leidner. Die 56-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie sie begann, ihre Entwürfe auf der Ablage eines Bügelständers zu malen. Heute arbeitet sie in einem eigenen Atelier in Barsbek.
Verein gegründet
Leidner gehört gemeinsam mit Marlen Haase zu den Gründungsmitgliedern des Kulturvereins Probstei. Im September 2018 hatten sich 18 Interessierte zusammengefunden, um die Kunst in die Probstei zu tragen. Haase ist die erste Vorsitzende. „Wir machen keinen Mainstream“, sagt sie. Der Verein hat inzwischen etwa 130 Mitglieder. „Zu uns gehören freischaffende Künstler, die von ihrer Kunst leben und andere, für die es ein Hobby ist.“ Die Mitglieder haben sich in vier Arbeitsgruppen organisiert. Es gibt eine Gruppe für Bildende Kunst, eine Musik-, eine Foto- und eine Literaturgruppe.
Etwas Eigenes machen
„Wir haben einen kleinen operativen Kreis. Bis hin zum Kleben von Plakaten – bei uns macht jeder alles. Mit den Jahren sind wir größer und größer geworden“, erzählt Haase. Die 70-Jährige hat Bildende Kunst, Kunstgeschichte sowie das Fach Arbeitslehre Technik studiert und viele Jahre an einer Schule in Berlin unterrichtet. Vor elf Jahren ist sie nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Sie hat zunächst im Kulturbeirat der Gemeinde Schönberg gearbeitet. Der habe aber nur eine beratende Funktion. Das meiste sei daher in der Schublade gelandet. „Wir machen was Eigenes. Wir gründen einen Verein“, sagt Haase damals. „Wir wachsen heute mehr als wir schwinden. Austritte aus dem Verein gibt es nur, wenn jemand wegzieht.“ Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. „Wir wollen eigenständig bleiben und von niemandem abhängig sein.“
Kunst überall in der Probstei
Mit viel Engagement hat sie gemeinsam mit anderen Mitgliedern 2020 die „KunstTage“ ins Leben gerufen. „Das ist unser Markenkern“, so Haase. „Wir stellen überall in der Probstei Kunst aus und hatten in den letzten Jahren immer um die 4.000 Besuche. Die Leute sind mit den Fahrrädern unterwegs und planen ihre Touren schon im Voraus.“ Man habe inzwischen in Ateliers, Scheunen, Kirchen und Dorfgemeinschaftshäuser immer mehr Ausstellungsmöglichkeiten gefunden.

„Die Künstler lernen sich besser kennen, vernetzen sich beispielsweise mit Museen und gründen Ateliergemeinschaften“, erzählt Haase. Doch man spüre den Corona-Bruch noch immer. Es sei mühsam, das Publikum wieder aufzubauen. „Wir bemerken eine Erholung, aber viele entscheiden spontan, ob sie zu Veranstaltungen kommen oder nicht.“ Es gebe wenig Vorbestelllungen, viel laufe über die Abendkassen.

Die Leidenschaft von Bianca Leidner für die Malerei jedoch ist ungebrochen. Sie hat Nachrichtentechnik studiert und als Softwareentwicklerin gearbeitet. Nach einem Urlaub in Ghana hat sie sich der Malerei für Afrikafreunde verschrieben. Die Natur, die Menschen und Tiere, die Art zu leben – Leidner bringt ihre Sehnsucht auf die Leinwand. In großen Motiven und kräftigen Farben spürt man die Kraft und die Schönheit des Kontinents. Leidner hat schon als Kind gemalt und sich als Autodidaktin alles selbst beigebracht. „Ich habe mir Künstler zum Lernen und Workshops gesucht“, erzählt sie.
Haiku-Spaziergang und im September die „KunstTage“
Der Verein ist über seine Homepage www.kulturverein-probstei.de zu erreichen. Für 2025 ist ein Haiku-Spaziergang geplant, der an eine Lesung aus diesem Jahr anschließt. Ein Haiku ist eine ursprünglich aus Japan stammende Art der Kurzformdichtung. Die „KunstTage“ werden Anfang September stattfinden. Dazu kommen Buchvorstellungen, Themenvorträge und ein Vorlesewettbewerb für Kinder.