Die Sonne scheint. Es ist einer der ersten Frühlingstage und ich spaziere durch Flensburg. Flensburg – da kommen den allermeisten zunächst die „Flensburger Punkte“ des Verkehrssystems in den Sinn. Oder: „die Stadt da neben Dänemark“. Beim Spaziergang durch die nicht einmal fünf Kilometer vom Nachbarland Dänemark entfernte Stadt habe ich allerhand Kunst in den Straßen gefunden.
Flensburgs Streetart Szene
In der Innenstadt ist keiner vor der Kunst sicher. Ob in den historischen Gassen oder direkt an einer Hauswand – der Einfluss der Streetart ist unübersehbar:



Die Stadt hat Streetart sogar der Innenstadtstrategie hinzugefügt und zu einem kulturellen Baustein der „Erlebnismeile Flensburgs“ gemacht. Zusätzlich zu wuchernden Graffitis wurde durch das Projekt NORD:SYD eine Freiraumgalerie geschaffen, die Flensburgs Geschichte, die Stadt im Norden Deutschlands mit Einfluss aus dem Süden Dänemarks, zusammenbringen soll. Zu diesem Projekt entsteht auch eine interaktive Karte, um die Kunst immer im Blick zu haben.
Katzen machen die Innenstadt unsicher
Wer beim Schlendern durch die Norderstraße genau hinsieht, kann überrascht werden – von vielen kleinen Katzen. Die anonyme Katzenmalerin N.M. möchte die Flensburger Innenstadt verschönern und Verspieltheit in die Einkaufsstraße bringen. Fast 30 gemalte Katzen zeigen sich in den unterschiedlichsten Charakteren. Manchmal vermitteln sie sogar noch etwas über die Geschichte der Stadt. So soll beispielsweise die „Katze, die ein UFO fliegen lässt“ an die handwerkliche Vergangenheit der Straße und des Gebäudes als Werkstatt erinnern.


Eine weitere historische Katze (mit Stola) findet sich nahe des Oluf-Samson-Gangs. Auch sie soll an die reiche Geschichte dieser Gasse erinnern. Der dänische Kaufmann Oluf Samson vermietete die Grundstücke im 17. Jahrhundert an sozial schwächere Familien. Später, als Flensburg durch den Ersten Weltkrieg verarmte, enstand im Oluf-Samson-Gang ein bekanntes Rotlicht-Viertel. Heute gehört diese Zeit der Vergangenheit an. Die Straße wurde umfassend saniert und bietet nun bunte, romantische Hafenhäuschen ohne Rotlicht.

Shoefiti – was wollen die Schuhe denn da oben?
Bis hoch oben in die Lüfte gibt es entlang der Norderstraße etwas zu entdecken. Der Weg zum Holstentor führt zu einer weiteren Besonderheit, die die Stadt sogar weltberühmt gemacht hat. Das amerikanische Reisemagazin Travel + Leisure hat die Straße in ihrem Beitrag zu den verrücktesten Straßen der Welt genannt. Und das wegen ein paar Schuhen.

Hoch oben, an einer Leine zwischen zwei Häusern baumeln lauter Schuhe. „Shoefiti“ (ein Zusammenschluss der englischen Wörter Shoe und Grafitti) lautet der Name der Streetart-Schuhe, die es auch in anderen Ländern gibt. Wie die Schuhe da hochgekommen sind? Darum ranken sich zahlreiche Geschichten. So viele, dass 2011 ein Schreibwettbewerb organisiert wurde, der die Legenden, die sich um die Schuhe drehen, sammelte. Drogen-Krimi, Liebesgeschichte, Marketing-Gag – hier ist so ziemlich alles vertreten. Wie die Schuhe tatsächlich dort hinkamen? Das kann heute nicht mehr rekonstruiert werden. Aber: ein Hingucker bleibt das Shoefiti gewiss.
Sie möchten noch weiter lesend mit uns durch Schleswig-Holstein spazieren? Wie wäre es mit einem Spaziergang westlich von Heiligenhafen:
Unter diesem Link finden Sie alle bisherigen „Ortsbilder“: https://www.kulturkanal.sh/tag/ortsbilder/