Über 1100 Schleswig-Holsteiner:innen leben hauptberuflich vom Pop. Für sie und für alle, die Popularmusik lieben, gibt es seit 2023 die Plattform „Popnet.sh“. Über die Zukunft des Beratungs- und Vernetzungsanbot beriet der Bildungsausschuss des Landtags.
Das Popnet fördert seit 2023
Von „Afterimage“, Hard-Rocker aus Kiel, bis „Windback“, einer jungen Band aus Rendsburg, spannt sich das „Popnet“ zurzeit. Das Projekt ist an den Landesmusikrat angedockt und wird von der Initiative Musik unterstützt. Dabei handelt es sich um eine Fördereinrichtung des Bundes für Popularmusik und Jazz. Unter dem Motto „Wir glauben an die gesellschaftliche Kraft von Popkultur“ vergibt die Initiative Geld an Einzelkünstler:innen und Bands. In einer zweiten Säule hilft die Bundes-Initiative beim Aufbau von regionalen Netzwerken. Darunter ist seit 2023 die Plattform Popnet.sh in Schleswig-Holstein.

„Wir wollten diesen Bericht, um zu erfahren, wie die Arbeit läuft und welche Ergebnisse bisher erreicht wurden“, sagte die Grünen-Abgeordnete Uta Röpcke bei der Ausschuss-Sitzung Mitte September. Wenn die finanzielle Zukunft unsicher sei, müsse sich die Politik damit auseinandersetzen, ob es möglicherweise andere Quellen gebe. Sie wies darauf hin, dass andere Bundesländer deutlich früher Förderstrukturen für Pop-Bands und Veranstaltungen aufgebaut haben.
Netzwerke aufbauen und „gucken, wen es gibt“
Eine der ersten Aufgaben des Popnet sei gewesen, „zu gucken, wen es überhaupt in Schleswig-Holstein gibt“, sagte Schröder. „Viele Akteure kennen sich gar nicht. Daher haben wir Daten gesammelt und das Netzwerk erweitert.“ Eine Erkenntnis: „Wir haben eine Menge Hidden Champions.“ Als Beispiel nannte er einen Fachverlag für Heavy Metal in der Nähe von Schleswig. „Der veröffentlicht keineswegs Noten, sondern kümmert sich um den weltweiten Handel mit Rechten an Texten und Musik – dahinter steckt Big Business.“
Ingo Hassenstein, der selbst als selbständiger Musiker und Komponist arbeitet, wies darauf hin, wie wichtig Zusammenarbeit und Austausch seien. Das schließt ganz praktische Hilfen ein: „Bei Festivals etwa werden Dinge gebraucht, die den Rest des Jahres herumstehen. Warum die nicht im Pool gemeinsam nutzen?“ Gemeint seien nicht die großen Festivals wie Wacken Open Air oder Schleswig-Holstein-Musiksfestival. Sondern es gehe um regionale Treffen wie das Norden Festival in Schleswig, das Lala auf dem Kulturhof in Negenharrie oder das Superkunst-Festival in Lübeck. Um die ganze Bandbreite der Festival-Szene zu entdecken, verwies Hartmut Schröder auf die Festival-Reihe des kulturkanal.sh, die von der kulturkanal.sh-Mitbegründerin Birthe Dierks betreut wird. „Wir selbst sind auf 62 Veranstaltungen gestoßen, der kulturkanal.sh hat noch viel mehr entdeckt.“
Lob für das Popnet, aber bisher keine Förderzusage

Mit solchen lokalen Veranstaltungen oder Konzerten würden die Musikschaffenden in Schleswig-Holstein nicht nur für sozialen Zusammenhalt sorgen, sondern auch einen wirtschaftlichen Beitrag leisten, sagte Hassenstein, Musik sei ein Aushängeschild.
„Durch Pop und die Leute, die in der Branche arbeiten, kommt Geld nach Schleswig-Holstein.“
Im Wirtschaftsministerium sei dieser Gedanke aber noch nicht angekommen, bedauerte Schröder. „Als wir dort von unserer Arbeit berichtet haben, wurden wir an das Bildungs- und Kulturministerium verwiesen.“
Von dort gibt es Lob für das Angebot. Es sei toll, dass es dank der Bundesmittel gelungen sei, das Popnet aufzubauen, sagte eine Vertreterin des Bildungs- und Kulturministeriums. Besonders im ländlichen Raum sei die Vernetzung wichtig. Anette Röttger (CDU) nannte die Netzwerk-Treffen für Musikschaffende eine Chance zum Austausch, die „gerade in diesen digitalen Zeiten sehr wichtig“ seien. Auch die Grüne Uta Röpcke war nach dem Bericht zufrieden. Eine Zusage für Fördermittel gab es allerdings weder aus dem Ministerium noch von den Fraktionen – die Zukunft des Popnet bleibt damit unsicher.
Transparenzhinweis: Der kulturkanal.sh und der Landesmusikrat Schleswig-Holstein kooperieren für die Portrait-Reihe „Mensch, Musik!“. Auf die Berichterstattung über andere Themen hat diese Kooperation aber keine Auswirkungen.