Seit 2015 fördert das Land Schleswig-Holstein die Kulturknotenpunkte (KKP) als essenzielle Netzwerkstellen, um die kulturelle Infrastruktur insbesondere in den ländlichen Regionen zu stärken und den Zugang zu Kunst und Kultur zu gewährleisten. Das Konzept, das im Rahmen des Kulturdialogs 2013 entstand, sollte eine Antwort auf die Frage liefern, wie die kulturelle Infrastruktur im ländlichen Raum gesichert und gestärkt werden kann.
Die Mission: Koordination und Teilhabe in sieben Regionen
Die Kulturknotenpunkte sind als professionelle Netzwerkstellen konzipiert, die sparten- und kommunalgrenzenübergreifend agieren. Sie stellen sicher, dass den Menschen in allen Teilräumen des Landes der Zugang zu verschiedenen Formen von Kunst und Kultur ermöglicht wird und tragen damit zur Gewährleistung gleichwertiger Lebensverhältnisse bei.
Ihre Kernaufgaben umfassen die Koordination und den Ausbau des kulturellen Netzwerkes in ihrer jeweiligen Region sowie die Funktion als Ansprechstelle und Ort für Vernetzung, Empowerment und Beratung für haupt- und ehrenamtliche Kulturakteur:innen. Zudem fördern sie die Sichtbarkeit regionaler Kulturangebote und agieren als Multiplikator:innen der Landeskulturpolitik. Das Netzwerk umfasst derzeit sieben Regionen.
Ein Podium blickt zurück und nach vorn
Auf dem Kulturkongress 2025 des Landeskulturverbandes Schleswig-Holstein (LKV) wurde das Jubiläum der Kulturknotenpunkte mit einem halbstündigen Panelgespräch gewürdigt. Moderiert vom LKV-Vorsitzenden Kilian Lembke diskutierten Guido Froese (Nordkolleg Rendsburg), Stefanie Fricke (KKP Südwest/Drostei Pinneberg), Lilith Maurer (KKP Nordost/Scheersberg) und Dr. Philipp Salamon-Menger (Leiter der Kulturabteilung des Landes) über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Netzwerks.
Dr. Philipp Salamon-Menger beschrieb seinen Einstieg ins Thema 2020 – mitten im Pandemie-Modus – als eine Begegnung mit einem „atmenden, lebendigen Netzwerk“, das er so nicht erwartet hätte. Er betonte, wie wichtig es sei, qualitative wie quantitative Erfolgskriterien zu definieren, ohne Netzwerkarbeit auf Zahlen zu reduzieren. Eine „Kultur des Scheiterns“ sei essenziell, damit nicht „siebenmal mit derselben Idee gescheitert“ werde. Der große Wunsch des Ministeriums: Dass die Kulturknotenpunkte 2035 nicht nur bestehen, sondern aktiv die großen Themen wie Digitalisierung und Vielfalt verknüpfen.
Guido Froese blickte zurück auf die Entstehung: Der ursprüngliche „Mut zur Lücke“ sei heute manchmal von Verwaltungslogik überdeckt. Er mahnte, die Kulturknotenpunkte müssten sich selbstbewusster zeigen, „lauter klappern“ und sich nicht in ihren Trägerinstitutionen verstecken. Besonders betonte er den Geburtsfehler der ursprünglichen regionalen Zuordnung, die Kreisgrenzen ignorierte – ein Konflikt mit kommunalen Strukturen, die sich ungern übergehen lassen.
Stefanie Fricke schilderte die ersten Jahre als „Lummensprung“. Wie Küken sich vom Helgoländer Felsen stürzen, stürzte man sich mit der Kulturknotenpunktarbeit ins Ungewisse. Im Südwesten des Landes sei besonders herausfordernd, dass viele Menschen sich kulturell nach Hamburg orientieren. Zudem konkurrierten mehrere mittelgroße Städte untereinander – ein Spannungsfeld, das Netzwerkarbeit zur Diplomatie macht. Dennoch: Gerade dort sei Aufbauarbeit besonders wertvoll.
Lilith Maurer, 2019 zum KKP Nordost gestoßen, nutzte die Pandemie und die parallel laufende Evaluation zur Standortbestimmung. Heraus kam ein geschärftes Profil – kulturelle Bildung, regionale Kooperation, partizipative Formate. Die weiten Wege im Einzugsgebiet seien Herausforderung und Antrieb zugleich: „Man muss rausfahren – die Leute kommen nicht automatisch zum Scheersberg.“ Der Wunsch: mehr personelle Verstärkung, idealerweise Ehrenamtskoordination im Umfeld der Kulturknotenpunkte.
Von Erfolgsgeschichten und neuen Allianzen
Wie lebendig das Netzwerk ist, zeigten einige beispielhaft genannte Projekte:
„Kultur im Beutel“ (KIB) sammelte persönliche Objekte und Gedanken zur Frage „Was bedeutet dir Kultur?“ in der pandemiebedingten Isolation. Das Ergebnis: eine partizipative Wanderausstellung – ein Dokument kultureller Selbstverständigung und Nahbarkeit.
Besonders eindrücklich das Beispiel vom „Kulturstammtisch“ des KKP Nordost. Dort kamen regelmäßig Kulturschaffende, Vereinsaktive und Verwaltungsmitarbeitende zusammen. Ein Abend zum Thema „Moore“ initiierte eine Zusammenarbeit zwischen einem Kulturverein und einem Naturschutzverband – heraus kam ein interdisziplinäres Veranstaltungsformat, das Grenzen zwischen Kunst und Umweltbildung auflöste.
Ein weiteres Beispiel: Das Global Goals Lab, das einst Skepsis gegenüber Nachhaltigkeit in gemeinsame Arbeit münden ließ und Grundlage bildete für die heutige Servicestelle Kultur & Nachhaltigkeit.
Die Kulturknotenpunkte trugen auch zur überproportional erfolgreichen Beteiligung Schleswig-Holsteins an Bundesprogrammen wie TRAFO und Aller.land bei – Ausdruck ihrer hohen Vernetzungskompetenz.
Die Herausforderungen und die Vision 2035
Die Bilanz fällt positiv aus, doch Herausforderungen bleiben:
- Sichtbarkeit & Selbstverständnis: Kulturknotenpunkte müssen sichtbarer werden, als eigenständige, profilierte Akteure, nicht als Anhängsel ihrer Träger.
- Regionale Reichweite: Angesichts weiter Wege reichen sieben Knotenpunkte womöglich nicht aus. Zehn wurden als „runde Zahl“ genannt.
- Kultur des Scheiterns: Netzwerke brauchen Fehlerfreundlichkeit, um zu lernen. Das muss strukturell ermöglicht werden.
Die Vision: Kulturknotenpunkte, die 2035 divers, verankert und mutig sind, die Digitalisierung leben, Vielfalt abbilden und Kultur als demokratisches Grundelement sichtbar machen.
Förderstruktur und Laufzeit
Die aktuelle Förderrichtlinie (gültig bis Ende 2031) definiert qualitative und quantitative Erfolgskriterien. Ab 1. Januar 2026 beginnt die neue Förderphase für vier Regionen. Die jährliche Förderung beträgt bis zu 40.000 Euro pro KKP. Die Koordination liegt beim Landeskulturverband Schleswig-Holstein. Mehr Informationen zu den Kulturknotenpunkten finden Sie auf der Website des Landes und auf www.kulturknotenpunkt.de.
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