Guido Froese will 2026 Kultur gestalten und Verantwortung teilen

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Guido Froese ist Akademieleiter und Geschäftsführer des Nordkollegs Rendsburg sowie Lehrbeauftragter im Bereich Kulturmanagement an der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Im Neujahrsvorblick des kulturkanal.sh plädiert der Bundesverdienstkreuz-Träger für neue Strukturen in Kulturinstitutionen.

2026 wird für mich ein Jahr, in dem sich entscheidet, wie resilient unsere kulturellen Strukturen wirklich sind. Resilienz meine ich dabei nicht als bloßes Durchhalten, sondern als politische und gesellschaftliche Gestaltungsfähigkeit: die Fähigkeit von Kulturinstitutionen, unter veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft aktiv mitzuformen.

„Neue Strukturen sind kein Selbstzweck“

Diese Frage stellt sich besonders dort, wo Kultur öffentlich getragen, öffentlich finanziert und öffentlich verantwortet wird. Am Nordkolleg Rendsburg reagieren wir darauf mit einer bewussten Weiterentwicklung von Führung und Organisation. Shared Leadership, die von Konsensverfahren getragene betriebliche Mitbestimmung und die beginnende Arbeit in einer Doppelspitze sind kein Selbstzweck, sondern eine strategische Antwort auf komplexere Anforderungen, steigende Erwartungen und begrenzte Ressourcen. Führung wird geteilt, Expertise gebündelt, Entscheidungsprozesse transparenter gestaltet. Das stärkt nicht nur die Organisation, sondern erhöht ihre politische und gesellschaftliche Anschlussfähigkeit. Und schließlich wollen wir in 2026 alle Nordkolleg:innen zu Miteigentümer:innen am Nordkolleg machen.

Resilienz entsteht jedoch nicht in einzelnen Häusern, sondern in Netzwerken. Deshalb kommt der konsortialen Zusammenarbeit 2026 eine besondere Bedeutung zu. Im K5-Kulturkonsortium arbeiten fünf sehr unterschiedliche Kulturinstitutionen dauerhaft zusammen. Hier wird erprobt, wie Kooperation jenseits von Projekt-Logiken funktionieren kann: mit geteilter Verantwortung, gemeinsamen Lernprozessen und einer klaren regionalen Perspektive. Ähnlich strategisch wirkt das Kompetenzzentrum für musikalische Bildung Schleswig-Holstein, KMB.SH, das musikalische Bildung im Verbund aus Bildungsinstitutionen, -verwaltung und Musikverbänden landesweit vernetzt und als kulturpolitisches Querschnittsthema positioniert.

Nachhaltigkeit sichert die kulturelle Arbeit

Ein weiterer Schlüssel zur Resilienz liegt in der nachhaltigen Transformation der Infrastruktur. Die energetische Sanierung des Campus ist deshalb kein rein technisches Vorhaben, sondern eine kulturpolitische Entscheidung. Sie verbindet Klimaschutz, langfristige Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit öffentlicher Kulturorte. Wer heute in nachhaltige Infrastruktur investiert, sichert kulturelle Arbeit von morgen.

Kulturpolitisch zentral bleibt für mich die Frage der Teilhabe. Teilhabe bedeutet mehr als Zugang zu Angeboten; sie heißt Mitgestaltung, Mitverantwortung und Mitbestimmung. 2026 wollen wir Kultur nicht nur für Menschen machen, sondern gemeinsam mit ihnen. Das betrifft Programme ebenso wie Organisationsformen und Entscheidungsprozesse.

Mein Wunsch für 2026 ist deshalb ein stärkeres Vertrauen in kooperative Modelle, in geteilte Verantwortung und in langfristige Partnerschaften. Mein Kulturtipp ist, Orte zu besuchen und zu nutzen, an denen Kultur nicht isoliert gedacht wird, sondern als Teil gesellschaftlicher Verantwortung. Dort entsteht Resilienz. Dort beginnt Zukunft.

(Neujahrsstatement 2026 von Guido Froese)

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