Die Eutiner Festspiele, eines der bedeutendsten Kulturereignisse Schleswig-Holsteins, sagen ihre geplante Spielzeit 2026 ab und stehen vor dem endgültigen Aus. Grund ist das Scheitern der angestrebten Professionalisierung und kommunalen Unterstützung.
Schock für die Kulturszene in Schleswig-Holstein: Die traditionsreichen Eutiner Festspiele werden 2026 nicht stattfinden. Doch die Absage der kommenden Saison ist weit mehr als ein einmaliger Ausfall – sie markiert das mögliche Ende eines überregional bedeutenden Musiktheaters.
„Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Sie ist jedoch notwendig, denn es braucht dringend eine Professionalisierung der Strukturen“, erklärt Geschäftsführer Falk Herzog, der den Festspielbetrieb seit 2017 ehrenamtlich führt. Mit seinem Rücktritt endet zugleich die Ära der Eutiner Festspiele in ihrer bisherigen Form.
Eine Erfolgsgeschichte mit professionellen Ansprüchen
In den vergangenen acht Jahren avancierten die Eutiner Festspiele zum erfolgreichsten Kulturevent des Sommers in der Region. Mit Rekordbesucherzahlen, hochgelobten Inszenierungen – darunter Opern und Musicals – und starker Resonanz bei Medien, Publikum und Partnern entwickelten sich die Festspiele zu einem Leuchtturm kulturellen Engagements im ländlichen Raum.
Doch gerade dieser Erfolg brachte auch Herausforderungen mit sich. „Der Betrieb ist schlicht zu groß geworden für eine ehrenamtlich geführte Struktur“, so Herzog. Spätestens im Herbst 2025 sei klar geworden, dass die Festspielverwaltung überfordert war, unter anderem mit der Kontrolle von mehreren hundert Rechnungen freier Musiker. Dies führte zu Verzögerungen, die das öffentliche Bild der Festspiele beschädigten.
Gescheiterte Rettung durch die Stadt Eutin
Herzog und seine Mitstreiter hatten früh auf die Notwendigkeit professioneller Strukturen hingewiesen. Eine Überführung in kommunale Trägerschaft oder zumindest eine Beteiligung der Stadt Eutin galt als einzig gangbarer Weg. Trotz offener Gespräche mit dem Bürgermeister und einzelnen Fraktionen blieb die Unterstützung der Kommunalpolitik jedoch aus.
„Ich hätte mir als Ergebnis der Gespräche mit Fraktionsvertretern und dem Bürgermeister gewünscht, eine Fortführung der Festspiele auch ohne meine Person sicherzustellen“, sagt Herzog enttäuscht. Alle Angebote an die Politik fanden keine Mehrheit im Stadtrat.
Dabei hatte das Team bewusst einen niedrigen Einstiegspreis für die kommunale Beteiligung gewählt: 5 Prozent der Gesellschaftsanteile für 1.250 Euro als symbolisches Signal, nicht als finanzielle Belastung. Die Stadt hätte bis Sommer 2026 schrittweise die Mehrheit übernehmen können.
„Es ging uns nicht ums Geld, sondern um ein starkes Bekenntnis zu den Festspielen“, so Herzog. Doch dieses blieb aus.
Ein Unikum in Deutschland – mit siebenfachem Mehrwert
Die Eutiner Festspiele waren laut einer Studie des Beratungsunternehmens ACTORI von 2018 ein wirtschaftliches Schwergewicht: Jeder investierte Euro erzeugt das Siebenfache an regionaler Wertschöpfung, etwa in Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel. Und mit steigenden Besucherzahlen dürfte dieser Multiplikator inzwischen noch höher liegen.
Trotzdem finanzierte sich der Betrieb zu über 95 Prozent aus eigener Kraft. „Ein Unikum in Deutschland“, betont Herzog. Vergleichbare Festivals sind in der Regel kommunal getragen, was langfristige Planung, sichere Beschäftigungsverhältnisse und qualitativ verlässliche Produktionen ermöglicht.
Die Eutiner Festspiele hingegen litten unter massiv steigenden Kosten: Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Preisexplosionen für Material und Personal infolge des Ukrainekriegs und ein zunehmender Konkurrenzdruck in der Eventbranche.
Absage der Produktionen „Hair“ und „Turandot“
Ohne kommunale Rückendeckung sahen die Gesellschafter keine Alternative mehr: Die für 2026 geplanten Produktionen – das Musical „Hair“ und die Oper „Turandot“ – wurden abgesagt, ebenso wie die komplette Spielzeit. Zudem wird die gemeinnützige GmbH aufgelöst.
„Ohne hauptamtliche Geschäftsführung und die nötigen Finanzmittel hat ein saisonaler Kulturbetrieb in dieser Größe und der heutigen Zeit keine Chance“, resümiert Herzog. „Wir sind überzeugt vom Produkt Eutiner Festspiele, aber nicht unter diesen Bedingungen.“
Dank ans Publikum – und ein Funken Hoffnung
Trotz der bitteren Entscheidung zeigt sich das Team dankbar. „Wir danken unserem Publikum für sein Vertrauen und seine Freude an unserem Kulturangebot in einmaliger Kulisse. Es hat uns mit großer Freude erfüllt, nach den Vorstellungen in so viele begeisterte Gesichter zu schauen.“
Und vielleicht, so Herzog, geht die Geschichte doch noch weiter: „Wie die bewegte Geschichte der Eutiner Festspiele zeigt, gab es bislang nach jedem Wendepunkt ein kleines oder großes Wunder. Das würde ich mir auch für dieses Mal wünschen. Aber meine Zeit als ehrenamtlicher Geschäftsführer ist vorbei.“
Ticket-Rückerstattung
Alle bereits erworbenen Tickets für die Saison 2026 werden vollständig erstattet. Die Rückabwicklung erfolgt über die Festspiele selbst – unabhängig davon, wo die Tickets gekauft wurden. Weitere Informationen finden sich hier.