Instrument des Jahres: Alleskönner Akkordeon

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Es klingt, als spiele eine ganze Band im Schleswig-Holstein-Saal des Kieler Landeshauses mit seinen hohen Fenstern zur Förde. Aber es ist nur eine Person mit einem Instrument: Der Akkordeon-Virtuose Nenad Nikolić, der den Anwesenden musikalisch zeigt, warum ausgerechnet die Quetschkommode das Instrument des Jahres 2026 ist. Denn das Akkordeon könne alles von Shanty bis Techno und verbinde Welten, heißt es in der Mitteilung des Landesmusikrats Schleswig-Holstein. Der stellte, wie in den Vorjahren, das Instrument des Jahres vor.

„Musik bringt Menschen zusammen“

Feiern das Akkordeon: (v.l.) Hartmut Schröder, Geschäftsführer des Landesmusikrats, Anette Röttger (CDU), Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU), Akkordeon-Virtuose und Botschafter des Instruments Nenad Nikolic, Gyde Opitz, Sparkassen- und Giroverband, und Musikrats-Präsidentin Alexandra Ehlers, Uta Röpcke (Grüne). Foto: Christoph Edelhoff

Normalerweise sei der Landtag ein Ort des gesprochenen Wortes, aber an diesem Tag gehe es um Musik, sagte Alexandra Ehlers, Präsidentin des Landesmusikrats Schleswig-Holstein, bei der Vorstellung des Instruments des Jahres. Seit 2008 kürt der Rat jährlich ein neues Instrument, im Jahr 2025 war es die Stimme. Die Initiative aus Schleswig-Holstein haben inzwischen bundesweit viele weitere Landesmusikräte übernommen.

Der Vorschlag für das Akkordeon sei aus dem Süden der Republik gekommen, berichtet Hartmut Schröder, Geschäftsführer des Landesmusikrats. „Aber wir fanden den Vorschlag toll und haben ihn unterstützt.“ Denn das Akkordeon erklingt bei Feiern, Volksfesten und auf Bühnen im Norden wie im Süden. Es ist, mal als Knopf-, mal als Tastenakkordeon, in ganz Europa und darüber hinaus bekannt und beliebt. Wie das klingt, demonstrierte Nenad Nikolić. Der Musiker und Dirigent, der selbst in Serbien geboren wurde und heute in Hamburg lebt, spielte Shanty wie bayerische Volksmusik an, ging dann zu Klezmer, Tango und Polka über – alles möglich auf dem Akkordeon.

Nikolić sei der perfekte Botschafter für das Instrument, sagte Alexandra Ehlers: „Er spielt E-Pop, Latin und Folk. Er eröffnet neue Klangwelten und verschiebt Grenzen.“

Techno – handgemacht auf dem Akkordeon

Nenad Nikolić spiele Akkordeon, seit er neun Jahre alt war, berichtete er. Heute ist er 39 und tritt unter anderem in Techno-Clubs auf. „Wenn du da mit dem Akkordeon ankommst, wirst du erstmal groß angeguckt.“ Aber das ändere sich schnell, wenn er auf der Bühne loslegt. Denn Nikolić spielt Techno. „Ich bin selbst überrascht, dass außer mir niemand auf die Idee gekommen ist“, sagt er.

Nenad Nikolić spielt seit seiner Kindheit Akkordeon . Jetzt ist er Botschafter des Instruments. Foto: Boris Las-Opolski

Es braucht dafür ein elektronisches Akkordeon – und eine gute Technik. Denn auf dem Akkordeon lassen sich mehrere Dinge gleichzeitig spielen. Beim „technoiden“ Stil, den Nikolić erfunden hat, klingt das Akkordeon ein wenig wie ein Synthesizer. „Aber beim Akkordeon kommt der Klang aus der Seele, das kann man nicht mit dem Regler ausdrücken“, sagt Nikolić. Er hofft, dass sich viele Nachahmer:innen seines Stils finden: „Eine neue Generation schafft ihre eigene Musik.“

Neben Konzerten in Clubs und auf klassischen Bühnen unterrichtet Nikolić auch am Hamburger Konservatorium. Das Akkordeon ist für ihn ein ganz besonderes Instrument, weil man gleichzeitig die Hauptstimme und eine dazu Begleitung dazu spielen und „auch mit den Beinen noch was machen“, sagt er.

Ein Jahr im Zeichen des Akkordeons

Bis zur Virtuosität ist es ein langer Weg. Der Einstieg ins Akkordeon-Spiel geht schnell, das durfte Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) als Schirmherrin des Instrument des Jahres probieren. Sie improvisierte gemeinsam mit Nenad Nikolić und lobte hinterher: „Das Akkordeon verbindet Musiktraditionen aus aller Welt und bringt Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.“

So viele Knöpfe, so viele Töne: Nenad Nikolić zeigt Kristina Herbst den Umgang mit dem Akkordeon. Foto: Christoph Edelhoff

Im Lauf des Jahres 2026 werden in Schleswig-Holstein zahlreiche Veranstaltungen, Konzerte und Kurse angeboten. Möglich ist das durch die finanzielle Unterstützung, die es wie in den Vorjahren vom Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein gibt. Gyde Opitz, beim Verband zuständig für gesellschaftliches Engagement, versprach für das laufende Jahr viele Aktionen rund um das Akkordeon. Hartmut Schröder ergänzte: „Ziel ist es, Neugier und Aufmerksamkeit für die Facetten und die Vielfalt des Akkordeons zu wecken.“


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