Die Welten des Ingo Günther im Globushaus

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Die Weltkugeln leuchten in der Dunkelheit. Es sind 24 Globen aus dem Zyklus „Worldprocessor“ des Künstlers Ingo Günther, die ab April in Schleswig zu sehen sind. Thorsten Sadowsky, Direktor des Landesmuseums Schloss Gottorf, hat sich diese Ausstellung im Globushaus lange gewünscht, mit der buchstäblich die Welt nach Schleswig kommt. Denn Günthers Leuchtgloben sind nicht nur ästhetisch, sondern zeigen den Zustand der Erde in kunstvoll aufbereiteten Zahlen.

Kunstwerke, die auf Daten basieren

Ingo Günther steht in dem halbdunklen Raum, in dem die ersten der 24 Globen schon leuchten und weitere auf ihre Montage warten. Der Künstler, 1957 in Bad Eilsen geboren, ist aus New York angereist, wo er lebt und arbeitet. Er hat für die Ausstellung in Schleswig eine Auswahl aus seinem „Worldprocessor“ mitgebracht. Das Ausgangsmaterial sind Leucht-Globen, die Günther bemalt oder beklebt. So entstehen Kunstwerke, die auf Daten basieren. Der Künstler möchte, dass die Besucher:innen nicht nur mit einem ästhetischen Gefühl, sondern auch mit einem Mehr an Wissen aus der Ausstellung gehen. Und vielleicht sogar eine Erkenntnis mitnehmen: „Ich bin dieser unsympathische Ja-Sager, der allen erzählt, dass es gar nicht schlechter, sondern in vielen Bereichen besser wird auf der Welt“, sagt Günther selbstironisch. So würden die Menschen länger leben, gleichzeitig sei die Geburtenrate weltweit rückläufig: „Die Bevölkerungsexplosion, vor der der Club of Rome in seinen frühen Szenarien gewarnt, ist nicht eingetreten.“ Trotzdem sind auf seinen Kunst-Kugeln auch negative Trends zu sehen.

Seit 1988 befasst sich Günther mit dem Globus-Projekt. Der Auslöser sei der Ratschlag einer Galerie gewesen, erzählt er: „Ich hatte vorher große Video-Installationen gemacht. Die seien schwer verkäuflich, hieß es. Ich solle besser kleinere Dinge machen.“

Zwischen seinen Welten: Künstler Ingo Günther in Schleswig. Foto: Geißlinger

Eine nette Anekdote, aber ein bisschen komplexer wird es schon gewesen sein. Ingo Günther studierte Ethnologie und Kulturanthropologie in Frankfurt, besuchte die Düsseldorfer Kunstakademie, unterrichtete selbst Kunst in Braunschweig, Münster und San Francisco. Seit 1987 arbeitet er überwiegend in den USA, kehrt aber immer wieder für Projekte oder Professuren nach Deutschland zurück. Er gründete kurz vor dem Ende der DDR in Leipzig den TV-Piratensender „Kanal X“, der über die Stimmung in der Stadt und im Land berichtete. Als Gastprofessor lehrte er in Köln, Zürich und Tokio.

Globen faszinieren den Künstler

Bei den Vereinten Nationen in New York begann er, sich mit der bildlichen Umsetzung von statistischen Daten zu beschäftigen, heißt es im Pressetext. Anfangs musste er sich die Fakten aus Jahrbüchern zusammensuchen, heute erleichtert das Internet die Recherche. Doch es brauchte eine besondere Idee, um die Zahlen zu präsentieren.

Alles so schön bunt hier: Blick in die Ausstellung im Globushaus. Foto: Geißlinger

Globen hätten ihn schon immer fasziniert, sagt Günther. Es geht um den Blick auf die Erde aus dem Kosmos, wie ihn das berühmte Foto Earthrise zeigt. Der NASA-Astronaut William Anders schoss es 1968 während der Apollo-8-Mission, es zeigt die Erde, die hinter dem Mond aufgeht. Das Bild des blauen Planeten in der Finsternis es Alls wurde ein Symbol der Umweltbewegung.

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Aber die von innen beleuchteten Globen sind eine kostspielige Leinwand. Günther kam ein historischer Umstand zur Hilfe. Als die Sowjetunion zerbrach, waren Karten, die den früheren Status zeigten, kaum mehr etwas wert – was auch zeigt, wie veränderbar die Welt ist. Günther kaufte einen Posten von 500 Leuchtgloben zu je einer Mark pro Stück und begann zu arbeiten. Auch in der Schleswiger Ausstellung ist ein Frühwerk aus dieser ersten Serie zu sehen, ein Globus, der die Sowjetunion und zwei deutsche Staaten zeigt. Darüber liegt ein dunkler Schatten. Er zeigt an, wie sich die radioaktive Wolke aus dem Atomkraftwerk Tschernobyl verteilte.

Fakten gegen Fake News

Andere Globen zeigen etwa, wie sich die ersten Menschen von Afrika auf den Weg machten, welche Staaten sich nicht am Zweiten Weltkrieg beteiligten, wer den Energieverbrauch senkt, wo Plastikmüll im Meer treibt und wo die größten Städte liegen. Günther will mit dem „visualisierten Wissen“ Fakten gegen Fake News setzen. Dabei weitet sich sein Blick immer mehr. Bei den ersten Ausstellungen hatte er nur rund ein Dutzend Themen, heute sind es etwa 400, die immer wieder aktualisiert werden. Rund 5000 Globen habe er im Lauf der Jahre verbraucht: „3000 sind kaputt gegangen, 2000 fertig gestellt.“

Große Städte im Blick: Dieser Globus zeigt die Metropolen. Foto: Geißlinger

In Schleswig ist der Ausschnitt aus dem „Worldprocessor“ bis zum 27. Oktober im Globushaus im Barockgarten zu sehen. Dort stehen die 24 kleinen Globen in einem Raum genau unter dem großen, nämlich der Nachbildung des Gottorfer Globus. Das begehbare Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert zeigt außen die Welt, soweit sie damals bekannt war, und innen die Sternbilder. Das Original befindet sich heute in St. Petersburg in Russland.

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