Die Leiterin des Kreismuseums Prinzeßhof in Itzehoe Esther Wrobbel blickt für kulturkanal.sh auf das Jahr 2026:
Das Jahr 2026 steht für mich im Zeichen der Kooperation zwischen Kunst, Kultur und Geschichte.
Bei uns im Kreis Steinburg gehen diese Themen gleich Anfang des Jahres Hand in Hand miteinander, wenn das Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe und das Detlefsen-Museum in Glückstadt ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen und einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts – Oskar Kokoschka (1886–1980) – in zwei eindrucksvollen Stadtpalais eine Doppelausstellung widmen.
Die Ausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof wird sich in der Schau auf Kokoschkas Porträts von Menschen aus seinem persönlichen und künstlerischen Umfeld konzentrieren. Seine Modelle entstammen der europäischen Avantgarde – Maler, Schriftsteller, Schauspieler, Intellektuelle – ferner begegnet uns der Künstler in seinen Selbstbildnissen. Die Darstellung eines kompromisslosen Ausdrucks präsentiert dabei seine klare gesellschaftliche wie politische Haltung. Die Werke zeigen auch einen Künstler, der Zeit und Ort nicht abbildet, sondern kritisch durchdringt und damit auch in unseren heutigen Zeiten zum Nachdenken anregt. Kokoschkas Kunst eröffnet die Möglichkeit für Fragen, die wir uns selbst stellen können: welche Menschen in meinem Umfeld sind für mich wichtig? Wie sieht mein eigenes Bild von mir aus? Wie zeige ich Haltung zu den gesellschaftlichen und politischen Themen?
Auch die regionale Geschichte kommt 2026 nicht zu kurz: in ganz Schleswig-Holstein wird das „Jubiläumsjahr 500 Jahre Heinrich Rantzau“ begangen. Bei dem derart Geehrten handelt es sich um den Renaissance-Gelehrten Heinrich Rantzau, der 1526 auf der Steinburg bei Süderau geboren wurde und 1598 auf der Breitenburg starb, beides Orte, die im Kreis Steinburg gelegen sind. Im Prinzeßhof zeigen wir parallel zu den geplanten Feierlichkeiten eine Ausstellung, die sich mit dem Leben des Humanisten Heinrich Rantzau auseinandersetzt, der mit seiner Position als Adeliger und Statthalter des Dänischen Königs vieles in Wirtschaft und Politik bewirkt hat: Seine Einstellung zur Glaubensfreiheit und sein Einsatz für den Frieden spielten eine wichtige Rolle für die Region und darüber hinaus. Auch hier lassen sich Parallelen zu heute ziehen, die den Einfluss von Macht und Geld auf die Gesellschaft zeigen. Was können wir aus der Historie lernen, damit gute Entscheidungen wiederholt und Krisen und Kriege vermieden oder beendet werden können?
Museen sind lebendige Orte, die diesen großen Fragen nachgehen können. Ich freue mich auf alle, die Lust haben den Raum zu nutzen, um in den Austausch miteinander zu kommen, voneinander und miteinander zu lernen. Die aktive Zusammenarbeit mit anderen Kulturinstitutionen in der Region und kokreative Prozesse, wie der geplante Jugendfotowettbewerb zum Thema „Unsere Helden – Ehrenamt im Bild“, werden das Jahr wieder spannend und abwechslungsreich gestalten.
Ich wünsche uns allen ein hoffnungs- und wendungsvolles Jahr, welches neben spannenden Kulturevents und Ausstellungen auch viele persönliche Begegnungen bereithält, die uns bereichern mögen!
Esther Wrobbel, Leiterin des Kreismuseums Prinzesshof in Itzehoe
Dazu passt aus unserem Archiv: Nix Los im Kreis Steinzeit? Der Fotowettbewerb „Steinburg bockt nicht?“