Rund 350 Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert präsentiert die „Galerie der Moderne“ auf der Museumsinsel in Schleswig. Während das Hauptgebäude der Museumsinsel, das Schloss Gottorf selbst, noch mehrere Jahre wegen Sanierung und Umbau geschlossen ist, sind die zum Museum umgebauten Reitställe seit Anfang Juli 2026 wieder eröffnet. Die Gebäude liegen neben der Reithalle, in der Sonderausstellungen stattfinden. Auch die Ställe haben eine mehrjährige Umbau-Phase hinter sich und bieten nun Platz für die neu konzipierte Ausstellung.
Die „Sammlung Horn“ und mehr

Über zwei Millionen Euro haben der Bund, das Land und die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen investiert, teilt der Museumsverbund mit. Im Zentrum der Galerie der Moderne steht die Sammlung Horn, die vom Kunstsammler-Ehepaar Rolf und Bettina Horn gestiftet wurden. Der 1995 verstorbene Rolf Horn sammelte vor allem expressionistische Werke. Seit 1988 ist die Ausstellung im Schloss Gottorf zu sehen. Bettina Horn ist dem Schloss weiterhin verbunden und hat angekündigt, die Ausstellung dem Land Schleswig-Holstein zu schenken. Während des Umbaus der Reitställe reiste die Sammlung durch andere Museen. Seit Juli 2026 ist sie zurück im Norden.
Die neu konzipierte Galerie zeigt neben wichtigen Werken der Sammlung Horn sowie Neuerwerbungen der Stiftung Rolf und Bettina Horn auch „Wiederentdeckungen aus den eigenen Museumsbeständen“, heißt es in einer Mitteilung. Ergänzt wird die Galerie durch Leihgaben der Kieler Kunsthalle und der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde. Die beiden verantwortlichen Kurator:innen Uta Kuhl und Ingo Borges haben sich für eine chronologischen Hängung der Werke entschieden. Das Ziel ist, die Bilder, Zeichnungen und Skulpturen auf den rund 1.800 Metern Ausstellungsfläche in neue Kontexte und Beziehungen zu setzen.
Kriege und Neustarts: Wege der Kunst im 20. Jahrhundert
Der Anfang des 20. Jahrhundert markiert einen Aufbruch in der Kunst. Junge Künstler:innen finden sich im Jahr 1905 in der „Brücke“, deren Gründung den Beginn des Expressionismus markiert. Ziel der Brücke ist die Einheit von Kunst und Leben, ihre Inspiration finden die Mitglieder im freien Leben und Malen in der Natur.
So zeigt die Ausstellung frühe Gemälde von Alexej von Jawlensky und aus dem Frühwerk von Emil Nolde, der in diesen Jahren Berliner Varietés, Kabaretts sowie Theater besuchte und das turbulente Leben der Metropole malte. Zeitgleich fahnden und malten „Brücke“-Künstler Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel in Schleswig-Holstein Orte des Rückzugs fanden.
Nach dem tiefen Einschnitt des Ersten Weltkriegs entdeckten die Künstler:innen, darunter Käthe Kollwitz, die „neue Sachlichkeit“. Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg bringen für viele Künstlerinnen und Künstler Exil, Verfolgung, sogar den Tod. Andere schließen sich dem Nationalsozialismus an und werden Teil des offiziellen Kunstbetriebes. Rolf Nesch, Eduard Bargheer oder auch Hilde Goldschmidt werden von der NS-Diktatur ins Exil getrieben oder inhaftiert. Andere fliehen vor dem Terror in den Selbstmord wie Anita Rée oder Alma del Banco oder werden, wie Felix Nussbaum, als Jude verfolgt und ermordet.
Die neue „Weltsprache der Kunst“

Die Zeit nach 1945 wird von vielen Kunstschaffenden als Befreiung erlebt, der materiellen Not zum Trotz. Wer abstrakt arbeitet, kann nun wieder frei ausstellen. Neue Impulse kommen aus den USA. Abstraktion wird die neue „Weltsprache der Kunst“. Andere sehen gerade in der Gegenständlichkeit eine Möglichkeit, ihre Zeit in Bildern zu fassen. Werner Heldt malt in den Trümmern Berlins seine stärksten Bilder – melancholische Stadtlandschaften, Berlin als „Stadt am Meer“. Der Gegensatz zwischen abstrakter und gegenständlicher Kunst kulminiert im Streit zwischen Willi Baummeister (1889–1955) und Karl Hofer (1878–1955), die zu den Protagonisten dieser Pole werden.
Als spätere Gegenbewegung zur beherrschenden Abstraktion formieren sich in den 1980er Jahren auf Initiative von Nikolaus Störtenbecker die Norddeutschen Realisten, die sich bekanntlich vor allem der Pleinair-Malerei verschrieben (in der Galerie zu sehen sind u.a. Werke von Klaus Fußmann, Friedel Anderson und auch Christopher Lempfuhl) und international die Neuen Wilden mit Rainer Fetting als einem ihrer wichtigsten Protagonisten.