Stolz präsentiert Mazen Al Sarifi eine Platte mit Vorspeisen. Der 29-Jährige stammt aus dem Jemen, kam vor fünf Jahren nach Deutschland und arbeitet nun im Gastro-Bereich des Landesmuseums Schloss Gottorf. Dass der Geflüchtete den Weg auf den Arbeitsmarkt gefunden hat, verdankt er seiner Chefin Leah Raedisch, aber auch dem Beratungsnetzwerk „Alle an Bord!“, das das Land Schleswig-Holstein finanziert. Doch bei einem Termin mit dem Wirtschafts-Staatssekretär Tobias von der Heide (CDU) berichten die Beteiligten auch von Problemen: Bis Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt durchstarten können, braucht es Geduld. Denn die bürokratischen Hürden sind hoch.

„Wir sind der größte Kulturbetrieb des Landes. Was hier passiert, das hat eine Signalwirkung.“
Thorsten Sadowsky
Für Thorsten Sadowsky, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen und Hausherr auf Schloss Gottorf, ist Leah Raedisch die ideale Pächterin der drei gastronomischen Bereiche des Schlosses. Im Pavillon am Burgsee, im Bistro mit Hofladen im Untergeschoss des Hauptgebäudes und im Café im ehemaligen Reitstall bietet die Unternehmerin kulinarische Leckereien an. Ihre Beschäftigten stammen aus sieben Nationen, die meisten sind Geflüchtete. „Wir sind der größte Kulturbetrieb des Landes. Was hier passiert, das hat eine Signalwirkung“, betont Sadowsky. Sich für Diversität einzusetzen, Vielfalt auch zu leben, sei eine Aufgabe von Museen: „Wir richten uns an die gesamte Bevölkerung, an alle Menschen, die hier leben oder zu Besuch kommen.“ Und die Bevölkerung werde nun einmal immer diverser.

Das liegt auch daran, dass Menschen vor Krieg, Gewalt oder Verfolgung fliehen. Im Jahr 2015 erreichte die erste große Flüchtlings-Welle Schleswig-Holstein, damals kamen vor allem Menschen aus Syrien. Daneben sind Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia die Herkunftsländer vieler Geflüchteter. Hinzu kommt die Ukraine, doch wer von dort stammt, genießt einen Sonderstatus und hat einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt. Für Menschen wie Mazen Al Sarifi ist die Lage schwieriger.
Die Leute wollen loslegen – doch es gibt Hürden
„Die Leute kommen hier an und wollen loslegen“, beschreibt Pia Goedemann, die im Kreis Schleswig-Flensburg für die Eingliederung zuständig ist und als Mitglied des Netzwerks „Alle an Bord!“ Geflüchtete berät. „Jemand will vielleicht als Bäcker oder in der Kita arbeiten. Aber dafür braucht es eine Ausbildung, und für die braucht es einen Sprachkursus, und auf den wartet man gut eineinhalb Jahre.“ Das bedeutet Frust für alle Beteiligten – für die Geflüchteten, die gern arbeiten wollen, für die Unternehmen, die dringend Arbeitskräfte brauchen. „Eine große Aufgabe der Beratung besteht darin, die Menschen bei der Stange zu halten und immer wieder zu motivieren“, sagt Goedemann.

Dabei hilft das Landes-Programm „Alle an Bord!“. Es läuft in der jetzigen Form seit zwei Jahren. Davor gab es ein ähnliches Programm, das 2017 startete. Beteiligt sind unter anderem der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und die Industrie- und Handelskammer Lübeck.
Eigentlich organisiert der Bund Programme für die Integration auf den Arbeitsmarkt. Aber es gibt Lücken, und „die wollen wir füllen“, sagt Edda Hamer aus dem Wirtschafts- und Arbeitsministerium des Landes. So bietet das „Alle an Bord!“ Sprachkurse an, damit einmal erworbene Kenntnisse aktiv bleiben. Menschen werden in Praktika vermittelt und Unternehmen erhalten Tipps. „Manchmal ist es doch nicht so schwierig wie gedacht“, sagt Hamer.
24.300 Geflüchtete haben Arbeit gefunden
Tatsächlich seien bereits über 24.300 Menschen, die in den vergangenen Jahren als Geflüchtete ins Land kamen, in Arbeit. Über 20.000 haben sozialversicherungspflichtige Stellen gefunden. Weitere rund 5.000 Personen aus der Ukraine arbeiten zurzeit in Schleswig-Holstein. „Das sind tolle Erfolge, die wir nicht vergessen sollen“, sagt Hamer.
Zu diesem Erfolg trage auch das Programm „Alle an Bord!“ bei, betonte Staatssekretär Tobias von der Heide. Seit 2022 haben rund 1.500 Menschen einen Kursus oder eine Beratung genutzt. Im Vorgänger-Projekt waren es weitere 2.580 Menschen. Erfreulich sei, dass gut die Hälfte davon Frauen sind.

Doch die Gastronomin Raedisch berichtet auch von den Problemen. Da die Behörden nicht auf Telefon oder Mail reagieren, „stehe ich morgens mit meinen Leuten in der Schlange vor dem Amt, nur um etwas zu klären“. Weil der Aufwand zu groß ist, versucht sie zurzeit, Arbeitskräfte direkt aus dem Ausland einzustellen. Aber auch da hakt es: „Der Eindruck ist, dass die deutschen Botschaften die Einreise unnötig erschweren.“
Einen herben Rückschlage erlebte auch Mazen Al Safiri. Vor einigen Monaten hatte er alle Unterlagen für seine Einbürgerung zusammen. Doch als er sie bei der Behörde einreichte, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, erhielt er die Antwort, dass es vermutlich noch Jahre dauern würde, bis er den Pass in den Händen hält. Bis dahin kann der angehende Koch zwar arbeiten, aber muss weiter über bürokratische Hürden klettern. Er trägt es mit Fassung: „Ohne Fleiß kein Preis.“