Kritzelschnipsel Nr. 20

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„Nu eersmol ´n Lütten op´n grot(h)en Dichter!“

Auf Kritzelschnipsel Nr. 20 prostet uns der niederdeutsche Dichter Klaus Groth zu. Würde er noch leben, hätte er allen Grund dazu. Am 27. Oktober wird „seine“ Ausstellung in Heide eröffnet, darin erzählen Comics von Leben und Werk des Dithmarschers. Und ein eigenes Comic-Heft bekommt er dann auch.

Auf dieser schnellen Zeichnung sieht man einen bärtigen Mann im Frack, der ein Schnapsglas zum Prosten erhebt. In der Sprechblase steht auf Plattdeutsch: „Nu eersmol ´n Lütten op´n grot(h)en Dichter!“ Bei dem Wort „grot(h)e ist das H in Klammern hinzugefügt, sodass es der Schreibweise des Nachnamens von Klaus Groth entspricht – ein Wortspiel und ein Hinweis darauf, dass es sich bei der abgebildeten Person um den Dichter Groth handelt.
Kritzelschnipsel Nr. 20 von Tim Eckhorst (2024)

Klaus Groth im Comic!

Klaus Groth wurde in den letzten Wochen vermutlich so oft gezeichnet wie noch nie, denn dem plattdeutschen Dichter wird nun ein ganzes Comic-Heft gewidmet: In der 31. Ausgabe von Pure Fruit, die gemeinsam von der Museumsinsel Lüttenheid und dem Comic Center Kiel herausgegeben wird, erzählen zwölf Zeichnerinnen und Zeichner auf 76 Seiten von Leben und Werk Groths.

Doppelseite von Arne Auinger, Pure Fruit #31
Doppelseite von Tim Eckhorst, Pure Fruit #31

Veröffentlicht wird der kostenfreie Groth-Comic am 27. Oktober parallel zur Ausstellungseröffnung „Dar kumt en Wind ut Norn. Klaus Groth im Comic“ auf der Museumsinsel Lüttenheid in Heide.

Das Jahr 2024 liefert gleich vier Anlässe, um den Dithmarscher Dichter in den Fokus zu rücken und mit einer Comic-Ausstellung und eigenem Comic zu würdigen:

  1. 2024 jährte sich der Todestag des niederdeutschen Lyrikers und Schriftstellers Klaus Groth (*1819, Heide – †1899, Kiel) zum 125. Mal.
  2. Ebenfalls 1899 erhielt Groth zu seinem 80. Geburtstag, nur wenige Wochen vor seinem Tod, die Ehrenbürgerrechte in Heide und Kiel. Diese Verleihung stellte vor 125 Jahren einen historischen Moment dar.
  3. Die Klaus-Groth-Gesellschaft feiert ihr 75-jähriges Bestehen.
  4. Das Klaus-Groth-Museum (heute Teil der Museumsinsel Lüttenheid) wird 110 Jahre alt.

Aber warum in Form eines Comics?

Es gibt nur wenig Bildnisse von Klaus Groth. Die vorhandenen historischen Abbildungen wurden bereits vielfach zur Bebilderung seines Lebens und Werks genutzt. Durch den Comic entstehen neue Bilder von Groth, die es zudem ermöglichen, 125 Jahre nach seinem Tod, sein Werk in einem veränderten Zeitgeist und mit heutigen Sehgewohnheiten zu betrachten. Das Medium Comic eignet sich durch die Kombination und das Spiel von Text- und Bildebene denkbar gut: So werden auf der Textebene Gedichte und Zitate im Original wiedergegeben, ebenso fließen biografische Sequenzen ein. Die nonverbale Bildebene ermöglicht es, ein Abbild der Vergangenheit erzeugen, aber auch für Neuinterpretationen und unterschiedliche Perspektiven.

Doppelseite von Volker Sponholz, Pure Fruit #31
Doppelseite von Eva Hartmann, Pure Fruit #31

Heide und Helden: Comic-Hochburg im Norden

Der zweite Grund, warum ein Ausschnitt aus Groths Werk nun als Comic vorliegt, hat stadtgeschichtliche Gründe. Denn aus Heide stammen gleich zwei Comic-Pioniere: Die Brüder Rudolph und Gus Dirks.

1877 wird Rudolph Dirks in Heide geboren und wandert 1884 mit seiner Familie in die USA aus. Dort erscheint ab 1897 sein Zeitungs-Comic The Katzenjammer Kids. Dieser verbreitet sich zunächst in den gesamten USA und in den kommenden Jahrzehnten in mehr als 20 Ländern weltweit. Dirks gilt als Pionier des Comics, wie wir ihn heute kennen. The Katzenjammer Kids ist der am längsten laufende Comic aller Zeiten. Das von Dirks’ Figuren gesprochene Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch verweist auf seine Heimat und trägt maßgeblich zum Humor der Serie bei. Immer wieder finden sich Versatzstücke norddeutscher Kultur und Eigenheiten in den Abenteuern der Katzenjammer Kids.

Auch seinem jüngeren Bruder Gustav „Gus“ Dirks (*1881 in Heide) waren große Erfolge in den USA und Teilen Europas beschert. Er gilt heute als Pionier der Tier-Comics und war zu Lebzeiten mit seinen Comic-Insekten aus Bugville ebenso populär wie sein älterer Bruder. Durch seinen frühen Selbstmord im Jahr 1902 ist Gus Dirks heute kaum noch bekannt. Umso spannender ist es, den Zeichner und sein großes Talent heute wiederzuentdecken. Die historisch bedeutenden Wurzeln des Comics, die in Heide liegen, üben auch eine Faszination auf heutige Zeichnerinnen und Zeichner aus. Mit Comic-Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen zum Thema hat die Museumsinsel Lüttenheid in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, grafische Erzählungen in den Fokus zu rücken. Dadurch ist ein Anlaufpunkt für Comic-Interessierte (und die, die es noch werden möchten) entstanden.

Ausstellungstermine & -events

Die Ausstellung „Dar kumt en Wind ut Norn: Klaus Groth im Comic“ ist vom 27. Oktober 2024 bis zum 12. Januar 2025 auf der Museumsinsel Lüttenheid in Heide zu sehen und wird von vier Kultur-Events begleitet.

  • 27.10.24, ab 18 Uhr VERNISSAGE MIT LIVE-ZEICHNEN: Eröffnung der Groth-Comic-Ausstellung – mit Gratis-Groth-Comic für alle!
  • 23.11.24, 15 Uhr GROTH-COMIC-LESUNG MIT FÜHRUNG: Bernd Rachuth und Tim Eckhorst lesen den Comic-Groth. Im Anschluss: Making-of-Ausstellungsführung.
  • 01.12.24, 11 Uhr COMIC-BATTLE OP PLATT: Vier ZeichnerInnen treten live vor Publikum in einem Zeichenwettstreit gegeneinander an.
  • 11.01.25, 20 Uhr COMIC & MUSIK LIVE! Live-Musik und Live-Zeichnen im Stadttheater Heide: Die Heider Band DIE BILDERWELTEN (Deutschrock) wird live vom Kieler Comic-Kollektiv Pure Fruit bebildert.

Pure Fruit #31: Klaus Groth

Pure Fruit #31: Klaus Groth
-wird kostenlos verteilt-
76 Seiten, Jaja Verlag
Mit Zeichnungen von:
Vera Gereke
David von Bassewitz
Eva Hartmann
Brösel
Jannes Nowak
Arne Auinger
Leni Grimmeisen
Matze Latza
Franziska Ludwig
Gregor Hinz
Volker Sponholz
Tim Eckhorst

Pure Fruit #31 gibt es demnächst auch online: purefruit-magazin.de

Die Museumsinsel Lüttenheid hat den Druck des Heftes finanziert und das Lektorat übernommen. Die Zeichnerinnen und Zeichner haben ihre Beiträge ehrenamtlich gestiftet. Weitere Unterstützung leisteten die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, Klaus-Groth-Gesellschaft e.V., der Verein der Freunde und Förderer des Klaus-Groth-Museums Heide, die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. und kulturkanal.sh – Unser Feuilleton im Netz.

Kritzelschnipsel: Tim Eckhorst // Text: Tim Eckhorst & Birthe Dierks

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