2026 lassen Schleswig-Holsteins Landesmuseen Blumen sprechen. Zwar ist das Schloss Gottorf wegen der anstehenden Sanierung geschlossen, dennoch finden auf der Schleswiger Museumsinsel und in den weiteren Häusern der Stiftung zahlreiche Ausstellungen statt. Museumschef Thorsten Sadowsky gab bei einer Pressekonferenz einen Überblick und warf auch einen Blick zurück auf 2025.
Zahlen entwickeln sich weiter positiv

Insgesamt 493.000 Menschen besuchten im abgelaufenen Jahr die Häuser unter dem Dach der Stiftung. Der größte Publikumsmagnet bleibt mit rund 170.000 Besucher:innen das Wikingermuseum Haithabu. Es folgt die Museumsinsel mit dem Schloss Gottorf. Dort zog vor allem die Sonderausstellung „Wikingerdämmerung“ Neugierige an, sie war mit über 53.000 Besucher:innen die erfolgreichste Sonderausstellung in der 26-jährigen Geschichte der Stiftung.
Aber auch kleinere Standorte der Landesmuseen „performten gut“, wie Sadowsky sagte. Im Jüdischen Museum in Rendsburg brachte die Sonderausstellung „Superjuden!“ über jüdische Fußball-Spieler und Vereine einen Besucher:innen-Zuwachs. Über 7.000 Tickets, 75 Prozent mehr als im Vorjahr, verkaufte das Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf. Das kleine Haus punktete mit Sonderschauen wie „Großer böser Wolf“ von Kendra Haste.
Rebecca Law und die Kunst zum Mitmachen
Spektakuläre Ausstellungen soll es auch 2026 geben. Nach Daniel Richter, dessen Werke noch bis 15. Februar in der Reithalle auf der Schlossinsel zu sehen sind, wird die britische Künstlerin Rebecca Louise Law im Mittelpunkt stehen. Gleich an drei Standorten der Landesmuseen, in Schleswig, Molfsee und Rendsburg, präsentiert sie ihre Werke. Geschaffen hat die Künstlerin sie nicht allein – Hunderte Schleswig-Holsteriner:innen haben in den vergangenen Monaten daran mitgearbeitet.

Law arbeitet mit Naturmaterial, mit Blättern und Blumen, die teils extra für die späteren Werke angepflanzt, geerntet und getrocknet werden. Für ihre filigranen, aber saalhohen Installationen braucht sie Hunderte und Tausende feine Blüten oder zarter Blätter. Die fügt Law aber nicht allein zusammen. „Die Werke entstehen nur, weil viele Menschen mitarbeiten“, beschreibt Sadowsky die Arbeitsweise der Künstlerin. „Es geht um die Partizipation der lokalen Community.“
In Schleswig-Holstein entstanden rund um die Landesmuseen „Blohmtüddelclubs“, in denen Freiwillige die Blumen und Blätter zusammenzufügen. „Seit Monaten wird eifrig gefädelt, die Leute sind begeistert dabei“, so Sadowsky. Die Ergebnisse inszeniert Rebecca Law dann vor dem Ausstellungs-Beginn am 27. Februar. Bis Anfang November 2026 sind die Werke unter dem Titel „State of Nature“ zu besichtigen.
Moorleichen verreisen, die Sammlung Horn kehrt zurück

Zwei Jahre lang war die Sammlung Horn auf internationaler Tournee. Die Sammlung des 1995 verstorbenen Kaufmanns Rolf und seiner Ehefrau Bettina Horn umfasst rund 120 expressionistische Werke. Darunter sind Grafiken, Zeichnungen und Skulpturen von unter anderem Emil Orlik, Max Liebermann, Käthe Kollwitz und Ernst Barlach. Ergänzt wird die Sammlung durch eine Reihe nicht-europäischer Kunstwerke. Nach der Renovierung der Ausstellungsräume wird die Sammlung Horn wieder in die neu gestaltete „Galerie der Moderne“ auf der Schlossinsel einziehen.
Auf die Reise gehen dafür die Moorleichen. Da sie im Schloss wegen der Umbauten nicht besichtigt werden können, verleiht das Landesmuseum sie nach Dänemark. Dort „besuchen“ sie den Tollundmann, eine 1950 bei Silkeborg gefundene Moorleiche, im Museum Silkeborg. Tickets der Landesmuseen sind auch für diese Ausstellung in Dänemark gültig.
Weitere Ausstellungen an allen Standorten
Im Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf zeigt der Spanier César Orrico vom 22. Mai bis zum 1. November eine Auswahl seiner Bronzestatuen. Das zentrale Thema des 1984 geborenen Künstlers ist der menschliche Körper, er verbindet klassisches Können mit moderner Gestaltung.

In die Vergangenheit reist die Ausstellung „Unter Göttern und Dämonen“. Sie erinnert an den Forschungsreisenden, Maler und Ornithologen Victor von Plessen und Friedrich Dahlsheim, einen Pionier des ethnografischen Films. Plessen, 1900 bis 1980, wuchs auf dem elterlichen Gut Wahlstorf am Rand der Lübecker Bucht auf und ging in Plön und Eutin zur Schule. Er studierte Kunst und Ornithologie, zahlreiche Expeditionen führten ihn unter anderem zu den malaiischen Inseln und nach Bali.

Er beschrieb nicht nur zahlreiche Vogelarten, sondern auch den Alltag der indigenen Bevölkerung. Als Expeditionsleiter und Co-Produzent begleitete er den Filmemacher Friedrich Dalsheim nach Bali und Borneo. Aus den Reisen entstanden die international erfolgreichen Dokumentarfilme „Die Insel der Dämonen und „Die Kopfjäger von Borneo“. An diese Zusammenarbeit und den Blick auf ferne Länder erinnert die Ausstellung, die vom 11. Dezember 2026 bis April 2027 zu sehen ist.