Musizierende sind besonderen psychischen Anforderungen ausgesetzt – von Auftrittsdruck über finanzielle Unsicherheiten bis hin zu sozialen Belastungen durch unregelmäßige Arbeitszeiten. Forschende der Musikhochschule Lübeck (MHL) und der Universität zu Lübeck (UzL) haben nun ein spezielles Instrument entwickelt, um diese Belastungen systematisch zu erfassen: das „Lübeck Inventory on Musicians’ Psychological Stress“ (LIMIT).
Veränderungen frühzeitig erkennen ermöglicht geeignete Präventionsmaßnahmen.
Der Fragebogen dient nicht der Diagnostik, sondern der längerfristigen Beobachtung psychischer Belastungsfaktoren. Ziel ist es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu ermöglichen. Herkömmliche psychologische Fragebögen bilden die spezifische Lebens- und Arbeitssituation von Musikstudierenden und Berufsmusizierenden oft nur unzureichend ab.
Der LIMIT wurde daher gezielt für diese Personengruppe konzipiert und vereint erstmals verschiedene Belastungsbereiche in einem Instrument. Dazu zählen existenzielle Sorgen angesichts eines kleinen und stark umkämpften Arbeitsmarkts, finanzielle Unsicherheiten, Auftrittsangst oder körperliche Beschwerden beim Musizieren. Hinzu kommen soziale Faktoren wie die Vernachlässigung von Freundschaften und Familie durch projektbezogene oder freiberufliche Tätigkeiten. Auch der Umstand, dass das frühere Hobby zum Beruf geworden ist und ausgleichende Freizeitaktivitäten fehlen, kann langfristig zu erhöhtem Stress führen.
Psychische Belastung selbst einschätzen
An der Studie beteiligt waren Christine Sickert, Dr. Stine Alpheis und Prof. Dr. Daniel S. Scholz aus der Arbeitsgruppe „Musizierendengesundheit“ von Universität zu Lübeck und MHL sowie Prof. Dr. Jonas Obleser vom Institut für Psychologie der Universität zu Lübeck. „Der LIMIT soll Musizierenden aller Leistungsstufen ermöglichen, ihre psychische Belastung selbst einzuschätzen und im Verlauf zu beobachten“, erklärt Psychologin Christine Sickert. „So können rechtzeitig unterstützende und präventive Angebote in Anspruch genommen werden.“
MHL Lübeck plant Einführung noch in 2026
Empfohlen wird eine regelmäßige Anwendung, etwa an Musikhochschulen zu Beginn jedes Semesters. Dadurch lassen sich individuelle Entwicklungen nachvollziehen und langfristig besonders belastende Studienphasen identifizieren, um passgenaue Unterstützungsangebote zu schaffen. Eine Einführung des Fragebogens an der Musikhochschule Lübeck ist noch in diesem Jahr geplant.
Eigene Gesundheit schützen
Auch für Berufsorchester, freiberufliche Musikerinnen und Musiker sowie ambitionierte Amateurmusizierende kann eine längerfristige Selbstbeobachtung der psychischen Belastung sinnvoll sein, um die eigene Gesundheit zu schützen und Überlastung vorzubeugen.
Hier finden Sie die vollständige wissenschaftliche open access Publikation als PDF.
Levke Rost
Quelle: Musikhochschule Lübeck.
Interessierte können eine direkt anwendbare Version des Screening Fragebogens sowie weitere Informationen bei Christine Sickert anfordern.