Also in so richtig kleine Museen: mit maximal drei Räumen, mit Nischenthemen und teilweise undurchsichtigen Öffnungszeiten. Die nach außen viel Regionalgeschichte zeigen und nach innen durch viel Ehrenamt funktionieren. Museen, in denen der Eintritt frei, niedrig oder auf Spendenbasis ist.
Solche Museen gibt es eigentlich in jeder Kleinstadt und selbst in manchen Dörfern zu entdecken. Auch in größeren oder touristischen Orten, in denen es mehrere Museen gibt, behaupten sie sich weiterhin. Meistens sind sie entweder Heimatmuseen oder widmen sich einem ganz bestimmten Thema. Oder sie machen einfach beides: In der Villa Ludwig in Wyk auf Föhr geht es um die Geschichte des dortigen Nordsee-Kurparks, die eng verwoben ist mit der Lebensreformbewegung. Um 1900 eröffnete der Arzt Carl Gmelin dort ein Sanatorium mit damals recht ungewöhnlichen Heilmethoden: Vegetarismus, frische Luft, kein Korsett und teilweise auch gar keine Kleidung.

Prominente Künstler wie Vincenz Cissarz und Wenzel Hablik waren an den Werbemaßnahmen für den Kurbetrieb beteiligt. Die dadaistische Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven kam für einen Aufenthalt, der ihr allerdings nicht sonderlich gut gefiel. In ihrer Autobiografie schrieb sie: „Unerträglich das Rauchverbot, ungenießbar die Gemüsekost, der Doktor und seine Frau entsetzlich bourgeois.“
Regionalgeschichte ist Weltgeschichte
Regionalgeschichte oder Heimatmuseum – das klingt lokaler als es eigentlich ist. Nicht nur lässt sich die Geschichte der deutschland- und schweizweiten Lebensreformbewegung anhand eines Parks auf Föhr erzählen. Auch die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung lässt sich genau dort entdecken, wo sie geschehen ist: am nördlichsten Grenzübergang zwischen der BRD und der DDR.
In der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup sowie im etwas größeren mecklenburgischen Pendant, dem Grenzhus Schlagsdorf, geht es letztendlich um Weltgeschichte mit erschreckend viel Aktualität: Menschen, die über das Meer fliehen, Orte, die dem Erdboden gleichgemacht werden, und Grenzübergänge, an denen Leben beendet werden. Historische und globale Parallelen zeigt uns eindrücklich der Erinnerungsstein „Slut up“ (Schließ auf) in Lübeck. „Getrennt 1945 – 1989“ steht darauf. In Südkorea gibt es einen ähnlichen Stein, doch dort wartet die erste Jahreszahl, ebenfalls 1945, seit 81 Jahren auf die zweite, die diese Trennung beendet.

Kleine Museen tun sich zusammen
Im Museumsverband Schleswig-Holstein haben sich die kleinen Museen 2023 in einem Arbeitskreis zusammengetan. Darin tauschen sie sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Das nächste Treffen soll am 16. Mai im Stormarnschen Dorfmuseum in Hoisdorf stattfinden.
Deutschlandweit gibt es das Projekt und Netzwerk #keinRembrandt – Geschichte(n) vor der eigenen Haustür entdecken. Auf der Website heißt es: „Ihr habt auch keinen Rembrandt in eurer Sammlung? Kein Problem! Wir laden euch ein, mit uns gemeinsam zu zeigen, wie spannend Geschichte vor der Haustür und lokale Sammlungen sein können: vielfältig, nahbar und mitten aus dem Leben.“
Klein, kleiner, Kleinstmuseum
Zugegeben: Keins der Museen in Schleswig-Holstein würde man als „so richtig groß“ bezeichnen. Für die komplette Reizüberflutung muss man schon nach Hamburg fahren. Vielleicht sollte man hierzulande also unterscheiden zwischen mittleren, kleinen und Kleinstmuseen. Das gute an letzteren: Man kann sie einfach mal zwischendurch für eine halbe Stunde oder weniger besuchen und weiß danach sogar noch, worum es ging, welche Exponate einem besonders gefallen haben und was man gelernt hat. Das Gegenteil von Reizüberflutung sozusagen.
Solche kleinen und Kleinstmuseen können überraschen. Sie vermitteln selbst Alteingesessenen noch Neues über die eigene Heimat. Sie können ungeahnte Interessen wecken. Es gibt fast nichts, wozu es kein Museum gibt: Rum und Tauchen in Flensburg, Theodor Storm in Husum sowie Johannes Brahms in Heide, ein Museum zum Wald in Burg und eins zur Eiszeit in Lütjenburg, ein historischer Kaufmannsladen in Tetenbüll und Weißstörche in Bergenhusen. Und noch so viele mehr.