„Denk mal am Ort“ in Rendsburg

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Wo lebten eigentlich die Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt und getötet wurden? Wo arbeiteten sie, wo gingen sie zur Schule oder feierten? Die Initiative „Denk mal am Ort“ lädt in diese Gebäude ein. Im Jahr 2026 findet die Veranstaltung am Sonnabend und Sonntag, 16. und 17. Mai, in Rendsburg statt.

Schulkinder, Geschäftsleute und ein junger Mann

Stephan und Gabriel Weinberger, Fritz „Fred“ Ring, Hans-Joachim und Jürgen David besuchten in den 1930er Jahren die Christian-Timm-Schule in Rendsburg. Vom Schicksal der Jungen aus jüdischen Familien erzählen heutige Schüler:innen am Sonnabend, 16. Mai, um 11 Uhr im Jüdischen Museum. Danach und am Sonntag, 17. Mai, können Besucher:innen eine Ausstellung zum Thema besuchen. Eine weitere Führung am Sonntag ab 16 Uhr befasst sich mit Familie Ring.

An das Schicksal von Fritz Niemand erinnert Ralf Diez, Initiator von „Denk mal am Ort“ in Schleswig-Holstein, bei einem Vortrag am Sonnabend, 16. Mai, um 14 Uhr in Niemands ehemaligen Wohnhaus, Oeverseestraße 8. Niemand war psychisch erkrankt und wurde zwangssterilisiert. Nach dem Krieg kämpfte er um die Anerkennung seines Leids und eine Entschädigung.

Das Textilgeschäft von Julius und Frieda Magnus lag in der Rosenstraße 5. Die Familie lebte seit Jahrzehnten in der Stadt, was sie nicht vor Boykotten und Hass schützte. Als der Vorsteher der jüdischen Gemeinde und seine Frau den Deportationsbefehl nach Theresienstadt erhielten, nahmen sie sich das Leben. Am Sonntag, 17. Mai, ist eine Ausstellung zu sehen.

Zu allen Programmpunkten bis auf die regulären Ausstellung des Jüdischen Museums bitten die Veranstalter:innen von „Denk mal am Ort“ um Anmeldung unter info@denkmalamort.de.

Was bleibt von Menschen? Hier ein Blick auf Ausstellungsgegenstände. Foto: Ralf Diez

„Denk mal am Ort“ erstmals in Schleswig-Holstein

Entstanden ist die Idee der Initiative „Denk mal am Ort“ in Berlin. Den Anstoß gab Marie Rolshoven, die als Kulturwissenschaftlerin für die Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“ arbeitete. Sie lernte Denise Citroen kennen, die in den Niederlanden bereits seit 2012 Gedenkveranstaltungen in privaten Häusern abhält, die früher jüdischen Familien gehörten. Ralf Diez aus Eckernförde brachte die Idee nach Schleswig-Holstein und suchte seit Herbst 2025 nach Häusern und Orten, an denen sich Geschichten über NS-Opfer erzählen lassen.

Der Termin der Veranstaltung verändert sich von Ort zu Ort. Ausschlaggebend ist das Datum des Kriegsendes in der jeweiligen Stadt. In Rendsburg war das Mitte Mai.

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