Die Eutiner Festspiele stehen an einem entscheidenden Punkt. Die Rettung durch das Schleswig-Holstein Musik Festival mag zunächst beruhigen. Doch genau darin liegt zugleich die große Gefahr: Eutin darf nicht zu einer weiteren beliebigen Spielstätte des SHMF werden.
Dr. Christian Kuhnt hat selbst die richtige Blaupause geliefert: JazzBaltica. Das Festival an der Ostsee funktioniert deshalb so erfolgreich, weil dort mit Nils Landgren eine künstlerische Persönlichkeit im Mittelpunkt steht. JazzBaltica hat eine klare Handschrift, ein eigenes Profil und eine unverwechselbare Identität. Niemand käme auf die Idee, JazzBaltica lediglich als „eine Bühne des SHMF“ zu betrachten. Es ist ein eigenständiges kulturelles Ereignis mit Charakter und Seele.
Genau das muss auch für Eutin gelten.
Die Eutiner Festspiele leben nicht von irgendeinem Konzertbetrieb. Sie leben von Oper. Von Carl Maria von Weber. Von der einzigartigen Naturbühne am See. Von dieser seltenen Naturakustik, die Oper unter freiem Himmel ohne technische Verstärkung möglich macht. Das ist kein austauschbares Sommerprogramm, sondern ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal mit überregionaler Strahlkraft.
Wer Eutin retten will, darf deshalb nicht das Profil verwässern. Die Menschen kommen nicht nach Eutin, um irgendwo ein weiteres Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals zu erleben. Sie kommen wegen der besonderen Verbindung aus Natur, Oper, Atmosphäre und Weber-Tradition.
Das SHMF kann Stabilität bringen, Organisation und neue Netzwerke. Aber der Mittelpunkt muss Eutin bleiben – mit einer starken künstlerischen Persönlichkeit, einer klaren Operntradition und einem unverwechselbaren Profil. Nicht das Festival darf Eutin prägen. Eutin muss das Festival prägen.
Denn wenn am Ende nur ein weiterer SHMF-Spielort entsteht, wäre genau das verloren, was die Eutiner Festspiele seit Jahrzehnten einzigartig macht.
Und dennoch: Die Pressekonferenz des CLASSICAL BEAT Sommerfestivals hat auch gezeigt, dass es einen vorsichtigen Grund zur Hoffnung gibt. Überraschend suchte SHMF-Intendant Dr. Christian Kuhnt persönlich das Gespräch mit der „Eutiner Festspielfamilie“ – mit Chor, Künstlern, Förderern und langjährigen Wegbegleitern. Dass er sich der Diskussion stellte, zuhört und den direkten Austausch sucht, ist ihm hoch anzurechnen.
Denn genau das hatten viele in den vergangenen Monaten vermisst: Gespräche mit den Menschen, die die Festspiele über Jahrzehnte getragen haben. Während politische Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen wurden, ohne die künstlerischen Akteure wirklich einzubinden, setzte Kuhnt nun ein anderes Signal: zuhören, erklären, Vertrauen aufbauen.
Das allein wird die Probleme nicht lösen. Aber vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Chance für Eutin – wenn aus Verwaltung wieder Kultur wird, aus Distanz wieder Dialog und aus einer Krise tatsächlich ein gemeinsamer Neuanfang entsteht.
Dem ist nichts hinzuzufügen! Auf den Punkt!