„Rock your beast“: Der Roman zum Festival

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Mona ist Drummerin und berühmt – leider nicht für ihre Musik. Weil ausgerechnet sie am Tag des Corona-Lockdowns auf die Bühne des Hamburger Volksparkstadions trat und das Publikum nach Hause schickte, ist sie zum Meme geworden, zu einem Hashtag: #gehtnachhause.

Wie Mona, die junge Frau aus Nordfriesland, ihre erste Karriereschritte machte und am Ende ihren großen Auftritt absagen musste, darum ging es in Wiebke Wimmers Debütroman „Kill your Beast“, der 2023 erschien. Nun liegt Teil zwei vor. Der Festivalroman „Rock your Beast“ schildert, wie es mit Mona weitergeht.

Die Autorin ist selbst eine „Teilzeitrampensau“

Autorin Wiebke Wimmer liebt Musik und Literatur. Ihr Roman verbindet beides. Foto: privat

Wiebke Wimmer kennt sich aus mit Festivals, Bands und Musik. Die 54-Jährige, die von Sylt stammt, in Bamberg Literaturwissenschaft studierte und heute im Kreis Rendsburg-Eckernförde lebt, ist selbst Drummerin, „Teilzeitrampensau“ und spielt in zwei Bands. Literatur sei neben Musik ihre zweite Leidenschaft, verrät die Mutter eines Sohnes. Beides habe sie im Erstling „Kill your beast“ zusammengebracht.

„Rock your beast“, Teil zwei der geplanten Trilogie um die Drummerin Mona, spielt nach dem Ende der Pandemie. Mona hat sich mit Online-Musikunterricht durchgeschlagen, sie lebt auf dem Hof ihres Ex-Freundes Ole auf dem platten Land in Nordfriesland. Immerhin hat sie einen Studienplatz in Aussicht: Musiktherapie. In Süddeutschland. Yeaar! Aber ist es das, was Mona wirklich will? Immerhin ist sie die Tochter von Britta Hannak, der „größten Schlagzeugerin aller Zeiten“ und war vor Corona gerade auf dem Sprung, um auf der Bühne durchzustarten.

Mega-Band lädt zum Vorspielen ein

Natürlich ist es nicht vorbei mit Monas Karriere. Denn sie bekommt eine Einladung von „Halo White“, einer gerade extrem angesagten Rockband. Die Musiker:innen aus Dänemark wollen unbedingt mit Britta Hannaks Tochter spielen, jedenfalls so lange die Stamm-Drummerin der Band ausfällt – sie hat sich beim Trommeln die Handgelenke überlastet, erfährt Mona.

Also Auftritt, Erfolg und eine neue Liebe mit dem großartig aussehenden Sänger von Halo White? Nein, so einfach macht es Wiebke Wimmer sich und ihrer Heldin Mona in „Rock your beast“ nicht. Zwar finden ihre Freund:innen die Idee mit dem Musiktherapie-Studium nur so mittelgut: Dann gebe es „Schellenkranz im Sitzkreis“ statt Schlagzeug, warnt Ex-Freund Ole. Aber Mona zweifelt: „Ich bin aus einer Partyband geflogen – wie laut soll mir das Universum noch zubrüllen, dass es mich nicht als Drummerin will?“

Hurra, es geht zum Festival!

Okay, am Ende lässt Mona sich natürlich breitschlagen. Sonst wäre „Rock your Beast“ ja kein Festival-Roman geworden. Allerdings geht es nicht nach Wacken. Sondern zum „Atmotosia“, das am selben Wochenende stattfindet. Das Festival findet auf dem Gelände eines Gutshofes irgendwo im Nirgendwo statt. Dort ist alles klein und selbstgemacht, sogar die Einlass-Bändsel knüpft das Team per Hand. Geändert hat sich dort seit Jahren nichts und soll auch nicht: Schließlich ist Atmotosia „das weltweit einzige Festival, das von einem toten Hippie geleitet wird“. Mona ist nicht gerade begeistert: „Ich habe auf den Brettern des Volksparkstadions gestanden. Und jetzt das. Ein runtergerockter Abenteuerspielplatz.“

„Ein runtergerockter Abenteuerspielplatz“: Für kulturkanal.sh fotografierte Wiebke Wimmer das Gelände des Lala-Festival. Foto: Wiebke Wimmer

Dass die Autorin die Atmosphäre solcher Orte gut kennt – das reale Vorbild für Atmotosia ist das Lala-Festival in Negenharrie – zeigt sie mit ihren schnodderigen und liebevollen Beschreibungen der Dinge, die sich neben der Bühne abspielen. „Drei Frauen rappen Skat“, heißt es da, und man hört das Stakato, mit der sie sich am Anfang einer Spielrunde die Zahlen zuwerfen. Oder die unglaublichen Dinge, die es bei Festivals zu essen gibt. „Das dritte Exemplar in der Reihe: ein Truck mit der Aufschrift MOIN CARAMBA. Wahrscheinlich verkaufen sie da Tacos mit Nordseekrabben. Urgs.“ Lautmalerisch beschreibt Wimmer auch das Brüllen eines Didgeridoos, das Mona jeden Morgen auf dem Zeltgelände aufschreckt.

Viele Wendungen und ein Küchengerät namens „Rockstar“

Die Mega-Band beim Mini-Festival: Kann das gut gehen? Gibt es einen Auftritt, bekommt Mona ihre Chance, und was machen die 3.000 gestrandeten Wacken-Fans beim Atmotosia? Die Geschichte ist voller Wendungen, und am Ende kommt es tatsächlich ganz anders als erwartet. Daran ist unter anderem ein Küchengerät schuld, das ausgerechnet „Rockstar“ heißt.

„Rock your beast“ ist vielleicht keine ganz große Literatur, aber macht Spaß. Das liegt an der Heldin Mona, deren Kampf gegen ihre Selbstzweifel und den Schatten ihrer Mutter man gern folgt. Es liegt an den liebenswerten und skurrilen Menschen, die sich auf dem Festivalgelände herumtreiben. Und es liegt an der Autorin, die alle Klischees vermeidet und ein buntes, originelles Festival-Bild malt.

Das rund 320 Seiten starke Buch ist in Zusammenarbeit mit der „Literatur- und Kulturlounge“ in Oppenheim entstanden und im Selbstverlag erschienen. Interessierte es können es zum Preis von 16 Euro über die Autorin oder über online-Plattformen wie epubli bestellen. Wiebke Wimmer widmet das Buch allen Musikbegeisterten und allen Bands, die auf kleinen Festivals auftreten. „Entdecke Acts. Kaufe ihre Tonträger, ihre Fanartikel und ihre Alben“, schreibt die Autorin. „Vor allem: Besorg dir Tickets für ihre Konzerte. Geh auf das kleine Festival in deiner Nähe.“ Und wer wissen will, wie es mit Mona weitergeht: Teil drei der Trilogie ist in Vorbereitung.

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