Der Deutsche Musikrat (DMR) und der Bundesmusikverband Chor und Orchester (BMCO) zeichnen insgesamt 13 Gemeinden als „Landmusikort 2026“ aus. Lütjensee im Kreis Stormarn ist eine davon.
Bewerben konnten sich Gemeinden und Orte mit maximal 12.000 Einwohnern, die gemeinsam mit ihren kulturellen Einrichtungen, Vereinen und Ensembles „besondere amateurmusikalische Arbeit“ im ländlichen Raum leisten. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf ein „besonders lebendiges, innovatives, blühendes Kulturleben und insbesondere das der Amateurmusik und des ehrenamtlichen Engagements“ gelegt.
Ausgezeichnet: amateurmusikalische Arbeit in Lütjensee
Lütjensee überzeugte. Denn in der 3.300-Seelen-Gemeinde steckt erstaunlich viel musikalisches Engagement, das bereits in der Schule verankert ist. An der Grundschule werden Musicals einstudiert und aufgeführt. Jährlich ermöglicht die Ganztagsschule rund 130 Kindern kostenfrei ein Instrument zu lernen. Zudem besteht im Ort eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Profi- und Amateur-Musikern, aus der ein breites Angebot von Oper über Tango und Irish Folk bis hin zur Big Band entsteht. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist das jährliche Adventskonzert, bei dem mehrere hundert Musiker zu jeder vollen Stunde kurze Konzerte in der Kirche gestalten.
Auf der Webseite der Gemeinde steht dazu:
„Wir freuen uns unglaublich, dass wir als einzige Gemeinde in Schleswig-Holstein ausgewählt wurden, diesen schönen Titel „Landmusikort 2026“ als eine von nur 13 Kommunen deutschlandweit zu tragen und damit die gute musikalische Arbeit im Ort unterstützen und vor allem weiterentwickeln zu können. Wir möchten uns bei allen bedanken, die das Musikleben in Lütjensee mit Leben füllen.
Allen voran genannt sei Schulverband Lütjensee und seine Offene Ganztagsschule „Rappelkiste“, die mit ihren kostenlosen Musikkursen für Mandoline, Blockflöte, Gitarre und Ukulele unter der Leitung von Juliane Ebert-Schulz [Vorsitzende des Sozial und Kulturausschusses der Gemeinde Lütjensee] jährlich circa 130 Kinder an ein Instrument bringt und damit wichtige musikalische Beiträge für Veranstaltungen im Ort leistet. Weiterhin sagen wir Danke bei Frau Heike Wagner, Musiklehrerin an der Grundschule, die jährlich ein umfangreiches Musical auf die Beine stellt, das für Begeisterung bei allen sorgt. Dank des Ehepaars Prof. Stephanie Koch und Hans-Jürgen Schippmann ist seit vielen Jahren eine Konzertreihe in der Tymmo Kirche etabliert, die ein Publikum aus der ganzen Region anspricht und zusammenbringt. Vielen Dank auch an euch beide stellvertretend für das Konzertteam der Tymmo Kirchengemeinde.“ (luetjensee.de)
Der Förderpreis: Ein Gütesiegel und 2.000 Euro für Lütjensee
Unter den 13 prämierten Landmusikorten 2026 sind zehn Förderpreise und drei Bundespreise vergeben worden. Die Förderpreise sind mit je 2.000 Euro dotiert. Die Preisgelder sollen für weitere Projekte der Amateurmusik oder für die Zusammenarbeit zwischen Profi- und Amateurmusik eingesetzt werden und neue Initiativen anstoßen. Und die Gemeinde Lütjensee weiß auch schon, wofür sie das Preisgeld einsetzen möchte: „Der Förderbetrag wird zum großen Teil für die Gründung eines Lütjenseer Zupforchestern genutzt werden, in welchem die Kinder aus der Rappelkiste aber gern auch alle anderen Zupfer der Umgebung ein musikalisches Zuhause finden und gemeinsam neue Welten entdecken.“ (luetjensee.de)
Alle ausgezeichneten Landmusikorte erhalten das Gütesiegel „Landmusikort des Jahres“.
Die zehn Gewinner der Förderpreise
- Ortsgemeinde Becherbach bei Kirn (Rheinland-Pfalz)
- Stadt Crivitz (Mecklenburg-Vorpommern)
- Stadt Eibenstock (Sachsen)
- Gemeinde Gerstetten (Baden-Württemberg)
- Gemeinde Ilmtal-Weinstraße (Thüringen)
- Stadt Isselburg (Nordrhein-Westfalen)
- Gemeinde Lütjensee (Schleswig-Holstein)
- Gemeinde Oberthal (Saarland)
- Gemeinde Scheeßel (Niedersachsen)
- Stadt Bad Sooden-Allendorf (Hessen)
Die drei Bundespreise

1. Bundespreis: Stadt Ehrenfriedersdorf (Sachsen), dotiert mit 18.000 Euro
2. Bundespreis: Gemeinde Reichenwalde (Brandenburg), dotiert mit 10.000 Euro
3. Bundespreis: Stadt Hirschau (Bayern), dotiert mit 6.000 Euro
Die Preisübergaben werden in den 13 Kommunen jeweils selbst geplant und umgesetzt. Die Kurzbeschreibungen aller „Landmusikorte 2026“ sind auf der Webseite zu finden: → bundesmusikverband.de/landmusikort/
2021: Landmusikort Wesselburen
Erstmalig wurde die Auszeichnung „Landmusikort des Jahres“ 2021 vom Deutschen Musikrat mit Fördermitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vergeben. Damals gehörte → Wesselburen (Dithmarschen) zu den ausgezeichneten Kommunen. In den Folgejahren (2022, 2024 und 2025) schaffte es keine schleswig-holsteinische Gemeinde auf die Gewinnerliste. Mit der diesjährigen Auszeichnung von Lütjensee finden sich nun zwei „Landmusikorte“ als lokale Leuchttürme der Musikkultur auf der schleswig-holsteinischen Landkarte.
Landmusikort: Ziele, Zitate, Akteure
Ziel der Auszeichnung ist es, Kommunen und Gemeinden zu neuen Konzepten anzuregen, innovative Projekte zu fördern und lokale Leuchttürme mit ausstrahlendem Vorbildcharakter zur Sichtbarmachung und Vernetzung von Musikgeschehen zu befähigen.
„Kulturelles Engagement im ländlichen Raum verdient besondere Aufmerksamkeit. Mit viel Leidenschaft, Kreativität und oftmals ehrenamtlichem Engagement entstehen dort musikalische Projekte, die Gemeinschaft stärken und Kulturelle Vielfalt lebendig halten. Der Preis ‚Landmusikort des Jahres‘ würdigt genau diese wichtige Arbeit: Er macht kulturelle Initiativen und ihre Vernetzung sichtbar und gibt wertvolle Impulse für ihre Weiterentwicklung. Allen ausgezeichneten Landmusikorten gratulieren wir herzlich – verbunden mit großem Dank für ihren Einsatz.“
Prof. Lydia Grün, Präsidentin des Deutschen Musikrats
Der Deutsche Musikrat (DMR) engagiert sich für die Interessen von rund 16,9 Millionen musizierenden Menschen in Deutschland – 16,3 Millionen Amateurmusizierenden und etwa 600.000 professionellen Musiker*innen – und ist weltweit der größte nationale Dachverband der Musikkultur. Er repräsentiert über hundert Organisationen und Dachverbände des professionellen Musiklebens und des Amateurmusizierens einschließlich der 16 Landesmusikräte.
„Die Landmusikorte 2026 sind ein Beweis dafür, was möglich wird, wenn engagierte Menschen und mutige Kommunen gemeinsam für Kultur eintreten. Musik verbindet, stiftet Gemeinschaft und braucht Orte, die das wollen und aktiv gestalten. Genau das sehen wir hier. Allen Preisträgerinnen und Preisträgern gilt mein herzlicher Glückwunsch, und allen, die sich beworben haben: Danke für das Engagement. In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Blick zu oft auf das gerichtet ist, was fehlt oder scheitert, zeigen die Landmusikorte: Es gibt sie, die lebendigen Orte, an denen Musik in all ihren Facetten erklingt und Menschen zusammenbringt. Das ist kein Selbstläufer, das ist gelebtes Engagement. Und das ist ein unschätzbarer gesellschaftlicher Schatz.“
Derya Türk-Nachbaur, Präsidentin des Bundesmusikverbands Chor und Orchester
Der Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) ist der Zusammenschluss der Amateurmusikverbände in Deutschland und umfasst 21 bundesweit tätige weltliche und kirchliche Chor- und Orchesterverbände mit insgesamt ca. 100.000 angeschlossenen Ensembles. Er vertritt die Interessen der Menschen, die in ihrer Freizeit Musik machen, gegenüber Politik und Öffentlichkeit und ist Mitglied des Deutschen Musikrats.
Das Förderprogramm Landmusikort wird im Rahmen des Amateurmusikfonds des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien umgesetzt. Es unterstützt herausragende, innovative Musikprojekte und das ehrenamtliche Engagement in ländlichen Gebieten, die einen Vorbildcharakter haben und somit zur Sichtbarmachung und Vernetzung des Musikgeschehens beitragen.
Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Landmusikorten, zur Historie und Bewerbung finden sich auf der Webseite → bundesmusikverband.de/landmusikort/