1962 schien sich dem Museumsberg Flensburg eine Gelegenheit zu bieten: ein Gemälde von Emil Nolde, vergleichsweise günstig, für 10.000 DM. Der Titel klang unverdächtig norddeutsch: Marschlandschaft in Abendsonne. Öl auf Leinwand, 52,5 mal 68,7 Zentimeter. Ein Bild, das gut in eine Sammlung gepasst hätte, die sich nach Heinrich Sauermanns Gründungszeit längst auch zu einer bedeutenden Gemäldesammlung entwickelt hatte.
Gekauft wurde es als Original. Doch irgendwann bekam die schöne Erwerbung einen Riss – nicht auf der Leinwand, sondern in ihrer Geschichte. Das Bild war nicht von Nolde. Es gehörte zu einer Serie von Fälschungen. Die Verkäuferin hatte mehrere Bilder in ihrem Besitz, die sie zu unterschiedlichen Zeiten als Werke Noldes anbot, jeweils mit falschen Angaben zur Herkunft.
Damit erzählt diese „Marschlandschaft“ eine andere Geschichte, als sie zunächst versprach. Sie führt nicht in die Landschaft, sondern in den Kunstmarkt. Dorthin, wo Namen, Preise und Provenienzen über Bedeutung entscheiden können. Ein echter Nolde war 1962 ein Gewinn für ein Museum. Ein günstiger Nolde erst recht.
Für den Museumsberg ist das gefälschte Bild heute kein bloßer Fehlgriff mehr. Es ist selbst ein Sammlungsstück geworden, nur eben unter anderen Vorzeichen. Es zeigt, dass Museumsgeschichte nicht allein aus Glanzstücken besteht. Sie besteht auch aus Entscheidungen, Irrtümern, Hoffnungen und späterer Aufklärung.
Gerade deshalb ist der falsche Nolde ein aufschlussreiches Objekt im Jubiläumsjahr. Er zeigt, dass Sammeln immer auch Vertrauen bedeutet: in Zuschreibungen, in Expertisen, in Herkunftserzählungen. Und dass ein Museum manchmal nicht nur bewahrt, was als echt gilt, sondern auch das, was sich als falsch erwiesen hat. Weil auch darin eine wahre Geschichte steckt.
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