Große Namen, kleine Stadt: Die Wedeler Musiktage starten mit ambitioniertem Programm

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Salut Salon, Claudia Michelsen, der Kammerchor Stuttgart und viel klassische Musik: Die Wedeler Musiktage setzen 2026 erneut auf eine Mischung aus prominenten Gästen, Entdeckungen und ungewöhnlichen Konzertformaten. Neun Veranstaltungen stehen bis zum 3. Oktober auf dem Programm. Künstlerischer Leiter Matthias Dworzack hofft auf einen neuen Besucherrekord – auch weil das Festival nach einer Kürzung der öffentlichen Förderung stärker denn je auf sein Publikum angewiesen ist.

Wie bekommt man Künstlerinnen und Künstler nach Wedel, die sonst in den großen Konzertsälen und Kulturmetropolen der Republik auftreten? Matthias Dworzack muss bei dieser Frage nicht lange überlegen. „Das liegt sicher auch an dem Ruf, den sich unsere Musiktage erarbeitet haben“, sagt der künstlerische Leiter der Wedeler Musiktage.

Tatsächlich ist es dem promovierten Musikwissenschaftler und Betriebswirt auch in diesem Jahr gelungen, für das vergleichsweise kleine Festival vor den Toren Hamburgs eine bemerkenswerte Gästeliste zusammenzustellen. Salut Salon kommen nach Wedel, Schauspielerin Claudia Michelsen ist mit einer Lesung zu erleben, und zum Abschluss gastiert am 3. Oktober der renommierte Kammerchor Stuttgart mit seinem Gründer und Leiter Frieder Bernius.

Insgesamt neun Veranstaltungen umfasst das Programm – vom gemeinsamen Singen über große Werke der Klassik bis zu Weltmusik, musikalischer Komik und einem Konzert für Kinder.

Salut Salon und Claudia Michelsen: Prominente Gäste in Wedel

Zu den bekanntesten Namen des Festivals gehören die vier Musikerinnen von Salut Salon um Gründerin und Geigerin Angelika Bachmann. Mit ihrem aktuellen Programm „Heimat“ verbinden sie jene Mischung aus musikalischer Virtuosität, Humor und theatralischem Spiel, mit der das Hamburger Quartett seit Jahren weit über Deutschland hinaus erfolgreich ist. Dass ein Ensemble dieses Formats bei den Wedeler Musiktagen Station macht, gehört zu jenen Programmpunkten, mit denen das Festival seinen Anspruch unterstreicht.

Ein anderer prominenter Gast kommt aus der Schauspielwelt. Claudia Michelsen, zweifache Grimme-Preisträgerin und einem großen Fernsehpublikum unter anderem aus „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und der „Ku’damm“-Reihe bekannt, ist am 13. September als Rezitatorin zu erleben. In Wedel liest sie „Plädoyer einer Frau“.

Für Dworzack gehört Michelsen zu den „gefragtesten deutschen Fernsehschauspielerinnen“. Ihr Auftritt zeigt zugleich, dass die Musiktage ihren Begriff von Musikfestival bewusst weit fassen und auch Verbindungen zu Literatur und Schauspiel suchen.

Goldberg-Variationen in der Friedhofskapelle

Das klassische Zentrum des Festivals bilden drei Konzerte unter dem Motto „Klassik pur“. Den Anfang macht am 10. September die junge Pianistin Fatjona Maliqi mit Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“. Als Spielort dient die Friedhofskapelle im Autal.

Dworzack spricht bei dem monumentalen Variationszyklus von einem „Werk wie ein geschliffener Diamant“ und ist überzeugt: „Wer sie leibhaftig erlebt, ist immer wieder aufs Neue überwältigt.“

Die Pianistin Fatjona Maliqi profiliert sich als Solistin mit einer Vorliebe für ungewöhnlich anspruchsvolle Programme und beeindruckt dabei „mit Eindringlichkeit und Finesse“ (Piano News). Besondere Anerkennung erwarb sie in jüngster Zeit für ihre Darbietung der Goldberg-Variationen von J. S. Bach, die sie spielt „als wäre alles ganz einfach“ (Bonner Generalanzeiger). Beim renommierten 7th International Rosalyn Tureck Bach Competition in New York wurde sie als Finalistin mit einem Preis für ihre Interpretation der Goldberg-Variationen ausgezeichnet.

Gerade die Verbindung von anspruchsvollem Repertoire und vergleichsweise intimen Spielorten gehört zu den Besonderheiten der Wedeler Musiktage. Statt auf die Distanz eines großen Konzertsaals setzt das Festival vielfach auf die unmittelbare Begegnung zwischen Künstlern und Publikum.

Am 26. September folgt im Johann-Rist-Forum das Elster Trio. Das junge Ensemble widmet sich Werken von Haydn, Beethoven und Brahms und will dabei mit seiner eigenen Klangsprache zeigen, wie frisch auch oft gespieltes klassisches Repertoire klingen kann.

Schon einen Tag später wird am selben Ort bewiesen, dass Klassik auch komisch sein darf. Pianist, Improvisationskünstler und Musikkomödiant Felix Reuter kommt mit seinem Programm „Die verflixte Klassik“ nach Wedel. Musikalische Überraschungen, unerwartete Begegnungen und augenzwinkernde Pointen sollen dabei die vermeintlich strenge Konzertwelt gehörig durcheinanderbringen.

Vom gemeinsamen Singen bis zur „ausgelassenen Sause“

Überhaupt setzt das Festival nicht allein auf das traditionelle Gegenüber von Bühne und Zuschauerraum. Gleich mehrere Veranstaltungen laden ausdrücklich zum Mitmachen ein.

Zur Eröffnung am 4. September heißt es im Rahmen des Yachthafenfestes erneut „Wedel singt“. Sören Schröder stimmt mit dem Publikum große Hits des 20. Jahrhunderts an. Das gemeinsame Singen hat sich inzwischen zu einem nahezu traditionellen Auftakt der Musiktage entwickelt.

Auch das jüngste Publikum bekommt einen eigenen Programmpunkt. Die Kinderliedermacher „Matt & Basti“ waren bereits 2025 zu Gast und wurden nach dem damaligen Erfolg erneut eingeladen. Am 20. September wollen sie in der Altstadtschule eine „laute, ausgelassene Sause“ feiern, wie Dworzack ankündigt.

Deutlich leisere Töne schlägt dagegen das Weltmusik-Duo Fjarill an. Pianistin Aino Löwenmark und Geigerin Hanmari Spiegel sind am 24. September in der Kapelle auf dem Waldfriedhof zu erleben. Ihre Musik bewegt sich zwischen Folk, Kammermusik und nordisch geprägter Weltmusik. Die beiden Musikerinnen versprechen dabei ausdrücklich auch „lange Momente der Stille“. Im Gesamtprogramm bildet der Abend damit einen bewussten Kontrast zu den extrovertierteren Festivalformaten.

Kammerchor Stuttgart setzt den Schlusspunkt

Einen gewichtigen Abschluss haben sich die Wedeler Musiktage für den 3. Oktober aufgehoben. Dann kommt der Kammerchor Stuttgart unter Leitung seines Gründers Frieder Bernius nach Wedel.

Der Kammerchor Stuttgart zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Ensembles der internationalen Chorszene. Foto: Musikpodium Stuttgart

Für Dworzack ist das Ensemble eine Klasse für sich, ein „Stand alone“-Chor. Um dessen außergewöhnlichen Ruf zu verdeutlichen, zitiert er ein Urteil der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Kein Superlativ ist verschwendet, um diesen Chor zu rühmen.“

Damit endet das Festival mit einem Ensemble, dessen internationale Reputation zugleich exemplarisch für Dworzacks Programmstrategie steht: Hochkarätige Künstler sollen nicht nur in den etablierten Kulturzentren zu erleben sein, sondern ebenso in einer Stadt wie Wedel.

2500 Besucher sind das Ziel

Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich allerdings nicht nur auf der Bühne, sondern auch an der Abendkasse. Im vergangenen Jahr kamen rund 2300 Besucherinnen und Besucher zu den Musiktagen. Für 2026 hat sich Dworzack ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 2500 Gäste sollen es werden.

„Wir setzen darauf, dass mehr und mehr Leute glauben, dass es in Wedel möglich ist, solch hochkarätige Konzerte zu erleben“, sagt der künstlerische Leiter.

Hinter dem Besucherziel steckt in diesem Jahr allerdings mehr als der Wunsch nach einem neuen Rekord. Das Festival muss eine kurzfristig entstandene Finanzierungslücke verkraften. Der Kulturausschuss des Kreises hatte Anfang des Jahres beschlossen, den Zuschuss für die Musiktage 2026 zu halbieren. Besonders problematisch aus Sicht der Veranstalter: Zu diesem Zeitpunkt waren die vertraglichen Planungen für das diesjährige Programm bereits abgeschlossen.

Damit bekommt der Publikumszuspruch eine zusätzliche Bedeutung. Gute Auslastung wäre nicht nur eine Bestätigung des künstlerischen Konzepts, sondern könnte auch dazu beitragen, einen Teil der Finanzierungslücke zu schließen.

Für die Wedeler Musiktage werden die kommenden Wochen deshalb in doppelter Hinsicht zum Gradmesser: Künstlerisch steht ein Programm bereit, das für ein Festival dieser Größenordnung bemerkenswert prominent und vielseitig besetzt ist. Wirtschaftlich muss sich nun zeigen, ob genügend Menschen diesem Angebot folgen.

Der Auftakt fällt am 4. September mit „Wedel singt“. Bis zum Abschluss mit dem Kammerchor Stuttgart am 3. Oktober hat das Publikum dann einen Monat lang Gelegenheit, Dworzacks These auf die Probe zu stellen: dass hochkarätige Kultur eben nicht nur in den großen Sälen der großen Städte stattfinden muss.

Quelle: Wedeler-Musiktage / Christoph Forsthoff

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