Ende Juli haben der Klarinettist David Orlowsky und seine „Friends“, der Gitarrist Daniel Stelter und der Schlagzeuger Tommy Baldu, zwei SHMF-Konzerte gespielt: eins auf einer Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei, die dafür im Hafen von Wyk auf Föhr geankert hat. Ein anderes auf dem Gut Helmstorf bei Lütjenburg. Der Spielort erscheint weniger maritim als die Fähre, aber als die Musiker anfangen zu spielen, verwandeln sich die Holzbalken des Alten Kuhhauses schon bald in Schiffsplanken. Denn Reisen auf dem Wasser spielen an diesem Abend eine große Rolle.
Das jazzige Trio teilt seine Eindrücke vorm Spielen der einzelnen Lieder, sodass die Bilder schon im Kopf sind bevor der erste Ton erklingt. So beschreibt David Orlowsky, wie es zu Deep Blue gekommen ist: Er unternahm vor Jahren eine Segelreise von den Kanaren bis in die Karibik. Mitten im Atlantik ging er schwimmen – und sah nach unten in das tiefe Blau. In diesem Moment empfand er eine große Achtung vor der See.
Auch gemeinsam waren die drei Freunde schon unterwegs. Sie erzählen immer wieder von einer Kreuzfahrt in Mittelamerika, die sie in Liedform gegossen haben. Häufig sind diese Lieder romantisch und wehmütig – das portugiesische saudade kommt in den Sinn, eine unstillbare Sehnsucht, die zwischen den zunächst zurückhaltenden Tönen zu hören ist, die ihre volle Kraft häufig erst im Laufe der Lieder entfalten.
Ein neues und ein altes Coverlied
Doch David Orlowsky und seine Freunde sind nicht nur an ihren eigenen Geschichten interessiert. Sie sind auch für musikalische Grenzüberschreitungen zu begeistern. Das zeigen zwei Cover, die sie an diesem Abend spielen. Auf die Frage „Wer kennt Billie Eilish?“ reagiert das ältere Publikum eher verhalten. Dann spielen die drei ocean eyes, den Durchbruch der Popsängerin, eine Ballade, die sich perfekt einfügt in das maritime Programm voller Liebeserklärungen an besondere Momente.
Das zweite Cover kennt das Publikum gut. Es schließt an Petrichor an, ein Lied über den Geruch von Regen auf trockener Erde, passend zum Gut. Und bei diesem Cover singt das Publikum mit, erst zaghaft, dann ausdauernd und repetitiv. David Orlowsky & Friends spielen das Volkslied Hejo, spann den Wagen an. Denn der Wind bringt Regen übers Land.
Der Auftritt von David Orlowsky gemeinsam mit seinen Freunden Daniel Stelter und Tommy Baldu ist ein Geschichtenabend. Sie teilen ihre in Musik gegossenen Erlebnisse und Beobachtungen mit dem Publikum. In einer Zeit, in der Die Odyssee von Christopher Nolan im Kino ein monumentales Meer zeigt, das von zornigen Göttern und todbringenden Sirenen kontrolliert wird, sind ihre Geschichten hingegen sanft und voller Bewunderung für die See. Sie erzählen mit einem aufmerksamen und liebevollen Blick von einer schützenswerten Welt.