Mensch, Musik! Merle Selk im Portrait

Teilen

Auf der Bühne ist Merle Selk laut und energiegeladen, so wie ihr Instrument, der Bass. Gleichzeitig ist sie im Gespräch zugewandt und bedacht, nimmt sich zwischen ihren vielen Terminen Zeit. Ihr letzter Auftritt auf der Jungen Bühne bei der Kieler Woche 2026 steht kurz bevor. Sie stand dort bereits zweimal mit ihrer All-Girl-Band Quiet Girl auf der Bühne, die das Local Heroes Landesfinale gewonnen hat. An diesem Abend spielt sie den Bass bei ihrer anderen Band: Outrageous. Denn Merle hat nicht nur eine Band, laut ihrer Zählung sind es „dreieinhalb“. Hinzu kommt der Bassunterricht in der RockPop-Schule Lübeck und die Studienvorbereitung Jazz/Rock/Pop. Und das alles mit 19 Jahren, inmitten vom Abistress.

Dreieinhalb Bandprojekte: von Metal bis zur BigBand

Metal, Rock, Punk. Das ist ihre Musik, sagt Merle. Musik, die sie auch privat hört. In den Bands Quiet Girl und Outrageous spielt sie genau diese Genres, auch von ihr selbst komponierte und getextete Songs und ist damit fast jede Woche auf Festivals und Veranstaltungen unterwegs.

Festes Mitglied ist sie auch bei Bloody Royals, eine Coverband der britischen Garagenrockband Royal Blood – das ist die Band, die Merle etwas in Klammern setzt, eine halbe Band: „Bloody Royals existiert noch, aber nicht so richtig.“ Einen Tag nach Merles letztem Auftritt auf der Kieler Woche spielen sie wieder einmal – bei Merles Abitur-Entlassungsfeier.

Außerdem ist Merle Teil einer Formation, die auf den ersten Blick so gar nicht in ihr Portfolio von harter Musik passt: Salt Peanuts, eine BigBand der Lübecker Hochschulen. „Das ist wirklich was, was mich aufs Studium vorbereitet, weil es da um ganz andere Aspekte geht“, erzählt Merle. Ums Noten lesen, vom Blatt spielen, Rhythmen lesen. „Das ist auch ein ganz anderes Bandgefühl! In so einer großen Band ist meine Rolle eine andere als mit vier oder fünf Leuten auf der Bühne.“

„Schon immer Bass“

„Meine erste Lieblingsband war Kraftklub“, erzählt Merle. „Da gab es diese eine CD, die immer im Auto meiner Eltern lief und die ich irgendwann auswendig konnte.“ Ihr Vater hat ihr verschiedene Alternative-Bands gezeigt, wie The Hives und Billy Talent. Das sind ihre Begleiter seit der Kindheit – auch wenn Merle, als sie noch jünger war, manchmal Angst vor den lauten Schreien hatte.

Ihre ältere Schwester Hannah macht auch Musik, sie spielt Schlagzeug in der Lübecker Band #Arrested. Als Merle sie einmal als Kind live spielen sieht, ist sie vor allem von Bandmitglied Thore beeindruckt. „Der stand so cool da, hat seinen Bass gehabt mit den tiefen Tönen… Das war was anderes. Das war nicht Gitarre, was irgendwie alle spielen.“ Dieses Schlüsselerlebnis fand vor neun Jahren statt, als Merle gerade mal zehn Jahre alt war. Anschließend probiert sie den Bass bei einem Kurs in der RockPop-Schule Lübeck aus – und bleibt dabei.

Inzwischen nimmt Merle auch Gesangs- und Klavierunterricht. „In einem zweiten Leben würde ich gern Schlagzeug spielen“, sagt sie. So wie ihre große Schwester. In diesem Leben soll es aber der Bass sein und bleiben, so wie schon immer.

Auftritte im ganzen Land

„Klein, aber cool“, so fasst Merle ihre Heimatstadt Lübeck zusammen. „Aber für Bands ist es schwierig, Auftritte zu finden.“ Viele Veranstaltungsorte hätten dicht gemacht, gerade für junge oder kleine Bands stelle das ein Problem dar. „Aber es gibt trotzdem Möglichkeiten, Musik zu machen, auch mit Gleichaltrigen.“

Vor allem mit Quiet Girl spielt Merle inzwischen viele Gigs. 2025 haben sie insgesamt circa 25 Auftritte gehabt – in der ersten Hälfte von 2026 haben sie bereits 30-mal gespielt. Was Merle besonders freut: Inzwischen werden sie auch angefragt und bewerben sich nicht nur selbst auf Auftrittsmöglichkeiten. Für diesen Sommer stehen noch einige Auftritte an, wie beim Wurmloch Festival in Dithmarschen, bei der Lübecker Museumsnacht oder beim Breeding Festival in Flensburg.

Das größte Publikum, vor dem Quiet Girl jemals gespielt hat? Merle ist sich nicht ganz sicher. „So 800 Leute?“, sagt sie. Im Sommer 2025 auf dem Rocktreff Open Air in Berlin war das.

Auf der ganzen Bühne unterwegs

Bei Quiet Girl singt Merle auch manchmal, ihre dunkle Stimme ergänzt sich gut mit der hellen Stimme von der Sängerin Nele, aber Merle erzählt, dass sie das Singen auch etwas einschränkt: „Wenn ich mich immer wieder zum Mikrofon hinbewegen muss, kann ich mich nicht auf der ganzen Bühne frei ausleben.“

Denn so wie Merle im ganzen Land unterwegs ist, bleibt sie auch auf der Bühne immer in Bewegung. Bei einem Auftritt von Quiet Girl beim Campusfestival Kiel fällt das besonders auf. Sie spielt nicht nur für das Publikum, sondern auch für Sängerin Nele und Schlagzeugerin Ina, zu denen sie immer wieder Blickkontakt aufnimmt. Merle spielten selten frontal. Sie nutzt die gesamte Bühne, läuft herum, headbangt. Als die Band Don’t be sorry spielt, setzt sie sich auf den Boden.

Wir benötigen Ihre Zustimmung um den Inhalt von YouTube laden zu können.

Mit dem Klick auf das Video werden durch den mit uns gemeinsam Verantwortlichen Youtube [Google Ireland Limited, Irland] das Video abgespielt, auf Ihrem Endgerät Skripte geladen, Cookies gespeichert und personenbezogene Daten erfasst. Damit kann Google Aktivitäten im Internet verfolgen und Werbung zielgruppengerecht ausspielen. Es erfolgt eine Datenübermittlung in die USA, diese verfügt über keinen EU-konformen Datenschutz. Weitere Informationen finden Sie hier.

Jmx0O2RpdiBjbGFzcz0mcXVvdDt5b3V0dWJlLWVtYmVkJnF1b3Q7IGRhdGEtdmlkZW9faWQ9JnF1b3Q7bU9RUk04MkRkM3cmcXVvdDsmZ3Q7Jmx0O2lmcmFtZSB0aXRsZT0mcXVvdDtRdWlldCBHaXJsICZuZGFzaDsgRG9uJnJzcXVvO3QgQmUgU29ycnkgKE9mZmljaWFsIEFuaW1hdGVkIE11c2ljIFZpZGVvKSAmbmRhc2g7IFBhcnQgMS81JnF1b3Q7IHdpZHRoPSZxdW90OzY5NiZxdW90OyBoZWlnaHQ9JnF1b3Q7MzkyJnF1b3Q7IHNyYz0mcXVvdDtodHRwczovL3d3dy55b3V0dWJlLmNvbS9lbWJlZC9tT1FSTTgyRGQzdz9mZWF0dXJlPW9lbWJlZCZhbXA7ZW5hYmxlanNhcGk9MSZxdW90OyBmcmFtZWJvcmRlcj0mcXVvdDswJnF1b3Q7IGFsbG93PSZxdW90O2FjY2VsZXJvbWV0ZXI7IGF1dG9wbGF5OyBjbGlwYm9hcmQtd3JpdGU7IGVuY3J5cHRlZC1tZWRpYTsgZ3lyb3Njb3BlOyBwaWN0dXJlLWluLXBpY3R1cmU7IHdlYi1zaGFyZSZxdW90OyByZWZlcnJlcnBvbGljeT0mcXVvdDtzdHJpY3Qtb3JpZ2luLXdoZW4tY3Jvc3Mtb3JpZ2luJnF1b3Q7IGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbiZndDsmbHQ7L2lmcmFtZSZndDsmbHQ7L2RpdiZndDs=

Im Studio mit dem Traumbass

Merle hat sowohl mit Outrageous als auch mit Quiet Girl bereits erste Songs im Studio aufgenommen. Mit Quiet Girl hat sie ein ganzes Album herausgebracht: Don’t be quiet.

„Ich war vorher noch nie in einem professionellen Studio, das war so cool“, schwärmt Merle von den Aufnahmen im Studio vom Lübecker Produzenten und Tontechniker Lasse Lammert. „Für mich persönlich ist auch ein Traum wahr geworden: Mein absoluter Traumbass ist ein Inspector, den Lasse in seinem Studio hängen hat.“ Und den durfte sie spielen, für die gesamte EP. „Fetter, satter“, würde dieser Bass klingen, also perfekt geeignet für Metal.

Studienvorbereitung: Am liebsten nach Mannheim

Auch mit Outrageous arbeitet Merle derzeit an der ersten EP. Ihre Karriere am Bass läuft grad also richtig gut. Trotzdem würde sie 2027 gern mit dem Studium beginnen. Das Fach steht natürlich bereits fest: E-Bass.

Dieses Jahr sei sie noch nicht so weit, berichtet Merle ehrlich und realistisch. „Mein Basslehrer muss mich noch wirklich intensiv auf die Aufnahmeprüfungen vorbereiten.“ Dazu gehört auch die Studienvorbereitung Jazz/Rock/Pop vom Landesverband Musikschulen Schleswig-Holstein mit einem bunten und intensiven Programm: Bandwoche in Rendsburg, eigene Songs schreiben, Musiktheorieunterricht…

Merles absoluter Traum: die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim. Denn das sei die Anlaufstelle für viele Musiker, die in die Popularmusik gehen wollen. „Es ist sehr schwierig da reinzukommen, weil wirklich die Besten der Besten gewählt werden. Trotzdem möchte ich es probieren!“ Sollte das nicht klappen, könnte sie sich auch ein Studium in Hamburg, Berlin, Leipzig oder Hannover vorstellen.

Herausforderungen meistern

Merle scheut keine Herausforderungen, sie sucht sie sogar. So sagt sie über das Schreiben von eigenen Songs: „Am liebsten mag ich daran, dass man Parts schreiben kann, die einen selbst herausfordern, die eigentlich zu schwer für einen sind.“ Das hört man besonders auf dem Album von Quiet Girl: Songs mit Energie, mit Wucht, mit Tempuswechseln. Komplexe Songs, aber mit Ohrwurmpotenzial.

Auch textlich geht es häufig um herausfordernde Situationen: „Silence does not mean consent / it is a wall, not a door / a right we’re all fighting for”, heißt es in No Means No.

Sexismus in der Musikbranche hat die 19-jährige Merle schon oftmals und früh erlebt. Als sie 16 Jahre alt war und mit den Bloody Royals auftrat, sei nach dem Gig ein Typ zu ihrem Schlagzeuger gegangen und hätte gesagt, ihre Bassistin sehe ja „so heiß“ aus. „Er hat gefragt: ‚Warum stellt ihr die nicht in die Mitte der Bühne?‘“, erzählt Merle mit einer Wut, die geblieben ist. Seitdem erlebe sie immer wieder solche Kommentare – und ist sich sicher, dass Männer sie nicht bekommen. Egal, ob es um ihr Aussehen geht oder darum, ihr das eigene Instrument zu erklären, Merle sagt: „Manchmal weiß ich gar nicht, was ich dazu sagen soll.“ Da helfe nur cool bleiben, weitermachen, sich nicht unterkriegen lassen.

So wie es auch in You Will Be Queen von Quiet Girl heißt: „They say why change things / When it’s always been this way? / They will be surprised / Nothing stops you today.”


Was Merle aber besonders freut: die positiven Rückmeldungen von jungen Frauen, die nach einem Auftritt zu ihr kommen. Eine habe ihr mal gesagt: „Ich hab eigentlich mit dem Bass spielen aufgehört, aber fange jetzt wieder an, weil ich dich gesehen hab.“ Für Merle sei es „das größte Kompliment“, diese Vorbildfunktion für andere Mädchen zu haben.

Merle zeigt ihnen, dass sie keine stillen Mädchen sein müssen, sondern ganz im Gegenteil: Sie dürfen laut und selbstbewusst auftreten.

Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit dem

Themen

Teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Neueste Artikel