César Orrico in Büdelsdorf: Stiere und Flügelmänner

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Sagenhafte Gestalten sind zu Gast im Büdelsdorfer Eisenkunstgussmuseum: Das kleine Haus zeigt Werke des spanischen Künstlers César Orrico. Der 42-Jährige, der seit einigen Jahren international durchstartet, feiert in seinen Skulpturen den menschlichen Körper. Er nutzt dazu Gestalten und Bilder der griechisch-römischen Mythologie, die er auf seine Weise interpretiert.

Nach der Sonderausstellung von Kendra Haste im Jahr 2025 präsentiert das Büdelsdorfer Museum bis November 2026 erneut einen internationalen Künstler. Die Schau zeigt, wie vielfältig Metall als Werkstoff ist.

Die Figuren wirken überlebensgroß

Mensch und Tier: César Orrico zeigt sagenhafte Gestalten. Diese Figur heißt „Icaro“. Foto: Stiftung Landesmusee

Der Mann mit dem buschigen Schwanz und dem Kopf eines Stieres steht auf Zehen- und Fingerspitzen, alle Muskeln sind angespannt. Der sagenhafte Minotaurus als Sprinter. Ein weiteres Kunstwerk aus Metall heißt „Icaro“, hat aber einen Vogelkopf – in der Sage trug Ikarus zwar Flügel, aber keine Vogelmaske.

Auf den Plakaten und Fotos, die im Internet oder an den Straßen in Büdelsdorf auf die Ausstellung hinweisen, wirken die Gestalten lebens- oder sogar überlebensgroß. Daher ist die erste große Überraschung beim Besuch der Sonderschau, dass die meisten der Figuren weit kleiner sind als gedacht. Eine Männergestalt, die Charon, den Fährmann zum Totenreich, darstellt, ist vielleicht 25 Centimeter hoch.

Metall als Werkstoff

„Riten und Bräuche alter Kulturen und die Verbindungen zwischen Gesellschaften aus verschiedenen Epochen faszinieren mich“, sagt César Orrico, der zur Eröffnung der Ausstellung im Mai 2026 nach Büdelsdorf kam. Der Künstler wurde 1984 in Logroño im Norden Spaniens geboren, er studierte in Madrid, wo er heute noch lebt und arbeitet. 2008 erhielt er ein Stipendium der Antonio Gala Foundation for Young Creators in Córdoba, in den Folgejahren gewann Orrico zahlreiche Preise. Seine Werke sind in Einzel- oder Sammelausstellungen zu sehen.

Wie er arbeitet, ist im Eisenkunstgussmuseum zu sehen. Ein Film dokumentiert, wie er eine Büste des spanischen Schriftstellers, Dramatikers und Dichters Antonio Gala (1930-2023) herstellt. Um ein Drahtgeflecht baut Orrico ein Modell aus Styropor, dann eines aus einem weichen Kunststoff, das alle Details wie Haare, Fältchen und den Stoff des Anzugs nachbildet. Daraus entsteht eine Form, die mit Metall ausgegossen wird. Orrico bronziert die Büste, bis sie den gewünschten warmen Farbton angenommen hat.

César Orrico bei der Arbeit: Die Figur „Ursprung“ ist ebenfalls in Büdelsdorf zu sehen. Foto: Ana Moya

Der Körper als Kunstobjekt und Objekt der Kunst

In Büdelsdorf sind keine Portraits konkreter Personen zu sehen, sondern idealisierten Gestalten. Ihre gespannten Muskeln sind oft mit einem abgeklärten Gesichtsausdruck gepaart, was den Figuren eine besondere Ruhe verleiht.

Für Orrico ist der Köper selbst ein Kunstobjekt und gleichzeitig ein Objekt der Kunst, so heißt es auf seiner Homepage. Um diese Körperkunst zu feiern, braucht es neben Wissen über das Material Metall auch genaue Kenntnisse der Anatomie und der Komposition.

Da gibt es ungewöhnliche Verbindungen: Im ersten Raum der Schau steht eine Männergestalt, die in der Luft zu schweben scheint – getragen vom eigenen Gewand. Oder eine andere Gestalt, die hinter einer Maske hervorschaut. Eine weitere lebensgroße Figur findet sich im Innenhof: eine Frau in einem weiten Mantel, die ihr Gesicht dem Himmel entgegenreckt, gekrönt mit einem Kranz aus Zweigen. „Ursprung“ heißt diese Gestalt, die leichtfüßig über den Weg zu schreiten scheint.

Maskenmann: „Bifronte“ heißt das Werk von 2021. Foto: Stiftung Landesmuseen

Orrico interpretiert klassische Motive neu

Die weiteren ausgestellten Werke des Bildhauers aber sind klein. Und sie finden sich in allen Räumen des Museums, als seien sie schon immer dort gewesen. So turnt ein glatzköpfiger Mann in einer Glasvitrine zwischen Eisenguss-Schmuckstücken. Sie stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, als das Deutsche Reich unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ Wertsachen einforderte.

Neben Schalen mit klassischen Motiven aus dem 19. Jahrhundert steht der Fährmann Charon mit seinem Paddel. Im Ausstellungsbereich der gusseisernen Möbel windet sich ein von Orrico geschaffener Mann unter einer Schlange. Auch dieses Kunstwerk ist ebenfalls nur rund 30 Zentimeter groß.

Es geht um perfekte Körper, aber auch um Verwandlungen. Das zeigen die Tier-Mensch-Figuren wie der Mann mit dem Stierkopf oder die Gestalt mit Flügeln, die wiederum mehr als Blattwerk als Gefieder erinnern.   

Verwandlungen: Die Bronzefigur „Alas 3 / Flügel 3“ stammt von 2022. Foto: Stiftung Landesmuseen

„Numen“ heißt die Schau. Das lateinische Wort ist ein religiöser Fachbegriff und bedeutet „Wink, Geheiß, Wille, göttlicher Wille“, verrät Wikipedia. Es kann verstanden werden als das „Wirken der Gottheit“, das sich in einer Naturerscheinung wie einem Baum oder Fluss ausdrückt. Oder eben auch in den Muskeln und Sehnen eines Körpers, der sich zum Sprung duckt oder zum Flug spannt.

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