Hilfe, Familie – Ausstellung zu 125 Jahren Buddenbrook

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Unglückliche Ehen, familiäre Verstrickungen, betrügerische und zaudernde Kaufleute – nein, glücklich war die Lübecker Stadtgesellschaft nicht über dieses Buch, in dem sich viele der Zeitgenoss:innen widerfanden. Umso stolzer ist die Hansestadt heute auf diesen Roman, der dem jungen Thomas Mann den Nobelpreis einbrachte. Vor 125 Jahren erschien „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“. Das Lübecker Buddenbrookhaus feiert den „Jahrhundertroman“ mit einer Sonderausstellung. „Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks“ heißt die Schau, die vom 30. Oktober 2025 bis zum 6. Juni 2027 zu sehen ist. Sie wird feierlich am Donnerstag, 29. Oktober 2026, eröffnet, allerdings nicht im Buddenbrookhaus, das noch renoviert wird, sondern im St. Annen-Museum.

Familienthemen bis heute aktuell

Erwartungsdruck und soziale Rollen gegen den Wunsch nach Freiheit und einem eigenen Lebensentwurf: In Thomas Manns bis heute bekanntesten Roman leiden alle Abkömmlinge der Buddenbrooks unter dem Namen der Familie und ihrer Bedeutung in der Stadt. So verzichtet die Tochter Tony auf die Liebe ihres Lebens und heiratet einen Mann, den sie widerlich findet, um den Wunsch ihres Vaters zu erfüllen. Auch der Sohn Thomas heiratet „standesgemäß“ und arbeitet sich gegen Ende seines Lebens nur noch daran ab, der Umwelt ein perfektes Bild zu bieten. Sein Sohn Hanno scheitert bereits in der Schule.

Die „Buddenbrooks“ gehört bis heute zu den einflussreichsten und meistgelesenen Büchern der deutschen Sprache. Das Werk wurde in über 40 Sprachen übersetzt und ist viermal verfilmt worden. Auch auf der Bühne ist der Stoff immer wieder zu sehen.

Die neue Ausstellung des Buddenbrookhauses will den Roman nicht als historisches Stück, sondern als zeitlose Erzählung über Familie und individuelle Freiheit zeigen. „Dass uns ein Roman von 1901 bis heute unmittelbar berührt, liegt an Thomas Manns präzisem Blick auf innerfamiliäre Konflikte, die Menschen grundsätzlich prägen“, sagt Dr. Caren Heuer, Direktorin des Buddenbrookhauses.

Ist die Familie Fessel oder Halt?

Die Buddenbrooks auf der Bühne: Hier Xenia Cumento als Tony Buddenbrook mit dem Opernchor. Foto: Olaf Struck

So steht in der Ausstellung nicht das historische Lübeck im Mittelpunkt, sondern die Familie. Als konzeptioneller Fluchtpunkt dient die berühmte Formel des Konsuls Buddenbrook, der die Familie als „Glieder in einer Kette“ beschreibt. „Die Ausstellung stellt die Frage: Ist diese Kette Halt und Rettung oder eine beengende Fessel?“, so Heuer. An sechs thematischen Stationen veranschaulicht die Ausstellung diese Frage.

Interaktive Module verbinden die Romanfiguren mit Fragen der Gegenwart und binden die Besucher:innen aktiv ein. Mit Tony Buddenbrook wird über Herkunft und Erbe nachgedacht, Christian Buddenbrook steht für die Suche nach Work-Life-Balance, während Thomas Buddenbrook zur Reflexion über Risikobereitschaft bei Finanzgeschäften anregt. Hanno Buddenbrook schließlich lenkt den Blick auf persönliche Erinnerungen an familiäre Rituale und Familienfeste.

Parallel arbeitet das Buddenbrookhaus mit Schulen zusammen. So gestalten Schüler:innen im Unterricht eigene Werke zu Stationen der Ausstellung. Einige dieser Ergebnisse gehen in die Ausstellung ein.

Spektakulärer Ankauf: Manns Briefwechsel mit Ida Boy-Ed

Stolz ist das Buddenbrookhaus auf eine Neu-Anschaffung. Im September 2026 kaufte das Museum einen Briefwechsel zwischen Thomas Mann und seiner Lübecker Mäzenin Ida Boy-Ed auf. Es geht um 29 Briefen, 13 Briefkarten und 17 Postkarten von Thomas Mann. „Für das Buddenbrookhaus ist dieser Ankauf eine sensationelle Bereicherung unserer Sammlung“, sagt Caren Heuer. Die Schreiben zeigen das Verhältnis zwischen dem jungen Autoren, der homosexuell war, aber lebenslang dagegen ankämpfte, und der 23 Jahre älteren Lübeckerin, die ihm – als die Manns nach München gezogen waren –  über die Stimmung in der Stadt berichtete.

Das Publikum könne die Briefe und Karten aber nicht sofort sehen, bedauert Heuer. Es sei schwierig, die wertvollen Originale in die bereits fertige Ausstellung zu integrieren.

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