Wenn die Autokorrektur eine Idee hat

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Verflixte Autokorrektur! Neulich wollte ein wohlmeinender Kollege auf LinkedIn einen Post des Kulturspeichers kommentieren. Unbemerkt hat die Autokorrektur den Inhalt des Textes verändert. Anstelle von „Zentrum für Digitalisierung und Kultur“, wie wir uns im Kulturspeicher bezeichnen, wenn es um die digitale Förderung von Kultureinrichtungen im Land geht, verwandelte die Autokorrektur dies in ein „Zentrum für Idealisierung“ und Kultur. Welch feine Nuance! Sigmund Freud hätte es wohl kaum besser formulieren können. Dieser Post lädt nahezu zu einer philosophischen Betrachtung ein.

Idealisierung ist ein gedanklicher Prozess, bei dem ein Gegenstand, eine Person, ein Zustand oder ein Sachverhalt so dargestellt wird, das er einem Ideal näher kommt. Dabei werden gewisse Merkmale bewusst vereinfacht, weggelassen oder stilisiert, um ein Modell zu schaffen, welches einer Idee entspricht. Komplexe Wirklichkeiten können so besser erfasst werden, und es entsteht ein Ideal, an dem man sich orientieren kann – wobei natürlich auch negative Aspekte ausgeblendet werden können.

Es liegt uns fern, den Kulturspeicher zu idealisieren – gewiss nicht! Doch wie schön wäre es, wenn wir in Schleswig-Holstein tatsächlich ein Zentrum für Idealisierung und Kultur hätten! Es geht mir dabei nicht um eine Diskussion darüber, was Kultur genau sei. Vielleicht gibt es viele unterschiedliche subjektive Perspektiven – von Esskultur über Spielkultur bis hin zum alltäglichen Umgang – um den Begriff zu definieren. Für Friedrich Schiller repräsentierte die Schönheit ein kulturelles Ideal, das es zu erreichen galt. Nicht alle Kultureinrichtungen sind im Bereich der Ästhetik oder der ästhetischen Erziehung, also der kulturellen Bildung, tätig. Wenn wir einem Ideal folgen, dann dem, das Zusammenleben der Menschen abzubilden und Impulse für das zukünftige Zusammenleben im Kollektiv sowie für das individuelle Leben zu geben.

Kultureinrichtungen existieren nicht für sich allein; die Bezeichnung „kulturelle Infrastruktur“ impliziert, dass sie eine wesentliche Daseinsvorsorge für die Gesellschaft bieten. Wenn wir Kulturinstitutionen als Zentrum für Idealisierung denken, dann deshalb, weil sie sich in ihrem Angebot sowohl auf Einzelne als auch auf die Gesellschaft beziehen. Nicht, weil wir wüssten, wie ein Ideal auszusehen hat, sondern weil der fortlaufende Diskurs über das Ideal an sich bereits den eigentlichen Wert darstellt. Wo dieser Dialog nicht mehr existiert, herrscht Autoritarismus und Totalitarismus. Das Ideal der Kultur ist eben dieser Dialog. Ein Zentrum für Idealisierung und Kultur ist eine Einrichtung, die genau diesen Dialog möglich macht, Impulse gibt und einen Samen legt für eine gesunde Selbstvergewisserung der Gesellschaft. Ich meine, damit ist unsere Arbeit im Kulturspeicher eigentlich schon ganz gut beschrieben. Und bei den meisten anderen Kulturinstitutionen ebenfalls. Der Autokorrektur sei Dank!

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