Kultur muss bei KI selbst Regie führen

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Bund und Länder haben sich auf das Eckpunktepapier „Fortschrittsagenda Kultur + KI“ verständigt. Es soll einen gemeinsamen Rahmen für die kulturpolitische Zusammenarbeit schaffen. Im Kulturbereich kann man sich darüber freuen, dass es ein solches Papier nun gibt.

Das Eckpunktepapier skizziert die Strategie von Bund und Ländern zur Gestaltung des KI-Wandels im Kulturbereich. Ziel ist es, Chancen zu ergreifen, Innovationen föderal zu skalieren und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Es lässt sich nicht leugnen: KI transformiert Arbeitsweisen und dient als Werkzeug für die künstlerische und kuratorische Praxis sowie zur Entlastung im Kulturmanagement. Kreative und Kultureinrichtungen sollen befähigt werden, KI selbstbestimmt zu nutzen. KI-gestützte Verfahren könnten in Zukunft in der Kulturverwaltung Antrags- und Verwaltungsprozesse beschleunigen und vereinfachen, was Freiräume für inhaltliche Entscheidungen schafft. Die Schaffung von Rahmenbedingungen für einen transparenten und rechtssicheren Einsatz ist unerlässlich. Durch KI wird das digitalisierte Kulturerbe erschlossen, eine interoperable Dateninfrastruktur erstellt und die Möglichkeit geschaffen, neue Zugänge zur Teilhabe zu eröffnen. Neue Vermittlungsformate bauen Hürden ab und erweitern die gesellschaftliche Partizipation. Die Erprobung KI-gestützter Verfahren in Kunst und Produktion kann entweder zur Erstellung neuer Werke oder, im Sinne von Erving Goffman, zur Abbildung gesellschaftlicher und technologischer Prozesse als kritische Auseinandersetzung dienen.

Obwohl Herausforderungen bestehen, ist der Schutz von Rechten, Transparenz bei der Nutzung von Werken und die angemessene finanzielle Beteiligung Kreativer an der Wertschöpfung dringend erforderlich. Angesichts der Dominanz US-amerikanischer und chinesischer Modelle müssen europäische KI-Lösungen gestärkt und Verzerrungen durch valide Daten vermieden werden. Schließlich erfolgt der Umbruch unter hohem Kostendruck, und der Mangel an rechtssicherer Infrastruktur sowie Rechenleistung und föderale Flickenteppiche müssen bewältigt werden. Ziel des Papiers ist es nämlich auch, die kulturelle Infrastruktur, die häufig eher defensiv agiert, zu einer Akteurin zu machen, die selbst gestalten kann.

Was ist nun von diesem Papier zu halten? Da es veröffentlicht ist, kann sich jede und jeder ein eigenes Bild machen. Natürlich ließ auch die Kritik nicht lange auf sich warten. Doch es ist notwendig, den Prozess kritisch-konstruktiv zu beobachten. Die ungebremste Ausbreitung von KI birgt Gefahren, und kreative sowie künstlerische Leistungen werden nicht nur hinterfragt, sondern in unzulässiger Weise – weil unvergütet – verwendet. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass die Technologie bleiben wird, weshalb ein proaktiver Umgang erforderlich ist. Dieses Papier ist deswegen ein wesentlicher und wichtiger Schritt aus verschiedenen Gründen. Digitalisierung und erst recht Künstliche Intelligenz nehmen wenig Rücksicht auf Föderalismus und Kulturhoheit. Da ist es aus meiner Sicht unerlässlich, dass Bund und Länder zusammenarbeiten, auch um Ressourcen zu bündeln und die jeweiligen Entwicklungen für andere nutzbar zu machen. Ein Desiderat wäre in diesem Zusammenhang ein KI-Kompetenzzentrum für Kunst und Kultur, das von Bund und Ländern gemeinsam getragen wird und Beratung, Unterstützung und Lobbying bietet. Darüber hinaus bestätigt das Papier, dass Kulturpolitik und Kulturverwaltung sich näher mit der technischen Entwicklung von KI beschäftigen und prüfen, was gewinnbringend beispielsweise in Kulturverwaltung und Kulturmanagement eingesetzt werden kann, wo aber auch Limitierungen bestehen und Regelungsbedarf besteht. Ein weiterer Ansatz wäre, eigene Entwicklungen voranzutreiben und Angebote für Kultureinrichtungen zu initiieren, die dann auch von anderen Ländern genutzt werden können, wie sichere und sinnvolle KI-Nutzung. Das könnten beispielsweise Kulturplattformen sein, die von KI-Agenten unterstützt werden, wie es derzeit in Schleswig-Holstein geplant ist.

KI und digitale Souveränität gehen Hand in Hand, können jedoch nur gelingen, wenn eigene Ressourcen gebündelt und zielgerichtet eingesetzt werden. Das Papier geht deshalb in die richtige Richtung. Die Kritik richtet sich meist daran, dass man zu unkritisch an die KI-Entwicklung herangeht. Doch die zentrale Aussage des Papiers ist eigentlich eine andere: Es soll den Startpunkt für ein Governance-Modell bieten, mit dem es gelingen kann, gemeinsam daran zu arbeiten, wie KI, die nun einmal in der Welt ist, gewinnbringend für die kulturelle Infrastruktur eingesetzt werden kann – und zwar gesteuert von Kulturschaffenden und nicht nur von großen Konzernen. Das ist Kulturpolitik im besten Sinne, und man kann nur hoffen, dass KMK und Kulturausschuss dranbleiben.

Das Eckpunktepapier als PDF

Quelle: 261015_Eckpunktepapier_Fortschrittsagenda_Kultur_und_KI.pdf

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