Zum 25. Mal NordArt in Büdelsdorf

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Ein hohler Pfiff tönt durch die Hallen der Carlshütte in Büdelsdorf, in der seit Anfang Juni die internationale Kunstausstellung NordArt läuft. „Die Meerjungfrau singt“, sagt Inga Aru, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang Gramm als Kuratorin die Schau verantwortet, über das geisterhafte Geräusch.

Alle Weile stößt die „Meerjungfrau“ einen Pfeifton aus. Neben dem Kunstwerk: Kuratorin Inga Aru. Foto: Geißlinger

Die singende Meerjungfrau mit den großen Augen einer Anime-Figur und dem Bezug aus Fischhaut gehört zu den vielen Objekten, die in den Hallen der ehemaligen Eisengießerei und auf dem Außengelände stehen oder hängen. Bereits zum 25. Mal zeigt die NordArt in der Kleinstadt bei Rendsburg Werke aus aller Welt. Das Kuratoren-Duo nahm das Vierteljahrhundert-Jubiläum zum Anlass, zahlreiche Preisträger:innen der vergangenen Jahre erneut einzuladen.

David Černý ist der Liebling von Jury und Publikum

Gleich dreimal gewann der Tscheche David Černý einen Preis bei der NordArt: 2016 zeichnete die Jury ihn aus, 2017 und 2019 wählte das Publikum seine Werke als Favoriten. Aber auch Ayurzana Orchibold aus der Mongolei, Jörg Plickat aus Deutschland oder Yongang Liu aus China sind für regelmäßige Besucher:innen alte Bekannte. Sie zeigen teils die Werke, die im Lauf der Jahre ausgezeichnet wurden, teils neue. Denn einige der preisgekrönten Stücke sind bereits verkauft oder aus anderen Gründen nicht zu bekommen, berichtet Kurator Gramm. „Das war logistisch nicht so ohne.“

Viele der Werke, besonders die Skulpturen im Außengelände, sind groß und buchstäblich tonnenschwer. Dazu zählen auch die Container-Installation „Kuvyt“ des slowakischen Künstlers Lubo Mikle und der gewaltige Hase von Ruowang Liu. Ein Kunstwerk zum Darin-Spazierengehen hat der Brite Paul Critchley mit „Sense of Place“ geschaffen: Die Rauminstallation zeigt eine Wohnung, inklusive schmutzigem Geschirr im Spülbecken und einem prominenten Gast in der Dusche.

Riesen-Vieh: Sechs Meter hoch ist Ruowang Lius „Hase“. Foto: Geißlinger

Schlendern, schauen, staunen ist der beste Weg, sich die NordArt zu erschließen. Sie zeigt auf fast 100.000 Quadratmetern Fläche Werke von Künstler:innen aus 50 Ländern. Darunter ist die Mongolei besonders präsent, deren Kunst einen Schwerpunkt der diesjährigen Schau bildet. Auch zeitgenössische chinesische Werke nehmen einen großen Raum ein: Das liegt an langjährigen Beziehungen Gramms nach China.

„Von Künstlern für Künstler“ und ohne Publikum undenkbar

„Es ist eine Schau von Künstlern für Künstler“, beschreibt Wolfgang Gramm, selbst Maler und Bildhauer, den Grundgedanken der NordArt. Auch Ko-Kuratorin Inga Aru ist Künstlerin. Beide sind stolz darauf, dass Büdelsdorf seit der ersten Schau im Jahr 1999 in der Kunstszene ein bekannter Ort geworden ist. Die Ausstellung sei auch zu einem Treffpunkt geworden. Viele der Künstler:innen reisen zum Aufbauen ihrer Werke an, „und abends sitzt man zusammen beim Bier und redet“, sagt Gramm.


NordArt in Zahlen 2024 findet die NordArt zum 25. Mal statt Die erste Ausgabe gab es aber bereits 1999, also vor 26 Jahren. 2020 fiel die Ausstellung aus: Corona war schuld. Über 100.000 Schaulustige besuchten die Ausstellung im Jahr 2023. Erstmals wurde diese Marke im Jahr 2018 geknackt. 10 Personen arbeiten ganzjährig für die NordArt. Während der Ausstellung kommen rund 100 Beschäftigte dazu. Die Schau wird nur in geringem Maß öffentlich gefördert. Deswegen sind die Einnahmen durch Eintrittsgelder wichtig für den Fortbestand. 1.000 Führungen durch die Ausstellung gab es im vergangenen Jahr. Das sind gut 9 an jedem der 110 Tage Laufzeit der Schau. 80.000 Quadratmeter Außenfläche stehen zur Verfügung. hinzu kommen 20.000 Quadratmeter in den Gebäuden der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte. Aus rund 50 Ländern stammen die ausstellenden Künstler:innen dieses Jahr Gesichtet wurden rund 3.000 Bewerbungen aus 100 Ländern. 1,5 Kilo wiegt der diesjährige Katalog. Er umfasst 288 großformatige Seiten. 6,30 x 6,30 x 6,30 Meter nimmt das Projekt Kuvyt in Anspruch – eine Installation aus Containern, die der Slovakische Künstler Lubo Mikle schuf. Genau 6 Meter hoch ist der Hase von Ruowang Liu. Die Figur steht in einer der Hallen – auf dem grünen Gras im Skulpturenpark wäre es zu „hasig“ geworden, so die Kuratoren.

Die NordArt ist eine private Ausstellung, die auf einen eher trivialen Grund zurückgeht. 1999 wollte die Gemeinde Büdelsdorf das Stadtrecht erhalten. „Das Innenministerium forderte eine kulturelle Prägung des Ortes. So gründeten wir mit unserer Stadt in spe eine Public Private Partnership, und unser Chefkurator bekam eine formale Anstellung als Geschäftsführer“, schreiben Hans-Julius und Johanna Ahlmann im Vorwort des NordArt-Katalogs. Die Ahlmanns sind Nachkommen des Gründers der Carlshütte und heute Gesellschafter der ACO-Gruppe. Die Firma ist die wichtigste Sponsorin der Schau. Öffentliche Mittel in überschaubarem Umfang bekommt die NordArt von den Städten Büdelsdorf und Rendsburg. „Ohne die Besucher, die mit ihren Eintrittsgeldern zum Erfolg beitragen, wäre die NordArt nicht denkbar“, betont Gramm.

Die nächste Generation steht in den Startlöchern

Der Chef-Kurator ist inzwischen 72 Jahre alt, und eine solche Schau auf die Beine zu stellen, bedeutet Stress und körperliche Belastung. Ein möglicher Nachfolger steht aber bereit: Taso Gramm. Der 28-jährige ist Gramms und Arus Sohn und „neben der Staffelei aufgewachsen“, sagt sein Vater. Die NordArt kennt der Junior ebenfalls seit seiner Kindheit, seit einigen Jahren arbeitet er im Team mit. Aber noch stehe die Übergabe nicht an, sagt Wolfgang Gram: „Mir macht es immer noch Spaß.“

Wolfgang Gramm ist seit 1999 Kurator der NordArt. Foto: Geißlinger

25 Ausstellungen fanden im Lauf von 26 Jahren statt – nur 2020 fiel die NordArt wegen der Corona-Pandemie aus. Die Schau ist stetig gewachsen. Rund 100.000 Neugierige flanieren Jahr für Jahr durch die Schau. 1.000 Führungen finden statt. Rund 3.000 Bewerbungen sichtet die Jury inzwischen jährlich und wählt rund 250 Künstler:innen aus.

Die Qualität steigt – die bürokratischen Hürden auch

„Die Menge an Werken, die wir ausstellen, ist nicht gewachsen“, sagt Aru. „Aber die Auswahl ist größer, damit ist die Qualität im Lauf der Jahre gestiegen.“

Gewachsen seien auch der bürokratische Aufwand und die Anforderungen an Sicherheit, vor allem Brandschutz. Die rauen Böden und engen Stiegen, die in den früheren Jahren zum besonderen Charme der Ausstellung in den alten Fabrikhallen gehörten, sind geglättet und ersetzt worden. Gewachsen ist auch das Rahmenprogramm: Das Festival-Orchester des Schleswig-Holstein-Musikfestivals probt auf dem Gelände und lädt zu Konzerten ein, Sprachkünstler:innen treten zum Poetry Slam an. Geöffnet hat die NordArt noch bis zum 6. Oktober, von dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr.

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