„Hoch oder platt, drög oder natt, Beer oder Win, grof oder fin – awer echt mutt es sin!“
Schreeven hett dat Klaus Groth. Vör 125 Johrn is de plattdüütsche Dichter dood bleeven. Achti is he worrn (born: 1819 in Heid, storven: 1899 in Kiel).
Hüüt vertell ik jüm wat Niies vun Groth. Düsse Week gifft dat een ganze Barg Tamtam um em. He krigg een Utstellung, Sündag (27. Oktober) is Vernissage op de Museumsinsel Lüttenheid in Heid. „Dar kumt en Wind ut Norn: Klaus Groth im Comic“ heet de. Jo, jüm hebbt richtig hört. Dat is keen gewöhnliche Utstellung. Dorto kriggt he ok noch sien eegene Comic-Heft, op dat Titelblatt een schmucke Portrait und binnen warrt sien Leeven und Wark in bunte Biller wiest. Denkt mol an: In sien Tieden weer dat Fotografeeren rore Krom, dotomol is man ni veel knipst worrn – ok ni as Dichtersmann. Nu gifft dat mol annere Biller vun em, mit veel Farv und mit veel Ruum för Interpretatschoon: Wat schön, dat in de Kunst nix echt ween mutt. In´t Leeven bünn ik dor aver bi Klaus Groth, dor ist dat anners:
Vun dat Echte und dat Plattdüütsche hannelt ok de Gedicht „Min Modersprak“ vun em. Jüm find dat wieter ünnen. Leest mol und wenn jüm Lust hebbt, kiekt sik de Utstellung und dat niee Comic-Heft vun Pure Fruit an oder besöökt een vun de Akschoonen, de dortohöört:

Hier in düsse Rubrik schriev ik dat Plattdüütsche man jüs so op as dat bi uns in Stopel schnackt ward. De Texte vun Groth sünd na klor in´t originale Groth-Platt. Mehr över der Rubrik „Plattschnack“ steiht hier.
Min Modersprak.
Min Modersprak, wa klingst du schön! Wa büst du mi vertrut!
Weer ok min Hart as Stahl un Steen,
du drevst den Stolt herut.
Du bögst min stiwe Nack so licht
as Moder mit ern Arm,
du fichelst mi umt Angesicht –
un still is alle Larm.
Ik föhl mi as en lüttjet Kind,
de ganze Welt is weg.
Du pust mi as en Vaerjahrswind
de kranke Boss torecht.
Min Obbe folt mi noch de Hann‘
un seggt to mi: »Nu be!«
Un »Vaderunser« fang ik an,
as ik wul fröher de.
Un föhl so deep: dat ward verstan,
so sprickt dat Hart sik ut.
Un Rau vunn Himmel weiht mi an,
un allns is wedder gut!
Min Modersprak, so slicht un recht,
du ole frame Red!
Wenn blot en Mund »min Vader« seggt, so klingt mi’t as en Bed.
So herrli klingt mi keen Musik
un singt keen Nachdigal;
mi lopt je glik in Ogenblick
de hellen Thran hendal.
Klaus Groth, Quelle: projekt-gutenberg.org
Meine Muttersprache.
Meine Muttersprache, was klingst du schön! Was bist du mir vertraut!
Wäre auch mein Herz wie Stahl und Stein, du triebest den Stolz heraus.
Du biegst meinen steifen Nacken so leicht wie Mutter mit ihrem Arm,
du streichelst mir durchs Gesicht –
und still ist jeder Lärm.
Ich fühl` mich wie ein kleines Kind,
die ganze Welt ist weg.
Du bläst mir wie ein Frühlingswind
die kranke Brust zurecht.
Mein Opa faltet mir noch die Hände
und sagt zu mir: „Nun bete!“
Und „Vaterunser“ fang ich an,
wie ich es wohl früher tat.
Und fühle so tief: Das wird verstanden, so spricht das Herz sich aus.
Und Ruhe vom Himmel weht mich an, und alles ist wieder gut!
Meine Muttersprache, so schlicht und recht, du alte fromme Rede!
Wenn bloß ein Mund „mein Vater“ sagt, so klingt es mir wie eine Bitte.
So herrlich klingt mir keine Musik
und singt keine Nachtigall;
mir laufen ja gleich im Augenblick
die hellen Tränen hinab.
Übersetzung: Birthe Dierks
[übersetzt]
„Hoch oder platt, trocken oder nass, Bier oder Wein, grob oder fein – aber echt muss es sein!“
Geschrieben hat das Klaus Groth. Vor 125 Jahren ist der plattdeutsche Dichter „tot geblieben“ [interessanterweise sagt man das im Plattdeutsch so, synonym zu „gestorben“]. Achtzig ist er geworden (geboren: 1819 in Heide, gestorben [oder auch „tot geblieben“]: 1899 in Kiel).
Heute erzähle ich euch etwas Neues von Groth: Diese Woche gibt es eine ganze Menge Aufsehen um ihn. Er bekommt eine Ausstellung, Sonntag (27. Oktober) ist Vernissage auf der Museumsinsel Lüttenheid in Heide. „Da kommt ein Wind aus Norden: Klaus Groth im Comic“ heißt die. Ja, ihr habt richtig gehört. Das ist keine gewöhnliche Ausstellung. Dazu bekommt er auch noch sein eigenes Comic-Heft, auf dem Titelblatt ein schönes Portrait von ihm und im Innenteil werden sein Leben und Werk in bunten Bildern gezeigt. Bedenkt einmal: In seinen Zeiten war das Fotografieren eine Seltenheit, damals ist man nicht viel fotografiert worden – auch nicht als Dichter.
Jetzt gibt das mal andere Bilder von ihm, mit viel Farbe und viel Raum für Interpretation: Wie schön, dass in der Kunst nichts echt sein muss. Im Leben bin ich da aber bei Klaus Groth, da ist es anders: „Hoch oder platt, trocken oder nass, Bier oder Wein, grob oder fein – aber echt muss es sein!“ Vom Echten und Plattdeutschen handelt auch das Gedicht „Min Modersprak“ von ihm. Ihr findet es weiter oben, auf Platt- und Hochdeutsch.
Lest es mal und wenn ihr Lust habt, schaut euch die Ausstellung und das neue Comic-Heft von Pure Fruit an oder besucht eine der begleitenden Aktionen.
Hier, in dieser Rubrik, schreibe ich das Plattdeutsche ganz einfach so auf, wie es bei uns in Stapel gesprochen wird. Mehr über die Rubrik „Plattschnack“ steht hier.