Ungeheuer viel zu entdecken in den Museen im Kulturzentrum

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In diesem Museum ist ein Seeungeheuer versteckt. Besser gesagt, in einem der Museen, die sich im Kulturzentrum Hohes Arsenal in Rendsburg verbergen. Vom Druckmuseum im Erdgeschoss geht es in den ersten Stock, wo die Geschichte Rendsburgs als Garnisons- und Kanalstadt im Mittelpunkt steht. Als dritte Säule finden regelmäßig Sonderausstellungen statt. Es gibt also viel zu entdecken – nicht nur das Ungeheuer, das ein wenig an Zeichnungen von Nessie aus dem Loch Ness erinnert.

Gut gebrüllt: Museumsdirektor Florian Böings neben einer Figur des Stadtwappens. Foto: Geißlinger


„Ja, das Ungeheuer“, sagt Florian Böings und lacht. „Das habe ich selbst erst vor Kurzem gefunden.“ Dabei ist Böings der Leiter der „Museen im Kulturzentrum Rendsburg“, so der Titel der historischen Sammlungen. Sie sind in einem Flügel des Hohen Arsenals untergebracht, einem großen Ziegelbaus nahe des Rendsburger Paradeplatzes. Baumeister Domenicus Pelli hat das Gebäude Ende des 17. Jahrhundert als Zeughaus des Rendsburger Garnisonsgeländes errichtet. Die Bundeswehr nutzte das Gebäude bis in die 1980er Jahre. 1985 bis 1988 entstand nach Plänen des Architekten Horst Kruge ein Mehrzweck-Kulturzentrum mit Platz für die städtische Bibliothek und Veranstaltungsräumen.

Blick in die Geschichte: Modelle zeigen die Entwicklung Rendsburgs. Foto: Geißlinger

Moderne Ausstellung, aufgeräumt und reduziert


Früher war das Rendsburger „Heimatmuseum“ im Rathaus der Stadt untergebracht. Die Sammlung zog ins Hohe Arsenal um und präsentiert sich nach einer Umgestaltung im Jahr 2020 modern, das heißt aufgeräumt und mit wenig Text, dafür auf wesentliche Punkte konzentriert. In der Abteilung, die Rendsburgs Geschichte als Garnisonsstadt in den Mittelpunkt stellt, zeigen historische Modelle die Entwicklung der Stadt zur – nach Kopenhagen – zweitwichtigsten Festung des Dänischen Reichs. Fahnen, Säbel, Tabakspfeifen stehen für das soldatische Leben, das die Stadt so lange prägte. An eine Explosion in einer örtlichen Munitionsfabrik 1850 erinnert ein Baumstumpf, in dem ein Metallanker steckt. Die Wucht der Explosion hatte ihn dort hingeschleudert. Das zivile Leben der Stadt kommt dagegen recht kurz. Rendsburgs Rolle in den wilden Tagen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848 schildert nur eine kurze Texttafel.

Die Angel auswerfen können Besucher:innen in einer Mitmach-Station. Foto: Rendsburger Museen

Schwerpunkte: Militär und Lage am Wasser


Die Umgestaltung fiel noch in die Ägide des früheren Museumsleiters Martin Westphal. Sein Nachfolger als Leiter der Museen im Kulturzentrum ist Florian Böings, der selbst gebürtiger Rendsburger ist und nach seinem Studium in Kiel im Oktober 2022 in Westphals Fußstapfen treten konnte, hält die Schwerpunkt-Setzung aber für gerechtfertigt. „Die militärische Nutzung ist nun einmal der rote Faden in der Stadtgeschichte. Das hat Rendsburg geprägt.“


Ebenso wichtig ist für die Stadt die Lage am Wasser. Früher floss die Eider mitten durch das Zentrum, noch heute heißt der zentrale Markt „Schiffbrückenplatz“, weil dort die Eiderkähne anlegten. Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals grub der Eider buchstäblich das Wasser ab. Seither führt der Kanal an der Stadt vorbei, während die Eider in einem toten Arm endet. In der Ausstellung im Museum erzählen an Hörstationen Seeleute von den alten Tagen, erinnern Truhen und Fahnen an Handwerk und Handel rund um den Kanal. Ein Video zeigt den Zusammenstoß der Schwebefähre mit einem Frachter. Wer will, kann auf einem Rudertrainer vor einem Großbildschirm erleben, wie sich die Teilnehmenden am „Schleswig-Holstein Netz Cup“ fühlen. Ein besonderes Schaustück ist der Tresen des Eisenwarenladens „Paul Matz“, der bis 1993 Jahre am Paradeplatz lag. „Viele ältere Rendsburger kennen den noch und freuen sich darüber“, sagt Böings.

Faszination der alten Maschinen: Drucktechnik von Gutenberg bis Computer sind im Erdgeschoss zu sehen. Foto: Rendsburger Museen

Druckmuseum wartet auf seine Umgestaltung


Kinder und Jugendliche staunen dagegen über die schweren Maschinen im Druckmuseum im Erdgeschoss. Die Sammlung zeigt die Technik „von Gutenbergs Handsatz über den Maschinensatz mit Typograph und Linotype bis hin zum Foto- und Computersatz“, heißt es auf der Homepage der Museen. Das Besondere: Alle Maschinen sind noch in Betrieb. „Wir haben eine Reihe von Ehrenamtlichen, die meisten gelernte Drucker, die den Umgang damit noch beherrschen“, sagt Böings. So können Schulklassen sogar eigene Bücher drucken und binden. Dennoch braucht das Druckmuseum mittelfristig eine Neugestaltung, auch weil niemand die heutigen Ehrenamtlichen ersetzen kann, wenn sie aufhören: „Das Handwerk wird nicht mehr gelehrt, es gibt dann niemanden mehr, der die Maschinen bedienen kann.“

Buchstabensalat: Im Druckmuseum können Gruppen selbst Bücher gestalten. Foto: Rendsburger Museen


Wie eine neue Ausstellung aussehen könnte, steht noch in den Sternen. Digitale Techniken, von QR-Codes, hinter denen sich mehr Informationen verbergen, bis zu Augmented Reality könnten eine Rolle spielen: „Ideen haben wir viele“, sagt Böings.

Sonderausstellungen bieten Raum für Neues


Ein Raum, um neue Ideen auszuprobieren, ist der Saal für Sonderausstellungen im oberen Stockwerk. Bis zu vier Ausstellungen stemmt das Museum pro Jahr – Böings will die Frequenz eher verringern: „Lieber nur zwei oder drei, die dafür entsprechend länger hängen und noch besser vorbereitet sind.“

Auch Arbeiten von Schulkindern passen ins Museum. Foto: Geißlinger


Das Spektrum reicht von Bildern lokaler Künstler:innen wie Jürgen Baum über Fotografien bis zu Einblicken in die Stadtgeschichte. „Die Ausstellung über die Koloniale Frauenschule in Rendsburg war unsere bisher erfolgreichste“, sagt Böings. Im Herbst 2024 zeigen Schüler:innen in Bildern und Modellen unter dem Motto „Facetten Rendsburgs“, heutige Stadtmotive und wie sie sich die Stadt in Zukunft vorstellen. Ihre Entwürfe gibt es schwimmende Häuser oder einem Riesenhochhaus, in dem die gesamte Bevölkerung lebt. Böings deutet auf das Modell der Stadt im Turm: „Mich freut, dass hier neben der Raketenstartbahn auch ein Museum eingeplant ist.“

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