Viva Las Vegas am Kieler Hauptbahnhof

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Glitzer, Glamour, Glücksspiel – der Name „Las Vegas“ zaubert Bilder von Wüste, Palmen und dem Strip mit seinen strahlenden Hotelfassenden in den Kopf. Und Kiel? Ist so etwa das Gegenteil davon. Oder passt da was? Eine Gruppe Studierender der Muthesius-Kunsthochschule reiste von Kiel nach Las Vegas und brachte jede Menge Kunst mit. Zu sehen ist die Ausstellung passenderweise in einer leerstehenden Spielhalle im Kieler Bahnhof. Sie liefert damit auch ein Beispiel für Kunst an ungewöhnlichen Orten.

Ausstellung zwischen Pub und Kino

Performance zum Start: Lara Meise setzt im Projekt „Funnyland“ auf Ironie und Überzeichnung. Foto: Richard Gutberlet

Durch die Bahnhofshalle, an einem Pub vorbei und kurz vor dem Eingang zum Kino. Nein, diese Kunstausstellung ist nicht ganz einfach zu finden. Doch sie hätte kaum besser gewählt sein können, findet Axel Loytved. Der Professor der Muthesius-Kunsthochschule hat das Projekt initiiert. Es trägt den Titel „Public Realities – Urban Fictions“.

Ausgangspunkt war Loytveds Reise mit einer Gruppe von 13 Studierenden in die USA. Dort trafen die Kieler:innen örtliche Kunstschaffende, informierten sich über den Zustand der USA unter Donald Trump. Sie fanden Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. „In Las Vegas und Kiel spielt Tourismus eine große Rolle“, sagt Loytved.

Flatternde Tüten und Reifenspuren

Die Ausstellung zeigt das Ergebnis dieser Reise. Mit dabei sind Werke sowohl von US-Künstler:innen als auch von Studierenden. Das Video „Dog Eater“ zeigt die Künstlerin Kayla Lockwood, wie sie ein Hot Dog isst. Die Performance reagiert auf Donald Trumps rassistische Aussage „they’re eating the dogs, they‘re eating the cats“.

Ewige Liebe, ewige Treue? Die Studentin Jane Han bot in einer Performance Freiwilligen an, mit ihnen den Bund der Ehe einzugehen. Schließlich ist Las Vegas die Stadt der Schnellheiraten. Das Video läuft in der Ausstellung.

Fetisch Auto: „Überscheibung“ heißt das Werk von Rebecca Traver. Sie zeigt stilisierte Reifenspuren auf Steinzeug-Platten.

Den Umgang mit der Umwelt und die Liebe zum Auto – die in Las Vegas und Kiel ähnlich sein dürften – zeigen Plastiktüten, die in der früheren Raucherkabine der Spielhalle flattern, und als Relief gegossene Reifenspuren.

Auch Axel Loytved steuerte ein Stück zu der Ausstellung bei. Aus dem Schaumstoffkerns einer gebrauchten Matratze hat er handgroße Stücke herausgerissen und auf dünne Metallstäbe gesteckt, die aus den Löchern ragen. „Diese fragilen Gebilde erinnern an Pilze, an wuchernde Gedanken oder sedimentierte Träume“, heißt es in der Beschreibung. „Dreams that money can’t buy“, heißt das Objekt.

Sogar die Bierdosen auf der Theke sind Kunst

Carole Flammang bei einer Performance. In der Ausstellung sind von ihr verfremdete Postkarten zu sehen, die nur scheinbar Las Vegas zeigen. Foto: Richard Gutberlet

Nicht jedes Objekt ist sofort zu erkennen. An der Decke etwa sind manche Platten mit Wolkenbildern verziert. Die Fotos stammen teils aus Schleswig-Holstein, teils aus Nevada. „higher on the other side“, heißt die Installation von Sonja Christl. Und die alten Bierdosen, die jemand scheinbar auf der Theke der früheren Spielhalle vergessen hat, sind nach der Huichol-Technik mit Garn überzogen. Romina Villarreal hat die Dosen aus den Trümmern eines zusammengebrochenen Hotels gesammelt. Auch der Postkarten-Ständer am Eingang lohnt einen weiteren Blick.

Zu sehen ist die Ausstellung im Bahnhof bis zum 7. Februar 2026. Geöffnet hat die alte Spielhalle aber nur am Nachmittag.

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