Eutiner Festspiele – es bewegt sich, aber….

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Ulrike Plötz vom Förderverein der Eutiner Festspiele schildert die aktuellen Entwicklungen rund um die Zukunft der Traditionsveranstaltung. Dabei gibt sie einen Einblick in die politischen Hintergründe und die Stimmung hinter den Kulissen.

Eutiner Festspiele – ein Desaster! Und jetzt ein Hoffnungsschimmer …

Ich bin fassungslos und wütend über das Vorgehen der Stadtvertreter zum Erhalt der Eutiner Festspiele! Und glücklich über die sich anbahnende positive Wendung durch die Initiative einiger Unternehmer!

Auf der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Eutiner Festspiele am 16.3.26 berichtete der Geschäftsführer der Eutiner Festspiele, Falk Herzog, unter Tagesordnungspunkt 10.: „Aktueller Sachstand der Eutiner Festspiele“, darüber, dass bis jetzt keine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Festspielen stattgefunden hätte.

Falk Herzog habe seit Oktober 2025 der Stadt gegenüber immer wieder bekundet, dass die Leitung der Festspiele ehrenamtlich nicht mehr zu leisten sei und er Unterstützung benötige. Leider waren diese Bemühungen nicht erfolgreich, was im Januar zum Aus der Festspiele führte.

Seitdem habe er sechsmal das Gespräch gesucht. Entweder wurde kurzfristig unter fadenscheinigen Gründen abgesagt oder gar nicht erst geantwortet.

Es habe sogar eine wichtige Gesprächsrunde zum Erhalt der Festspiele gegeben mit Vertretern der Fraktionen und der Verwaltung der Stadt, dem Geschäftsführer der Eutin Tourismus GmbH Herrn Keller und Dr. Christian Kuhnt, dem Intendanten des SHMF. Falk Herzog (als derjenige, der sich mit den speziellen Gegebenheiten der Festspiele am besten auskennt) wäre dazu nicht eingeladen worden.

Auf einer Hauptausschusssitzung habe er einen 10-minütigen Monolog gehalten, eine Diskussion mit den Stadtvertretern wäre jedoch nicht gewünscht gewesen. Er habe angestrebt, ein Finanzierungskonzept gemeinsam zu erstellen und die komplizierten Eigentumsverhältnisse zu klären: der Stadt gehören Tribüne und Bühne, das Inventar gehöre den Festspielen.

Die 64 Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Eutiner Festspiele waren wegen dieser Informationen entsetzt und aufgebracht, die Stimmung kochte hoch!
Auch die Petition mit rund 2100 Unterschriften hat deutlich gezeigt, wie sehr die Festspiele den Menschen am Herzen liegen und dass sie den Erhalt der Festspiele fordern! Es befremdet mich, dass die von den Eutinern gewählten Vertreter die Dringlichkeit der zu treffenden Entscheidungen anscheinend nicht erkannt haben, damit auch die Saison 2027 gefährden und so möglicherweise einen irreparablen Schaden verursachen.

Es empört mich, dass sie ein für Eutin so wichtiges, gut funktionierendes, sogar sehr erfolgreiches Kulturunternehmen leichtfertig aufs Spiel gesetzt haben.

Stil und Form der Kommunikation mit den Gesellschaftern und Mitarbeitern verliefen bis jetzt beschämend. Die derzeitige gGmbH hatte auf Wunsch der Stadt für jeden Mitarbeiter detaillierte Stellenbeschreibungen vorgelegt und immer wieder mit der dringenden Bitte um Klarheit in der Personalfrage nachgefragt. Erst seit der Stadtvertretersitzung am 25.3. wissen die Mitarbeiter, dass sie nicht übernommen werden. Die Äußerungen „Man könne kein Personal auf Vorrat halten“ und „Man würde nicht die Katze im Sack kaufen“ zeigt einmal mehr, mit welcher Distanz die Stadtvertreter die Festspiele weiterverfolgen.

Es sind für die besonderen Bedingungen des Saisonbetriebs bei den Eutiner
Festspielen perfekt eingearbeiteten Menschen und es ist ein großer Fehler, auf die über Jahre entstandene Kompetenz dieses wertvollen Personals zu verzichten. Darüber hinaus haben sie es verdient, dass sie eine Perspektive erhalten.

Es ist nicht in Ordnung, mit welcher Ignoranz und Geringschätzung die Gesellschafter und Mitarbeiter behandelt werden.

Seit 2017 hat Falk Herzog ehrenamtlich persönliche Energie, privates Vermögen, viel Nervenkraft und Zeit eingebracht und die Festspiele zu dem gemacht, was sie heute sind. Durch unternehmerisches Geschick hat er es geschafft den Kartenverkauf von 14.000 auf 65.000 zu steigern.

Wir alle sind ihm und den Menschen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben, zu Dank verpflichtet!

Auf der Stadtvertretersitzung am 25.3 verabschiedeten die Stadtvertreter einstimmig die Beschlussvorlage, dass die Eutiner Festspiele erhalten werden sollen mit dem Ziel und festen Willen, frühestmöglich mit einer szenischen Produktion an den Start zu gehen. Dafür soll eine gemeinnützige GmbH als Tochtergesellschaft der Stadt Eutin gegründet werden, die die Festspiele ab Sommer 2027 ausrichten soll. Die Vorbereitungen dafür müssten allerdings schon jetzt beginnen. Ich verlange von der Verwaltung und den Stadtvertretern, dass sie die Angelegenheit mit der nötigen Dringlichkeit verfolgen.

In der Freiluft-Saison 2025 sind 65.000 Menschen zu den Eutiner Festpielen gekommen, 8.000 mehr als im Jahr davor. Wieder ein neuer Besucherrekord! Foto: Ulrike Plötz

Als Retter für diesen Sommer wird das Schleswig-Holstein Musikfestival die Festspiele mit drei Konzerten weiter atmen lassen. Das ist eine gute vorübergehende Lösung, langfristig würde es das Konzept der Festspiele mit szenischen Darstellungen als Alleinstellungsmerkmal jedoch komplett verändern und die Interessen der Eutiner nicht berücksichtigen.

Einen Hoffnungsschimmer zum Erhalt der Eutiner Festspiele in der heutigen Form verbreitete Hans-Wilhelm Hagen, Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung mit einer Überraschung. Eutiner Unternehmer wollen eine Trägergesellschaft gründen und sich damit als Gesellschafterin in die neue Festspiel-gGmbH der Stadt Eutin einbringen. Mit einem Anfangskapital von 300.000 Euro wollen sie gewährleisten, dass eine Spielzeit 2027 zustande kommt.

Schon am verkaufsoffenen Sonntag, dem 12.4., wird die Wirtschaftsvereinigung um 15 Uhr mit einem musikalischen Highlight unter Beweis stellen, dass sie das Heft in die Hand genommen haben und damit ihre Verbundenheit zu den Festspielen ausdrücken.

Der Marktplatz wird zum Zentrum eines besonderen Ereignisses. Die Wirtschaftsvereinigung Eutin lädt gemeinsam mit dem Förderverein der Festspiele alle Eutinerinnen und Eutiner dazu ein.

Dirigent Hilary Griffiths kommt

Der renommierte englische Dirigent Hilary Griffiths tritt mit Thomas Hannig (Theater Dortmund) und einem Ensemble aus der Region mit einem Konzert aus Carl Maria von Webers Werken auf und symbolisiert, wie bedeutend die Festspiele für unsere Stadt sind. Damit soll deutlich gemacht werden, dass die Festspiele nicht nur ein kulturelles Erbe sind, sondern ein wesentlicher wirtschaftlicher Motor, der Gäste und Perspektiven bringt.

Im Juni wird Hilary Griffiths an einem Festspiel-Abend für Eutin zum 200. Todestag von Carl Maria von Weber erneut dirigieren mit vertrauten und beliebten Überraschungskünstlern. Außerdem werden Schüler eine Klanginstallation zu Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“ präsentieren.

Der Förderverein der Eutiner Festspiele, der mittlerweile knapp 300 engagierte Mitglieder zählt, trägt zur Gestaltung des Nachmittags am 12.4. bei. Mit ihrem Einsatz und unserer Unterstützung wird dieser Tag zu einem Symbol: Eutin will die Festspiele – und wir möchten sie in Zukunft selbst mitgestalten.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, am 12. April um 15 Uhr auf dem Marktplatz ein starkes Zeichen zu setzen. Je mehr Menschen kommen, desto deutlicher wird: Die Eutiner Festspiele sind unser kultureller Leuchtturm – und wir stehen geschlossen dahinter. Gemeinsam für die Festspiele, gemeinsam für Eutin!

Ulrike Plötz, Eutin
Mitglied im Kuratorium des Fördervereins der Eutiner Festspiele

1 Kommentar

  1. Danke, liebe Frau Plötz, für Ihre so sehr treffenden und deutlichen Worte, denen man eigentlich kaum etwas hinzufügen kann – es ist in der Tat verantwortungslos und zutiefst beschämend (und dies muss in erster Linie an einen Großteil der Mitglieder der Stadtvertretung und speziell an einzelne Fraktionen adressiert werden!), wie in unserer seit Jahrhunderten durch Kultur geprägten Stadt gerade sehenden Auges ein kulturelles und über Jahrzehnte gewachsenes kulturelles Juwel leichtfertig aufs Spiel gesetzt und wie dabei zugleich auf übelste Weise mit Menschen umgegangen wird – allen voran mit Falk Herzog, der Großartiges für die Festspiele und damit für Eutin geleistet hat, aber auch mit verdienten Mitarbeiter*innen…einfach nur ein (leider höchst minderwertiges) „Trauerspiel“!!!

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