Öffentliche Bücherschränke sind längst kein rein städtisches Thema mehr. Auch im ländlichen Raum finden sich immer mehr Buchstationen. Hier werden Bücher geteilt, getauscht, wieder- und weiterverwertet, begeben sich auf Wanderschaft.
Mehr als 4.000 Bücherschränke in Deutschland verzeichnet Wikipedia, 131 davon sind auf der schleswig-holsteinischen Liste erfasst. Die Webseite openbookcase.de (mit Suchfunktion) listet sogar 10.027 Einträge im Bundesgebiet auf, 72 davon in Schleswig-Holstein und weltweit 15.265. Anspruch auf Vollständigkeit hat keine der Listen, zusätzliche Einträge kann jeder vornehmen.

Vom Kunstprojekt zum Selbstläufer mit Eigendynamik
Die Kernidee für „Die Offene Bibliothek“ stammt von den Künstlern Michael Clegg und Martin Guttmann. Ihr Projekt „The Open Library“ begann 1989 als partizipative Installation im öffentlichen Raum in New Jersey, wanderte von dort aus weiter nach Graz (1991), Hamburg (1993) und Mainz (1994). Seitdem hat eine Verselbstständigung stattgefunden. „Offene Bibliotheken“, die rund um die Uhr zugänglich sind, „Bücher für alle“ parat und in Bewegung halten, Menschen aktivieren und teilhaben lassen, gibt es heute in nahezu jeder Stadt. Verbreitet hat sich „die Bewegung“ ebenso im ländlichen Raum. Bücherstationen finden sich an stark frequentierten Orten oder auch abseits im Grünen.

Station machen Bücher in ausgedienten Telefonzellen, umfunktionierten Verteilerstationen, selbstgebauten Schränken und Regalen, in Bürgerhäusern, Cafés und Kaufmannsläden. Hier warten sie auf die nächste Mitnahme und auf Leserschaft.
Bewegtes Inventar oder Schrankhüter?
Wie viel Bewegung herrscht wirklich in Bücherschränken? Wie stark wird das Angebot tatsächlich genutzt? Diesen Fragen sind 40 Studierende der Buchwissenschaft an der Universität Mainz nachgegangen (2025). In einem fünfwöchigen Uni-Projekt haben sie die Akzeptanz und Nachfrage von zwölf Mainzer Bücherschränken erforscht. Der am stärksten frequentierte Bücherschrank hatte nach fünf Wochen nur noch 6,25 Prozent seines Ursprungsbestands. Ein Drittel der Bücher blieb beim letztplatzierten Bücherschrank stehen. Festgestellt wurde außerdem, dass der Zustand entscheidend ist und belletristische Romane, insbesondere Liebesromane, tendenziell weniger nachgefragt werden. Auch verstaubte Lexika und Reiseführer aus vergangenen Zeiten bleiben oftmals „Schrankhüter“. Eine weitere Erkenntnis: Bücherstationen, die regelmäßig gepflegt und betreut werden, verzeichnen einen höheren Durchlauf. Die Studie zeigt: In städtischen Bücherschränken herrscht Bewegung. Aber nicht nur das. Sie bieten Bücher für alle, jederzeit und sind damit „hochdemokratisch“. „Eine niedrigschwelligere Möglichkeit der Buchversorgung kann man sich kaum vorstellen“, konstatiert Studienleiterin Anke Vogel (Quelle: swr.de).
Kleine Bilderreihe aus der großen Bücherschranklandschaft
Bücher „to go“ finden sich beispielsweise an diesen fünf Stationen. Prinzip und Gewand unterscheiden sich meist. Aber reichlich Bücher gibt es hier wie dort – zum Mitnehmen, im Tausch oder gegen Schutzgebühr.
Ahrenviöler Bücherstube

Bücherwald im Nordkolleg Rendsburg

Bücherzelle in Stapel

Büchertausch in der Regiobox Christiansholm

„De geele Galerie“ auf Nordstrand

Wir möchten diese Bilderreihe wachsen lassen. Gibt es in Ihrem Ort, in Ihrer Nachbarschaft eine Bücherbox? Schicken Sie uns Bilder und – wenn Sie mögen – auch gerne ein bisschen Text dazu. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht an b.dierks[at]kulturkanal.sh.