Gestern war Walpurgisnacht. Das nehmen wir auf kulturkanal.sh zum Anlass, eine Woche lang die Geschichten von sieben magischen Objekten zu erzählen. Sie lassen sich im gesamten Land zwischen den Meeren finden: in Archiven, in Ausstellungen und in der Öffentlichkeit.
Auch wenn die Hexe in dem Bild, das wir gestern betrachtet haben, als sündhaft und verdorben galt – der Glaube an Zauberei war früher selbstverständlicher Teil des Alltags vieler Menschen. Aberglaube und Christentum schlossen sich für sie nicht aus, sondern wurden miteinander kombiniert.

Das zeigt auch ein Zauberspruch in einem Elmshorner Holzbalken. 1927 wurde in Elmshorn (Kreis Pinneberg) ein altes Bauernhaus abgerissen. Ein Arbeiter zerkleinerte das Holz der Eichenbalken zu Brennholz als er in einem Klotz ein Bohrloch entdeckte – fingergroß, verschlossen mit einem Stöpsel aus Holz und Wachs. Darin steckte ein zusammengerollter Zettel mit folgendem Zauberspruch:
Hogas Hoorß du böser wiede hopf,
Ich verbiete dir mein Haus und Hoff.
Alle Vieh hage und weyde alle brünlein Kleide.
Dieweil du solches Thuß, muß du (in) der Hölle Toben.
mFddZGdHgHdHg XXX.
Der identische Spruch wurde auch in einem anderen Elmshorner Haus gefunden und in ähnlicher Form an anderen Orten in Schleswig-Holstein. Doch was bedeutet er?
Der Spruch sollte als Abwehrzauber wirken und das neu erbaute Haus sowie seine Bewohner*innen vor Zerstörung und Unglück schützen. Hogas Hoorß war ein Plagegeist, dem man zuschrieb, ein Wiedehopf zu sein, ein Vogel, der ursprünglich als Beschützer vor Zauber und Betrug galt. „So ist hier aus dem anfänglichen Beschützer der böse Druckgeist selbst geworden“, schreibt der Historiker Konrad Struve. „Eine Verkehrung des ursprünglichen Sinnes, die im Volksglauben nichts Seltenes ist.“
Rätselhafte Buchstabenreihe
Die Buchstabenreihe am Ende des Spruchs gibt nach wie vor Rätsel auf. Doch datieren lässt sich der Spruch: auf das Ende des 17. Jahrhunderts. Denn damals stellte der Elmshorner Pastor Nikolaus Petersen in einem Brief fest, es gebe in dem Ort „verdamliche, abergläubische, zaubermäßige argernüße“, wie das „bohren in den balken der Häuser“. Außerdem gab es am 19. März 1695 in Elmshorn einen Hexenprozess gegen Catharina Gerdt, weil sie zum Heilen Tränke und Salben angefertigt und auch das Balkenbohren durchgeführt haben soll. Zu einem Urteil scheint es dabei aber nicht gekommen zu sein – vermutlich, weil diese Praktiken damals sehr verbreitet waren.
Zum Weiterlesen: Konrad Struve: Die Geschichte der Stadt Elmshorn, Elmshorn, 1935-1956
Hier geht es zu den weiteren Beiträgen aus der Reihe:
- Tag eins – Ein Bild: Teufel und Hexe
- Tag drei – Ein Spaziergang: Wer war Gretje Offen?
- Tag vier – Ein Stein: Schmoeler Hexenstein – Kulturkanal.sh
- Tag fünf – Ein Film: Ein Metjen nahmens Preetzen
- Tag sechs – Eine Puppe: Die Hexen bei Faust
- Tag sieben: Noch ein Bild: Ein Zauberer