In den vergangen Tagen haben wir uns angeschaut, wie der Hexenglauben in der Frühen Neuzeit aussah und wie wir uns an die Hexenverfolgung von damals erinnern können. Heute und morgen geht es zurück in die Gegenwart: Welche Hexengeschichten leben weiter, welche Vorstellungen von damals sind noch verankert in unseren Köpfen?
Alte Geschichten von bösen Hexen
Der Audiowalk zu Gretje Offen zeigt: Die ersten Hexen, die Kindern heute in den Kopf kommen, sind vor allem moderne Erfindungen, positiv konnotierte Figuren wie Bibi Blocksberg und Hermine Granger. Doch auch so manche alte Geschichte von bösen Hexen hält sich, wie im Faust-Stoff. Doktor Faustus soll im 15./16. Jahrhundert gelebt haben, ein Alchemist und Wahrsager, um den sich viele Mythen ranken. Die bekannteste Bearbeitung des Stoffes ist Goethes Theaterstück Faust.
Faust nimmt, von Mephisto gelockt, in der Hexenküche einen verjüngenden Trank ein. Eine Hexe spricht dazu einen Zauberspruch:
Du musst verstehn!
Aus Eins mach’ Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach’ gleich,
So bist Du reich.
Verlier’ die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex’,
Mach’ Sieben und Acht,
So ist’s vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmal-Eins!
Über die Bedeutung dieses Spruchs wird viel gerätselt, genauso wie über den Elmshorner Zauberspruch im Holzbalken. Bezieht er sich auf ein magisches Quadrat? Soll er die Ablehnung des Rationalen darstellen? Ist er eine Satire auf Abrakadabra und Hokuspokus?
Auch bei Goethe wird Walpurgisnacht gefeiert: eine Hexenfeier auf dem Blocksberg, bei der die Frauen als böse und lüsterne Figuren auftreten, ähnlich dem Bild vom Flensburger Museumsberg.

Auch heute noch gehören die Hexen zu den Inszenierungen des Stoffes. Das Flintbeker Puppentheater zeigte von 1976 bis 1991 in Husum (Kreis Nordfriesland) mehrmals sein erstes Erwachsenenprogramm: Dr. Faust.
Peter Röders schuf dafür die Figuren, unter anderem fünf Hexen. Es handelt sich um Handpuppen aus Packpapier, erklärt er, deswegen seien sie sehr leicht. Bei der Gestaltung habe er komplette künstlerische Freiheit gehabt. „Wenn man an eine Hexe denkt, dann denkt man doch an grüne Haare!“ Eine andere hat einen lilafarbenen Schopf. Lange, krumme Nasen haben sie beide. Sie sind hässlich und furchterregend – aber auch ein wenig punk.
Hier geht es zu den weiteren Beiträgen aus der Reihe:
- Tag eins – Ein Bild: Teufel und Hexe
- Tag zwei – Ein Stück Papier: Zauberspruch in Holzbalken
- Tag drei – Ein Spaziergang: Wer war Gretje Offen?
- Tag vier – Ein Stein: Schmoeler Hexenstein
- Tag fünf – Ein Film: Ein Metjen nahmens Preetzen