Das Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe rüstet sich für die Zukunft

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Seine utopischen Entwürfe waren seiner Zeit voraus. Heute, 100 Jahre nach seinem Wirken, wird Wenzel Habliks Werk in Itzehoe architektonisch und museal neu gefasst.

Während das nach ihm benannte Museum in Itzehoe generalsaniert wird, ist der Visionär des Expressionismus international präsenter denn je. Seine kühnen Entwürfe zwischen Traumarchitektur, kosmischem Symbolismus und angewandter Kunst wirken weit über Schleswig-Holstein hinaus.

Wenzel Hablik: Utopische Architektur, 1921.

Im Zentrum Itzehoes, an der Reichenstraße 21, liegt eines der ungewöhnlichsten Museen Norddeutschlands. Das Wenzel-Hablik-Museum widmet sich dem Werk eines Künstlers, der zeitlebens zwischen Disziplinen, Träumen und Stilen wanderte: Der Maler, Grafiker, Architekt, Kunsthandwerker Wenzel Hablik (1881–1934) entwarf Kristallpaläste und Interieurs, illustrierte metaphysische Räume und baute mit seiner Frau, der Textilkünstlerin Elisabeth Lindemann, an einer ganzheitlichen Lebensästhetik.

Wenzel Hablik, Selbstportrait, 1927.

Seit 1995 zeigt das in einem denkmalgeschützten Kaufmannshaus untergebrachte Museum seinen Nachlass. Neben utopischen Architekturvisionen umfasst er Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Möbel, Textilien, Silberarbeiten und Entwürfe für Tapeten oder Gläser. Seit Ende 2024 ist das Haus für eine umfassende Sanierung geschlossen.

Baukunst trifft Museumsvision

Die Umbauten erfolgen unter Federführung der Stadt Itzehoe. Der Bauherr hat mit dem renommierten Büro Andreas Heller Architects & Designers ein Team gewonnen, das auf die Transformation kultureller Orte spezialisiert ist und mit dem Erweiterungsbau des Dithmarscher Landesmuseums in Heide und dem Europäischen Hansemuseum Lübeck bereits zwei Projekte in Schleswig-Holstein realisiert hat. Die Generalsanierung des Altbaus in Itzehoe ist bereits in vollem Gange, die Fertigstellung des Neubaus ist für Ende 2026 geplant. Die Wiedereröffnung des Museums soll 2027 erfolgen – mit neuer Ausstellungsgestaltung und erweiterten Räumen zum Lernen und Ausprobieren.

Ein Museum in Bewegung

Trotz der Schließung schläft das Wenzel-Hablik-Museum nicht. Mit großem Engagement betreuen Janina Willems und Dr. Axel Feuß internationale Ausstellungsprojekte. Im litauischen Kaunas, Deauville in Frankreich, Turin, Tübingen und Emden sind Werke aus dem Museumsbestand zu sehen. Darunter so bedeutende Arbeiten wie der monumentale „Sternenhimmel“ (1913) oder die Radierungen aus dem Mappenwerk „Schaffende Kräfte“. Auch in bibliophilen Editionen wie der Neuausgabe des George-Sand-Romans „Laura“ lebt Habliks Bildsprache weiter – mit Motiven, die an Science-Fiction-Illustrationen erinnern und doch aus der Zeit des Jugendstils stammen.

Die Hablik Lounge: Treffpunkt der Transformation

Ein Schlüsselprojekt während der Schließzeit ist die sogenannte Hablik Lounge – ein temporärer Ort im Stadtraum, der Begegnung, Information und Beteiligung ermöglicht. „Wir erhalten zum Großteil positives Feedback zur Hablik Lounge“, berichtet Janina Willems, stellvertretende Museumsleiterin. Das Programm reicht von Kreativkursen für Kinder und Senioren über Kunstberatung bis hin zu Kaffeeklatsch-Terminen mit der Museumsleitung. Auch ein kleiner Kunstbuchverkauf erfreut sich laut Willems „überraschend großer Beliebtheit bei der Laufkundschaft“.

Ab August bietet die Hablik Lounge in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Wenzel-Hablik-Museums eine Reihe von Vorträgen und Gesprächen vor Originalen von Wenzel Hablik an, die im Zwischenmagazin des Museums in der Feldschmiede stattfinden. Für Herbst 2025 ist eine Mini-Ausstellungskooperation mit dem Künstlerbund Steinburg geplant. Zudem soll die Lounge bald auch über den Baufortschritt des neuen Museums informieren. Aktuell wird diese Maßnahme mit den Projektbeteiligten abgestimmt wird.

Kartografie eines Künstlerlebens

Wer sich in Itzehoe bewegt, kann Habliks Spuren auch jenseits der Museumsräume entdecken. Eine historische Stadtkarte markiert über ein Dutzend Orte, an denen er künstlerisch tätig war: Villen, Geschäftshäuser, Hotels und das eigene Wohnhaus in der Talstraße. Viele dieser Bauten sind verschwunden, andere nur noch fragmentarisch erhalten, doch zusammen erzählen sie von einem Künstler, der Stadtgestaltung als ästhetisches und soziales Projekt begriff.

Die Zukunft in Kristall

Wenzel Habliks Entwürfe wirken heute erstaunlich zeitgenössisch. Seine Architekturvisionen denken in modularen, lichtbasierten Strukturen. Sie verknüpfen Kunst, Technik und Gesellschaft und entwerfen Lebensformen jenseits des Bestehenden. Wenn das Museum 2027 seine Pforten neu öffnet, wird es nicht einfach restauriert sein. Es wird neu gedacht, vernetzt, offen: Ein ästhetisches Zukunftslabor im Herzen Schleswig-Holsteins.

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