Eutiner Festspiele – Zwischen Versäumnis und verspäteter Einsicht

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Im Januar war von einem „kulturellen Erdbeben“ die Rede – und von politischem Versagen. Heute, gut zwei Monate später, muss man feststellen: Die Diagnose war leider zutreffend. Doch es zeigt sich auch, dass der öffentliche Druck Wirkung entfaltet hat. Vielleicht gerade noch rechtzeitig.

Denn vieles von dem, was damals kritisiert wurde, hat sich in den vergangenen Wochen bestätigt, teils sogar in verschärfter Form. Die fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Festspielleitung, die ausbleibende Unterstützung für ein nachweislich erfolgreiches Format und der fahrlässige Umgang mit gewachsenen Strukturen: All das ist inzwischen nicht mehr nur Vermutung, sondern durch Berichte aus dem Umfeld der Festspiele belegt.

Besonders schwer wiegt der Umgang mit den handelnden Personen. Dass ein Geschäftsführer, der die Festspiele über Jahre hinweg mit großem persönlichem Einsatz und nachweisbarem Erfolg geführt hat, bei entscheidenden Gesprächen nicht einmal eingebunden wurde, spricht für ein bemerkenswertes Maß an politischer Ignoranz. Ebenso irritierend ist der Umgang mit den Mitarbeitenden, die viel zu spät und ohne Perspektive über ihre Zukunft informiert wurden. So verspielt man Vertrauen und Know-how gleich mit.

Der Januar-Kommentar forderte einen „Runden Tisch“, einen Schulterschluss aller Akteure. Genau das scheint nun – wenn auch spät – in Ansätzen zu entstehen. Der einstimmige Beschluss der Stadt, die Festspiele künftig in einer gemeinnützigen GmbH weiterzuführen, ist ein wichtiges Signal. Doch er bleibt zunächst eine Absichtserklärung. Entscheidend wird sein, ob dieser Beschluss nun auch mit der nötigen Konsequenz, Geschwindigkeit und Offenheit umgesetzt wird.

Ein Lichtblick! Danke, Hans-Wilhelm Hagen und Mitstreiter

Ermutigend ist vor allem ein anderer Aspekt: Die Initiative der lokalen Wirtschaft. Dass Eutiner Unternehmer bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und mit eigenem Kapital den Fortbestand der Festspiele zu sichern, ist mehr als ein Hoffnungsschimmer. Es ist genau jener Schulterschluss, der im Januar eingefordert wurde. Hier zeigt sich, was möglich ist, wenn Kultur nicht als Kostenfaktor, sondern als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wird.

Gleichzeitig wird deutlich, wie knapp die Zeit geworden ist. Eine Spielzeit 2027 lässt sich nicht „aus dem Stand“ organisieren. Strukturen, Personal, künstlerische Planung. All das braucht Vorlauf. Jeder weitere Verzug könnte den Schaden vergrößern, den man eigentlich begrenzen will.

Die Eutiner Festspiele stehen exemplarisch für eine grundsätzliche Frage: Welchen Stellenwert hat Kultur in der kommunalen Verantwortung? Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell ein funktionierendes System ins Wanken geraten kann, wenn politische Unterstützung fehlt. Sie haben aber auch gezeigt, dass bürgerschaftliches Engagement und wirtschaftliche Initiative in der Lage sind, gegenzusteuern.

Der Satz aus dem Januar gilt daher unverändert: Es ist fünf vor zwölf. Der Unterschied ist nur: Inzwischen hat man die Uhr wieder in die Hand genommen. Ob sie auch richtig gestellt wird, bleibt abzuwarten.

2 Kommentare

  1. Wieder etwas gründlich schief gelaufen in Eutin. Eine Einrichtung wie die Seebühne eingehen zu lassen, wäre ein schrecklicher Verlust. Gott sei Dank haben sich schon die ersten Retter gefunden. Danke an die beherzte Zusage der Eutiner Wirtschaftsvereinigung, 300000 € einzusetzen, damit es gleich im nächsten Jahr weiter gehen kann. Ich hoffe, viele Eutiner am Sonntag, 12.04.26, 15 Uhr auf dem Marktplatz zu sehen, damit weithin erkennbar ist, dass die Eutiner und die begeisterten Besucher der Bühne von überall her, auf diese kulturellen Erlebnisse im Sommer nicht mehr verzichten möchten.

  2. Was neben der Bestürzung über den gesamten Vorgang und dem möglichen Schaden für die Stadt vor allem bleibt ist völliges Unverständnis über die Ignoranz und Arroganz der Stadtvetreter. Nach dem Desaster mit dem gescheiterten Projekt der Eutiner Mühle als kulturellem Standort und einem Schaden von 600.000 € wird nun der Leuchtturm der kulturellen Aktivitäten Eutins leichtfertig aufs Spiel gesetzt.
    Der Schaden für die Kultur und die Wirtschaft Eutins könnte enorm sein! Von einer Übernahme der Verantwortung ist weit und breit nichts zu sehen!

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