Große Anerkennung für das Lübecker KOLK 17 Figurentheater & Museum: Das Projekt „Figuren in Bewegung“ wurde für die erste Phase des internationalen Förderprogramms „WAYS – Faire und nachhaltige internationale Partnerschaften“ der Kulturstiftung des Bundes ausgewählt. Bundesweit gehören nur knapp 60 Recherchevorhaben zu den ausgewählten Projekten, die von einer internationalen Fachjury benannt wurden. Für diese erste Förderphase stellt die Kulturstiftung des Bundes insgesamt rund 1,5 Millionen Euro bereit.
Im Mittelpunkt des Programms steht nicht allein der kulturelle Austausch, sondern vor allem die Frage, wie internationale Kooperationen fair, nachhaltig und auf Augenhöhe gestaltet werden können. Dafür reisen die beteiligten Kulturinstitutionen in den kommenden Monaten zu ihren Partner:innen, führen Gespräche, Workshops und gemeinsame Recherchen durch. Besonders gefördert werden dabei Kooperationen mit Ländern und Regionen, die bislang seltener im Zentrum internationaler Kulturpartnerschaften standen.
Für KOLK 17 bedeutet die Auswahl weit mehr als eine klassische Projektförderung. Direktorin Dr. Antonia Napp bezeichnet die Teilnahme bereits in dieser frühen Phase als „von besonderer Bedeutung“, weil das Programm den Fokus ausdrücklich auf das „Wie“ der Zusammenarbeit lege. Gerade dieser Ansatz sei richtungsweisend für langfristig gelingende internationale Kooperationen. Gleichzeitig eröffnet das Vorhaben dem Museum auch die Möglichkeit, ein wichtiges Kapitel der eigenen Sammlungs- und Hausgeschichte neu zu beleuchten.
Im Zentrum des Projekts steht die Zusammenarbeit mit der renommierten indischen Figurenspielerin und Kuratorin Anurupa Roy vom Katkatha Puppet Arts Trust in Neu-Delhi. Roy gilt international als eine der wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen Figurentheaters und verfügt zugleich über große Erfahrung in Museumsprojekten.

Gemeinsam wollen die Partner:innen die umfangreiche Sammlung indischer Theaterfiguren im Bestand von KOLK 17 erforschen. Mit knapp 2.000 Objekten bildet sie den zweitgrößten Sammlungsschwerpunkt des Hauses. Viele dieser Figuren gelangten einst durch den Sammler Fritz Fey jun. nach Lübeck – ermöglicht auch durch die engen Kontakte seiner Frau Saraswati Fey nach Indien.
Dabei geht es nicht nur um kunsthistorische Forschung. Vielmehr soll gemeinsam untersucht werden, wie diese Figuren als Zeugnisse lebendiger Aufführungskultur verstanden werden können und welche Wege sie von ihren Ursprungsorten über private Sammlungen bis in öffentliche Institutionen genommen haben. Ziel ist es, diese Geschichten künftig transparenter, kollaborativer und multiperspektivisch zu erzählen.
Darüber hinaus möchte KOLK 17 gemeinsam mit seinen indischen Partner:innen ein internationales Netzwerk zum indischen Figurentheater aufbauen. Am Ende der Recherchephase soll eine sogenannte „Roadmap of Collaboration“ entstehen – ein Leitfaden für faire und nachhaltige internationale Zusammenarbeit im Kulturbereich. Bereits Ende November soll dann der Antrag für die zweite Förderstufe eingereicht werden, in der eine mehrjährige Umsetzungsphase folgen könnte.
KOLK 17 Figurentheater & Museum gilt seit Jahren als international ausgerichtetes Zentrum für Figurentheater und verbindet Ausstellung, Bühne und Forschung unter einem Dach. Mit Projekten wie „Figuren in Bewegung“ stärkt das Haus nicht nur die internationale Vernetzung der Kulturszene in Schleswig-Holstein, sondern setzt auch wichtige Impulse für einen verantwortungsvollen Umgang mit kulturellem Erbe und globalen Partnerschaften.
Quelle: Nina Rosin KOLK 17 Figurentheater & Museum