„…unendlich viel mehr als das bißchen Mensch, das ich bin“

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Das Jahr 2026 markiert einen besonderen Meilenstein für die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde. Während sich der Todestag von Emil Nolde am 13. April zum 70. Mal jährt, verstarb seine Frau Ada bereits zehn Jahre zuvor, am 2. November 1946. Mit dem Ableben des Malers im Jahr 1956 wurde sein Testament eröffnet, was zur staatlichen Anerkennung der Stiftung führte, die somit in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert.

Emil Nolde, „Lichtes Meer“, Gemälde 1948, © Nolde Stiftung Seebüll.

Museumsdirektor Dr. Christian Ring hebt die Bedeutung dieses Jubiläums hervor: „Unsere aktuelle Jahresausstellung – eben die 70.! – zeigt auf, wie Emil Nolde die großen Themen des Lebens miteinander verknüpfte. Sein Werk bleibt ein Angebot an den Besucher, die existenzielle Frage nach Nähe und Fremdheit zwischen Menschen zu ergründen, sich den Naturgewalten zu stellen und in Landschafts- und Blumendarstellungen den Kreislauf des Lebens auf sich wirken zu lassen.“

Eine wichtige personelle Weichenstellung begleitet dieses besondere Jahr: Zum 1. Februar 2026 wurde die Kunsthistorikerin Dr. Tamara Schneider zur Stellvertretenden Direktorin ernannt. Die Expertin, die über umfassende internationale Erfahrung verfügt und unter anderem acht Jahre in Japan lehrte, soll die inhaltliche Profilierung der Stiftung nachhaltig stärken. Dr. Schneider beschreibt ihre Motivation für die Arbeit am authentischen Wirkungsort des Malers wie folgt: „Nach acht Jahren in Japan fasziniert mich in Seebüll besonders das Zusammenspiel von Kunst und Natur, das Emil Nolde so virtuos inszeniert. An diesem besonderen Ort verbinden sich die Arbeit in einem international renommierten Museum und das Leben in einer einzigartigen Kulturlandschaft auf besondere Weise – damit geht für mich ein Lebenstraum in Erfüllung.“

Emil Nolde, Spaziergang, Aquarell 1931, © Nolde Stiftung Seebüll

Das Jahresthema „Emil Nolde – Beziehungen zwischen Menschen, Natur und Kunst“ rückt das vielschichtige Spannungsfeld dieser drei Pole in den Fokus. Noldes Werk wird dabei nicht als bloßes Abbild der Realität, sondern als „inneres Erleben“ und Ausdruck seiner emotionalen Beziehung zur Welt präsentiert. Der Künstler selbst fand poetische Worte für seine tiefe Verbundenheit zur norddeutschen Landschaft: „Gleich einem Märchen war die Heimat mir, das Elternheim im flachen Land, mein Land […] mein Wunderland von Meer zu Meer.“ Doch diese Beziehung zur Natur war für ihn auch ein ständiger Kampf um den künstlerischen Ausdruck, wie seine Aufzeichnungen verdeutlichen: „Für den Künstler ich ringe. Die Kunst bleibt und ist unendlich viel mehr als das bißchen Mensch, das ich bin.“ Die Ausstellung zeigt insgesamt 130 Exponate, wobei 37 Werke erstmals in Seebüll zu bewundern sind.

Die Jahresausstellung ist vom 1. März bis zum 31. Oktober 2026 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr Informationen erhalten Sie unter: https://www.nolde-museum.de/

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