Kiels Konzerthaus: Das Schloss ist wieder offen

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Vor der Sanierung des Konzerthauses am Kieler Schloss hatten die Verantwortlichen überlegt, ob sie eine andere Farbe für die Sessel wählen. Goldgelb vielleicht, wie die Reliefmuster der Brüstung vor den oberen Rängen. Oder ein Braunton, passend zum dunklen Holz des Bodens? Oder Grün als Gegenfarbe?

Am Ende entschieden sie sich wieder für das klassische Samtrot. Und so strahlt der neue alte Saal des Konzerthauses am Kieler Schloss in denselben satten Farben, wie sie ursprünglich in den 1960er Jahren vorgesehen waren.  Nur der Klang ist neu. Und besser, darin ist sich die Fachwelt einig. Aber es gibt auch Kritik: Die Preise für die Buchungen sind deutlich gestiegen. Der Landesmusikrat beklagt Intransparenz.

Schloss, was für ein Schloss?

Wer zum ersten Mal zum Kieler Schloss kommt, fragt meist, wo wenn hier eigentlich ein Schloss sei. Einst stand eine mittelalterliche Burg am heutigen Standort, an einer belebten Straße parallel zur Ostsee-Förde. Spätere Stadtherren bauten die Burg um und aus, bis zu einem richtigen Schloss mit Türmchen und mehreren Flügeln. Doch im Jahr 1944 brannte das Gebäude nach einem Bombenangriff aus. Vom historischen Bau blieb nur der Westflügel, Rantzaubau genannt.

Indirektes Licht und grauer Naturstein: Die Sanierung wollte den alten Entwurf bewahren. Foto: Geißlinger

Ende der 1950er Jahre wollte die Stadt wieder einen Konzert- und Veranstaltungssaal an der historischen Stelle errichten. Allerdings sollte es bewusst keine Wiederherstellung des alten feudalen Schlosses sein, sondern ein „Haus der Landeskultur“, das neben dem früheren Schloss entstand. Das Hamburger Architektenbüro Sprotte und Neve erhielt den Auftrag. Nach ihren Plänen entstand ein Kubus im Stil der 1960er Jahre, mit großer Glasfassade und einem weiten Vorplatz, der sich zur Stadt öffnet.

Im Zentrum des Gebäudes lag der Saal mit den roten Sitzreihen, den Holzpanelen an den Wänden und der goldenen Brüstung. Die Bühne ist nicht erhöht, sondern ebenerdig und gleichauf mit den vorderen Plätzen. Es ist ein Saal nicht nur für die so genannte Hochkultur, sondern für Hochzeitsmessen, Grünkohlessen, Kabarett und Konzerte aller Art.

„Die Kieler lieben diesen Saal“, sagt Architekt Björn Bergfeld vom Kieler Büro bbp, das für die Ausführung der Sanierung zuständig war. Die Planung lag beim Berliner Büro Gerkan, Marg und Partner.

Altes erhalten, aber in Modern

47 Millionen Euro flossen in den vergangenen Jahren in die Sanierung des Konzerthauses am Kieler Schloss, nachdem die Landeshauptstadt das Gebäude im Jahr 2018 vom früheren privaten Betreiber zurückgekauft hatte. Mehr als die Hälfte der Summe brachte Kiel selbst auf, dazu kamen elf Millionen Bundes- und zehn Millionen Euro Landesmittel sowie private Spenden. Heute gehört das Schloss organisatorisch zum Theater Kiel.

Satte Farben: Über die Bezüge der Sessel gab es lange Debatten – am Ende blieb es bei Rot. Dazu kommen das Gold der Brüstung und die Holztöne der Wände. Foto: Geißlinger

Die beauftragten Firmen wollten das denkmalgeschützte Design der 1960er Jahre bewahren und das Gebäude gleichzeitig in die Gegenwart holen. Dabei geht es um die Bereiche, die die Besucher:innen nicht oder zumindest nicht auf den ersten Blick sehen. So mussten die Räume und Gänge hinter und über der Bühne an heutigen Arbeitsschutz-Anforderungen angepasst werden.

Energieeffizienz erreichten die Planer:innen durch moderne Dämmung der Glasfassaden und LED-Leuchten, die den Bau nach innen und außen strahlen lassen. Im Saal, der nach dem Umbau barrierefrei zu erreichen ist, sorgen bewegliche Schallsegel unter der Decke für die Akustik.

Die Optik der Fassade dagegen blieb erhalten. Rund 70 Prozent der Natursteinplatten konnten wiederverwendet werden. Geblieben ist auch der Saal mit der Nähe zwischen Publikum und Orchester. Trotz 1350 Plätzen wirkt der Raum damit fast intim.

Lob von Musiker:innen und Publikum …

„Wir sind uns bewusst, dass wir hier etwas Besonderes geschaffen haben“, sagt Doris Grondke. Die parteilose Stadträtin für Stadtentwicklung und Bauen ist in der Stadtverwaltung für die Sanierung verantwortlich. Sie sieht das Schloss eingebettet in das Innenstadt-Ensemble, das am Alten Markt beginnt und am Schloss endet. Auch wenn es heute ganz anders aussieht: Dieser Straßenzug war die Keimzelle Kiels. Entsprechend sei die Sanierung des Schloss-Areals für sie ein zentrales Anliegen, sagte Grondke bei einem Rundgang mit Bau-Experten und Fachpresse.

Stadträtin Doris Grondke und Architekt Björn Bergfeld im Konzertsaal. Die beweglichen Panele an der Decke sorgen für die Akustik. Foto: Geißlinger

Lob für den Konzertsaal kommt auch aus der Branche. Der Pianist Grigory Sokolov, regelmäßiger Gast des Schleswig-Holstein Musikfestivals, habe den renovierten Saal bereits als seine liebste Spielstätte im Norden bezeichnet, sagt Konzerthausleiter Tobias Scharfenberg bei dem Rundgang. Auch andere Musiker:innen loben die neu gestalteten Probenräume und den Sound des Saals.

… Kritik von Veranstaltern

Auch der Landesmusikrat, Dachverband für die Musik in Schleswig-Holstein, freue sich über die Ertüchtigung der Spielstätte Konzerthaus am Kieler Schloss, sagt Geschäftsführer Hartmut Schröder. Doch es gibt einen Missklang im Freudenkonzert. „Die Preise zur Buchung des Saals haben sich beim Übergang von privater in städtische Trägerschaft vervielfacht“, kritisiert Schröder.

Aktuell erhalten nur drei Träger die ermäßigten Bedingungen, und das auch nur für insgesamt weniger als zehn Belegungen im Jahr. Dabei werde der Saal nicht nur für die großen Gastspiele, den NDR und die Philharmoniker gebraucht, sondern„eben auch für die regionalen semiprofessionellen Ensembles, Nachwuchsformationen und die ambitionierten Amateurorchester“, sagt Schröder. „Nur wenn die regionale Szene im Programm der zentralen städtischen Bühne abgebildet wird, kann das Kieler Schloss ein Konzerthaus für die ganze Stadt sein.“

Nach der Wiedereröffnung des Konzerthauses kommen die anderen Gebäudes des Ensembles in den Blick. Die Grünen im Kieler Stadtrat können sich einen „zentralen Ort für Kultur, Bildung und Stadtgeschichte“ vorstellen, erklärte die Fraktion in einer Pressemitteilung.

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