Kieler Kulturwochen mit dem „anderen Blick“

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„Der andere Blick“ lautet das Motto der Kieler Kulturwochen. Seit 2020 gibt es diese Veranstaltungsreihe, in jedem Jahr steht eine andere Bevölkerungsgruppe im Mittelpunkt. Bislang ging es um Zugewanderte, etwa aus Afghanistan oder Syrien. Doch die Kulturwochen 2026 drehen sich um die Roma und Sinti, die in Schleswig-Holstein eine von der Verfassung geschützte Minderheit darstellen.

Start mit Geschichten und Musik

Die Django Galore Band tritt am Eröffnungsabend der Kulturwochen auf. Foto: privat

Die Kulturwochen 2026 starten mit einem Abend „voller Sprache, Geschichten und Musik“, heißt es im Programm. Los geht es am Freitag, 30. Oktober, um 18 Uhr im Theater im Werftpark, Ostring 187 A in Kiel. Grußworte sprechen die Kieler Stadtpräsidentin Bettina Aust, Renata Čonková vom Landesverband Sinti und Roma – RomnoKher Thüringen e. V. sowie Berry Paskowski vom Verband Deutscher Sinti und Roma e. V., Landesverband Schleswig-Holstein. Im Mittelpunkt des Abends steht die Sprache Romanes.

In den weiteren vier Wochen schließt sich ein buntes Programm an. Unter anderem gibt es mehrere Tanzworkshops, auch zu Flamenco. Musik und Tanz – das klingt nach einem Griff in die Sinti- und Roma-Klischee-Kiste. Nein, sagt Natalie Demmer, Vorständin der Heinrich-Böll-Gesellschaft Schleswig-Holstein, die gemeinsam mit der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrant*innen, ZBBS, die Kulturwochen organisieren.

„Wir als Organisator:innen bestimmen nicht den Inhalt, sondern die Sinti und Roma selbst“, sagt Demmer. Ja, es gebe Klischees, „aber es kommt drauf an, wie man damit umgeht“. Musik und Tanz seien nun einmal ein Teil der Kultur der Sinti und Roma. „Wobei ich ausgerechnet Flamenco nicht mit Sinti und Roma verbunden hätte.“

Fliegende Röcke: Tanz- und Flamenco-Workshops gehören zum Programm. Foto: Andrea Štepanovičová

Viele sind an der Planung beteiligt

Für die Planung der Kulturwochen tun sich zahlreiche Institutionen zusammen. Mit dabei sind unter anderem das Theater Kiel, das Literaturhaus und die Muthesius Kunsthochschule mit ihrem Veranstaltungsraum Sp_ce. Dazu kommen jeweils Vertreter:innen der Ethnie, die im laufenden Jahr im Mittelpunkt der Kulturwochen steht. Im Fall der Sinti und Roma waren das eine ganze Reihe von Personen, berichtet Natalie Demmer.  „Die Sinti und Roma sind keine homogene Gruppe, sondern viele Kulturen und Communities, vertreten durch mehrere Verbände.“

Sinti leben seit gut 800 Jahren in Schleswig-Holstein. Aber es kommen auch Roma aus verschiedenen europäischen Ländern. Viele stammen aus Rumänien, aber auch unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind Roma. Für die Kulturwochen kommen alle diese Personen und Gruppen zusammen und entwickelten Ideen für das Programm. Und das besteht natürlich nicht nur aus Musik und Tanz, sondern ist breit aufgestellt. So finden Vorträge und Diskussionen über Geschichte, Antiziganismus und über die Erfahrung des Anders-Seins statt. Das vollständige Programm ist hier zu finden.

„Bühne frei für Geflüchtete“

Die Kulturwochen sind in der Folge der großen Zuströme von Geflüchteten in den Jahren 2014 und 2015 entstanden. Am Anfang stand ein Format der ZBBS mit dem Titel „Bühne frei für Geflüchtete“. „Das Angebot war sehr erfolgreich, aber die Finanzierung war nicht gesichert“, sagt Natalie Demmer. ZBBS und Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein entwarfen ein Nachfolge-Programm und suchten nach Fördermöglichkeiten. Heute fördern die Stadt Kiel und die Bingo-Umwelt-Lotterie die Kulturwochen. Auch der Landesbeauftragte für politische Bildung und die Brunswiker Stiftung beteiligten sich regelmäßig.

„Die Kulturwochen bieten eine Chance, sich zu treffen und kennenzulernen“, sagt Demmer. „In Kiel, wie auch in anderen Städten, leben Menschen aus vielen Kulturen, aber oft wissen wir nicht viel übereinander und trauen uns nicht recht, danach zu fragen.“ Dasselbe gelte auch für die Sinti und Roma. „Sie sind zwar unsere Nachbar:innen, wir kennen sie trotzdem nicht ausreichend“, sagt Demmer. Die Kulturwochen wollen das ein wenig verändern.

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